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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Das Ziel des Spieles ist es, den Chef zu treffen, doch der pariert, indem er die neue Frau an der Seite des IT-Chefs den Einkauf erledigen läßt ...

Das ist wirklich erbärmlich! Nachdem ich die Invasion der persönlichen Assistenten erfolgreich abgewehrt habe, bin ich eigentlich geneigt, die Friedenspfeife zu rauchen.
 
Bis, und das ist wirklich traurig, der IT-Chef, ausgerüstet mit Designer-Handy, Laptop und einem brandneuen Firmen-Kabriolett, die ehemalige Assistentin des Chefs zur neuen ´Managerin´ ernennt, die sich um die Kommunikation in der Chefetage kümmern soll.
 
Ich bin wirklich sicher, daß diese Beförderung nichts mit den langen Ausflügen der genannten Frau zusammen mit dem IT-Chef im erwähnten Firmenwagen zur Mittagszeit zu tun hat. Denn es ist ja ganz offensichtlich, daß ihre zweitägige Erfahrung in ihrer vorherigen Position ausgereicht hat, sie für die IT-Abteilung zu qualifizieren.
 
"Sie ist ausgezeichnet!" ruft der Chef und verteidigt seine ehemalige Assistentin.
 
"Ausgezeichnet!" erwidere ich. "Wenn sie mehrmals die Anzahl ihrer Backen zählen würde, käme sie jedesmal auf ein anderes Ergebnis ..."
 
"Sie muß aber etwas über die IT wissen, wenn sie diese Stellung bekommen hat!" erwidert der Chef und ignoriert meinen Kommentar.
 
"Natürlich ... Und wie lange brauchte sich doch gleich, um ihren Arbeitsplatz-PC einzuschalten?"
 
"Der Schalter ist ja auch schwierig zu finden!" antwortet er mit der Loyalität eines Terriers.
 
"Ja - der Schalter ist wirklich irreführend deutlich an der Vorderseite des Rechners angebracht ..."
 
Der Chef sieht ein, daß seine Argumente schneller als die Titanic versinken und sucht das Weite. Da das Problem nicht gelöst wurde, erwarte ich die schlimmsten Dinge für die Zukunft ...
 
Meine Befürchtungen werden bestätigt, als sie eine Ladung Netzwerk-Computer zu Sonderpreisen bestellt. Diese jämmerlich recherchierte Entscheidung hat die offizielle Genehmigung bekommen, und ich soll nun mein technisches Einverständnis erklären. Schneller als der normale Nutzer ´Wo sind meine Daten?´ sagen kann, stopfe ich die Papiere in den Aktenvernichter.
 
Der Chef erscheint beinahe etwas schneller in unserem Büro.
 
"Diese Netzwerk-Computer sind großartig!" sagt er. "Sonya hat uns das gerade vorgeführt."
 
"Wirklich? Ich kann nicht sagen, daß ich dem zustimme, aber was soll´s, was gut für Amsterdam ist, ist wohl auch gut für London!" rufe ich.
 
"Nein. Ich meine, sie hat uns umgedreht, wirklich überzeugt."
 
"Also sind sie alle käuflich? Ich würde nicht so bald kündigen, wenn ich sie wäre!"
 
"Ich rede über Netzwerk-Computer!" schnappt er.
 
"Natürlich. Und ihre Käuflichkeit?"
 
"Es gibt keine Käuflichkeit!!"
 
"Natürlich nicht! Die Wände haben Augen und Ohren", murmelt der PJ zwinkernd.
 
Der Chef gibt auf und faßt sein Gerede zusammen ...
 
"Wie auch immer, diese Netzwerk-Computer sind wie PCs - nur ohne Disketten und Festplatten." verkündet er.
 
"Sie booten nicht?" fragt der PJ.
 
"Nein!" antwortet der Chef. "Sie laden alles von einem Server."
 
"Wie die dummen Terminals, die wir vor zehn Jahren hatten. Immerhin haben sie ja jetzt Grafik- und Tonfähigkeiten."
 
"Uh ... nein, schneller und in Farbe!!"
 
"Sie meinen, wie die X-Terminals, die wir vor drei Jahren ausgemustert haben?" frage ich.
 
"Uh ... nicht genau."
 
"Also ist ein Arbeitsplatzrechner, der von einem Server abhängig ist, besser, als ein Rechner, der auch ohne Server funktioniert?"
 
"Hm ... weil wir die Technik nicht aufrüsten müssen!"
 
"Niemals?"
 
"Nein, das ist wie bei einem Farbfernseher!" stößt der Chef triumphierend hervor. "Wenn sie erst einmal einen haben, müssen sie sich keinen neuen mehr kaufen, weil alles, was sie brauchen, von den Sendern kommt."
 
"Auch nicht, wenn die Programme diese neuen Möglichkeiten wie Nicam Stereo, Dolby Surround oder Widescreen nutzen?"
 
"Uh ... nein ..."
 
"Und wenn es neue, schnellere Prozessoren, bessere Mäuse, Scanner und Programme gibt, die sie nutzen?"
 
"Wissen sie, wir kaufen ein paar dieser Netzwerk-Computer, also unterschreiben sie!" schreit der Chef schließlich, als ihm gegen meine Logik keine Argumente mehr einfallen, und zaubert aus dem Nichts eine Kopie der Bestellung hervor, die ich dem Zerkleinerer anvertraut hatte.
 
Nun, warum auch nicht. Ich schreibe eine Unterschrift auf das Papier. Natürlich nicht meine, aber wen interessiert das schon? Den Chef vielleicht, sollte jemand auf die Idee kommen, den Vorgang zu prüfen, doch, wie gesagt, wen interessiert das schon ...
 
"Und weil sie die gleiche Technik nutzen sollen, wie ihre Nutzer, werde ich ihnen auch ein paar Netzwerk-Computer schicken." fährt der Chef fort.
 
BASTARD!
 
Als die Lieferung kommt, werden Testrechner über die verschiedenen Abteilungen verstreut, der PJ und ich bekommen die für uns bestimmten, so daß die Schlacht beginnen kann!
 
Die Möglichkeiten zur Fernwartung der Netzwerk-Computer sind großartig, besonders dann, wenn man die Rechner ferngesteuert zum Neustart veranlassen kann. Ich versehe die Monster in Netzwerk-Doom mit den Gesichtern der Nutzer und sorge dafür, daß ihr Rechner neugestartet wird, wenn sie getroffen werden ...
 
Ich rufe die betreffenden Nutzer noch an und informiere sie über die Chancen, die sie, da sie das Spiel ja vom Server laden müssen, haben, wenn sie nur die Pistole nutzen können, wobei sie mit der Munition besonders sparsam umgehen sollten, denn Nachschub gibt es für sie nicht. Natürlich, manche Erbsenzähler werden richtig gute Pistolenschützen, wenn es von ihrer Schießkunst abhängt, ob sie die Tabelle, an der sie zwei Stunden saßen, auch speichern können (ein weiterer kleiner Eingriff in das Programm auf dem Server).
 
Am Freitag trudeln die Testergebnisse ein. Zu meiner Überraschung sind die Netzwerk-Computer nicht sehr beliebt, so daß sie wieder durch normale PCs ersetzt werden.
 
Oh, 327 Tote gab es übrigens ...
 
Der Chef bekommt eine Verwarnung, weil er die Bestellung unterschrieben hat, die kleine Helferin des IT-Chefs dagegen eine Gehaltserhöhung (ihr Lohn scheint wohl an spezielle Vorführungen gebunden zu sein) und der PJ und ich freuen uns wieder über normale Zustände.
 
"Ich denke an eine PC-Version dieses Spiels", kommentiert der PJ später.
 
"Sie meinen das gleiche Spiel, nur sollte es den Pentium-Fehler ausnutzen, um die PCs zum Stehen zu bringen?"
 
"Sie haben auch schon daran gedacht?"
 
"Nicht nur das, ich habe es auch schon installiert und warte nun auf Gegner ..."
 
Seufz. Schon wieder so ein anstrengendes Gemetzel ...
 
 
 
p.s.: gewisse ähnlichkeiten zu einer vorhergehenden episode sind unübersehbar, aber anscheinend doch gewollt. jedenfalls habe ich meine dateien einer sorgfältigen prüfung unterzogen, um irrtümer auf meiner seite auszuschließen ... </thomas w.>


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 10.06.1998, Übersetzung: thomas w., 2000.