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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Die Midlife-Krise des IT-Chefs und wie aus einer Karriere als Fotomodel eine Qualifikation für eine leitende Position wurde ...

Es ist wirklich mitleiderregend. Schmerzlich wird Abteilungsleitern in einem bestimmten Alter immer bewußt, daß sie nicht mehr länger zu den Jüngeren oder auch nur zum mittleren Alter gehören. Und dann versuchen sie, durch eine plötzliche Änderung ihres Lebensstils dies zu kompensieren.
 
Und so kam es, daß der IT-Chef sich ein Designer-Handy, einen Laptop sowie ein neues Kabriolett zulegte - und eine auffallend junge Schwätzerin als Beraterin.
 
Es ist leicht zu sehen, daß ihre Erfahrung in der Model-Branche soviel mit Informations-Systemen zu tun hat, daß selbst das Blättern in Hochglanzmagazinen ihre Qualifikation schon merklich verbessert ...
 
"Ich sehe nicht, weshalb sie ein Problem darstellt", ruft der Chef.
 
"Sie kann nicht einmal IT buchstabieren und macht jetzt Zusagen an jeden, der sie danach fragt." protestiere ich.
 
"Sie muß aber etwas über IT wissen, sonst hätte sie diese Position nicht besetzen können." antwortet der Chef und bestätigt damit meinen Verdacht, daß er ein Mitglied von NaivetE International ist.
 
"Na gut. Wie lange brauchte sie gleich noch, um ihren PC einzuschalten?"
 
"Der Schalter ist wirklich schwer zu finden." antwortet er mit der Loyalität eines Terriers.
 
Meine schlimmsten Ängste werden wahr, als sie entscheidet, daß wir eine ganze Ladung Netzwerk-Computer (NC) anschaffen werden, "weil wir uns dann nicht mehr um die Aufrüstung kümmern müssen". Diese schlecht durchdachte Entscheidung hat den Segen des Chefs bekommen, so daß sie nun bei mir landet, damit ich mein technisches Einverständnis erklären kann. Ich werfe das Formular schneller in den Zerkleinerer als der durchschnittliche Nutzer ´Wo ist meine Festplatte?´ buchstabieren kann.
 
In Rekordzeit steht der Chef in unserem Büro.
 
"Diese Netzwerk-Computer sind großartig", stößt er hervor und wedelt mit ein paar Hochglanzbroschüren.
 
"Und wieso sind sie das?" frage ich.
 
"Weil sie sich wie PCs ohne Festplatte verhalten." ruft er. "Sie sind hervorragend, weil alles, was sie zum Laufen brauchen, vom Server geladen wird."
 
"Klingt nach einem dummen Terminal mit Grafik und Klangwiedergabe."
 
"Uh ... nein, viel schneller und in Farbe."
 
"Also ist das so, als würde man einen Schwarzweißfernseher gegen einen Farbfernseher tauschen."
 
"Uh ... nicht ganz."
 
"Wir verabschieden uns also von unabhängigen Computern und setzen nun solche ein, die davon abhängen, daß der Server funktioniert - wie in den alten Tagen mit den Terminals. Und wenn der Server gerade abgestürzt ist, dann kann auch niemand arbeiten. War das nicht eigentlich der Grund, weshalb wir unabhängige PCs angeschafft haben?"
 
"Ähm ... Nein, nicht wirklich."
 
"Oh. Dann unterscheiden sie sich also von einem, sagen wir, Arbeitsplatz-PC wodurch?"
 
"Dadurch, daß wir die Technik nicht aufrüsten müssen. Es wird wie bei ihrem Farbfernseher sein", ruft er triumphierend. "Wenn sie erstmal einen haben, brauchen sie sich nie wieder Gedanken über seine Aufrüstung zu machen - wir müssen nur die Software auf dem Server aktualisieren."
 
"Auch dann nicht, wenn die Programme mehr Arbeitsspeicher verlangen?"
 
"Nein."
 
"Auch nicht, wenn die Programme die neuesten Spielereien ausnutzen wollen - denken wir an Stereo-Bilder, Dolby Surround oder Widescreen?"
 
"Sehen sie, wir werden so oder so ein paar dieser Dinger anschaffen. Unterschreiben sie einfach!" ruft der Chef.
 
Also, was soll´s, denke ich mir, soll er seine Unterschrift bekommen. Ich kritzle einen Namen auf das Formular. Natürlich nicht meinen, aber wen wird das schon stören? Abgesehen vom Chef natürlich, sofern jemand die Unterschrift mit seiner vergleicht.
 
"Und da sie mit der gleichen Technologie arbeiten sollten, mit der auch ihre Nutzer arbeiten, bestellen sie gleich ein paar für sich mit."
 
BASTARD!!
 
Ein paar Tage später sind die Netzwerk-Computer da und werden zum Test auf verschiedene Abteilungen verteilt. Der PJ und ich bringen unsere zum Laufen, indem wir ihre Innereien gegen die eines modernen Laptops austauschen - doch von außen sehen sie noch immer aus wie die Original-NCs.
 
Das Blutbad kann beginnen!
 
Fernwartung ist eine hervorragende Erfindung, ganz besonders dann, wenn man damit andere Rechner neu starten kann. Ich ersetze in der Netzwerkversion von Doom die Gesichter der Monster mit denen der NC-Nutzer und sorge dafür, daß bei ihrem Tod ihr Netzwerk-Computer neu gestartet wird. Wenn ich einen Nutzer töte, stirbt auch der Netzwerk-Computer.
 
Natürlich, das ist nicht sehr sportlich, also rufe ich die Nutzer an und gebe ihnen eine Chance. Doch wie groß kann die Chance schon sein, wenn man eine Kopie des Spiels benutzen muß, die auf dem Server liegt und nur die Benutzung der Pistole erlaubt? Trotzdem ist es interessant zu sehen, wie ein Erbsenzähler zu kämpfen vermag, wenn er die nächsten zwei Stunden mit der Tabellenkalkulation arbeiten will und im Spiel gewinnen muß, damit er die Funktion zum Speichern nutzen kann.
 
Zur unserer Überraschung lehnen die meisten Nutzer die Netzwerk-Computer ab, so daß sie nach nur 4 Tagen (und 327 getöteten Nutzern) außer Betrieb genommen werden.
 
"Ich habe an eine PC-Variante dieses Spiels gedacht", kommentiert der PJ.
 
"Das gleiche Spiel, nur daß es den Prozessor der Arbeitsplatz-PCs zum Stillstand bringt?"
 
"Wollen sie damit sagen, daß sie auch schon daran gearbeitet haben?"
 
"Ich habe daran gedacht, es installiert und warte nur noch auf neue Mitspieler mit einem Gewehr."


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 04.02.1998, Übersetzung: thomas w., 2000.