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| bastard operator from hell | ||
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Die ´Millenniums-Bombe´ hat nichts mit der zu tun, die den Chef nach nur einem Bier dazu bringt, die Tarnung des B.O.F.H. auffliegen zu lassen ...
Ich sitze in einer Besprechung, in der ein amerikanischer ´Experte´ für das Jahr 2000-Problem seinen Vortrag hält. Ich bin weit davon entfernt, jemandem vorzuwerfen, daß er seine Chance erkannt hat und nun scheinheilig mit beiden Händen das Geld scheffelt, aber er hätte seinen Vortrag immerhin etwas unterhaltsamer gestalten können. Doch der ist ungefähr so langweilig, wie das Beobachten des Trocknens von Nagellack. Was ich zufällig gerade mache - nämlich auf den Fingern einer attraktiven jungen Systembetreuerin neben mir. Bis zur üblichen Zeit für den Morgentee - als ihr Verstand erwacht und sie davonläuft. Das ist das Problem unserer Zeit - niemand hat mehr Pflichtgefühl. Abgesehen vom Chef natürlich, der mich dabei erwischt, wie ich mich ebenfalls davonstehlen und den Pub aufsuchen will, in dem wir uns treffen wollen. "Beeilen sie sich!" ruft er. "Oder sie verpassen die Ausführungen über ..." (*blätterblätter*) "... die Notwendigkeit, in Cobol geschriebene Programme zur Datenbankabfrage neu zu entwickeln." Soweit es mich betrifft, gibt es für dieses Problem zwei Lösungsansätze für jeden jemals in Cobol programmierten Müll: a) Das "rm-rf"-Kommando, es sei denn das Betriebssystem dieser Zeit (vor RSI [Repetitive Strain Injury - thomas w.] und damit vor der Angst, noch vor dem Abschluß der Befehlseingabe zu sterben) versteht diesen Befehl noch nicht, dann muß er entsprechend durch "DELETE/ERASE/NO CONFIRM [...] *.*; *" ersetzt werden. Oder, mein ganz persönlicher Favorit: b) Eine Axt. Wie auch immer, da er gesehen hat, wie ich das Zimmer verließ, kann ich mich nicht im Pub sehen lassen, bevor der Chef eingeschlummert ist. Eine Viertelstunde später bin ich dann im Pub und plaudere über den erst jüngst getrockneten Nagellack auf den Fingernägeln einer Verantwortlichen für die Systemsicherheit. "Was machen sie eigentlich als Sicherheits-Ingenieurin?" frage ich und verwickle sie sofort in ein Gespräch unter Fachleuten. "Nun, ich kümmere mich um alle Aspekte der Sicherheit von Soft- und Hardware. Das schließt den Schutz der Privatsphäre ein wie auch die Gestaltung von Software und deren Test unter besonderer Beachtung der Aufgabe, daß keinem Nutzer irgendwelche Schäden durch ihren Einsatz entstehen - physisch, geistig wie auch finanziell. Es ist eine sehr interessante Aufgabe, bei der man immer auf dem neuesten Stand sein muß." Mein Gehirn schaltet sich ab, als ich versuche, meinen Kummer zu verbergen, den sie damit verursacht - und nicht nur, weil sie meint, die Nutzer seien wichtig. Mir ist gerade das schlimmste passiert, was überhaupt passieren kann. SIE IST DER ANTI-BASTARD! Sofort versuche ich, mich etwas von ihr zu entfernen, damit es nicht einmal zu zufälligen Berührungen kommt. Ich erinnere mich schließlich noch gut an meine Physikstunden, in denen es darum ging, was geschieht, wenn Materie und Antimaterie zusammentreffen ... "Und was machen sie?" fragt sie. "Nun, ich bin System- und Netzwerk-Administrator." "Und was führt sie zu dieser Jahr-2000-Veranstaltung?" fragt sie und erwartet eine vor Selbstlosigkeit und Sorge um die Nutzer triefende Antwort. "Nun, ich bin hier, um mich zu versichern, daß unsere Nutzer nicht mit potentiellen Problemen, die vor, während und nach dem Jahreswechsel auftreten könnten, zu kämpfen haben ..." antworte ich. Zugleich hasse ich mich dafür, daß ich solch ein Schleimer sein kann, während ich mir im Geiste dazu gratuliere, daß ich damit die erste Hürde auf dem Weg zu weiteren Vergnügungen genommen habe. Ich kann mir einfach nicht helfen ... "Wirklich?" fragt sie voller Freude, eine verwandte Seele in der Masse der Computer- und Netzwerkprofis gefunden zu haben, die sie zweifellos in der Vergangenheit kennengelernt hat. "Aber natürlich", erkläre ich. "Sie haben ja KEINE AHNUNG, wie lange mein Assistent und ich brauchen, um unseren Nutzern zu geben, was sie benötigen." Sie denkt an Händchenhalten mit den Nutzern, ich denke an einen Tritt in den Unaussprechlichen, aber das ist ja unaussprechlich, also lasse ich sie denken, was sie will. Zum Teufel mit den Physikern, sie müssen sich geirrt haben ... Wir plaudern noch eine Weile, doch dann weht der Nordwind einen unangenehmen Geruch herein, und der Chef tritt ein. Das kann nur eins bedeuten ... "Es gibt gar kein kostenloses Mittagessen!" ruft der Chef entmutigt. "Stimmt, ich dachte auch, hier bekäme ich eins", antworte ich und besänftige ihn, indem ich ihm ein Bier auf meine Kosten anbiete, um damit einerseits an sein ´Zusammengehörigkeitsgefühl´ zu appellieren, und andererseits, um seine bekannte ´Ein Bier - Ein Betrunkener´-Schwäche auszunutzen. Ich verstärke den Effekt noch mit einem doppelten Wodka, was bedeutet, daß er spätestens in 15 Minuten unter dem Tisch liegen sollte. Ich kehre von der Bar zurück, und der Chef läuft vor Gutmütigkeit geradezu über, weil ich ihm ein Bier spendierte. Nachdem er ein halbes Bier geschluckt hat, bemerke ich meinen fatalen Fehler. "Holen sie Wiesserdochgleich her!" ruft er an niemanden spezielles gewandt und sucht in seinem Mantel nach seinem Handy. Er findet es und ruft den PJ an, dem er einen überzeugenden Beweis seines Zustandes liefert. ARSCHLOCH. Nachdem ich meine letzten Chancen auf einen ruhigen Abend mit meinem Gast verspielt habe, schreitet der Chef auf dem Pfad der Vernichtung voran. "Dieser Kerl da ist großartig", ruft er voller Zuneigung zu mir. "Erinnern sie sich daran, wie dieser Nutzer es brandeilig hatte, freien Festplattenplatz zu bekommen? Sie haben ihm eine in der Mikrowelle aufgeheizte Festplatte in den Schoß fallen lassen!" Ich versuche, den Chef mit dem Geräusch umfallender Biergläser abzulenken, doch er kramt weiter in seinen Erinnerungen. "Oder als sie diesem Rechnungsprüfer erklärt haben, sein Bürostuhl wäre statisch aufgeladen, weshalb er ihn erden solle? UND SIE BRACHTEN IHN DAZU, SEINEN STUHL AN DIE STECKDOSE ANZUSCHLIESSEN! HA! HA! HA!" Und so kommt es, daß der PJ nur noch mich und den Chef antrifft, als er endlich kommt. Da der Chef nur noch halb bei Bewußtsein ist, brauche ich ganze 10 Sekunden, um den PJ einzuweihen. Ich kaufe dem Chef ein Abschiedsgetränk und schiebe ihn, zusammen mit dem Glas, in ein Taxi, das ihn heimbringen soll. "Ich muß sagen, daß sie das ziemlich gut wegstecken", sagt der PJ. "Vergeben und vergessen", rufe ich großmütig. "Aber davon einmal abgesehen, er dürfte etwa in diesem Moment erkennen, daß sein Getränk kein Bier ist." "Schnaps?" "Machen sie sich nicht lächerlich!" rufe ich. "Wir reden von einem warmen Milchshake mit Fischgeschmack - genau das richtige Getränk für einen empfindlichen Magen ..." |
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© Simon Travaglia, 17.06.1998, Übersetzung: thomas w., 2000. |
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