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| bastard operator from hell | ||
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Der B.O.F.H. verschwindet. Ist das das Ende?
Schweren Herzens schließe ich mich in der sicheren Netzwerkzentrale ein, um diese Zeilen niederzuschreiben. Den Leser muß ich wegen meines Schreibstils um Vergebung bitten, da dies mein erster Versuch ist, meine Gedanken und Beobachtungen niederzuschreiben. Es ist mir nicht entgangen, daß mein Vorgesetzter so großzügig war, unsere Abenteuer dem aufmerksamen Leser mitzuteilen, und so fühle ich als sein treuer Assistent nun die Verpflichtung, diese traurige Geschichte aufzuschreiben. Es war ein typischer Freitagmorgen. Ich war damit beschäftigt einen Nutzer mit der ETE (Empohlene Tagesdosis an Elektrizität) zu unterrichten, als meine ´Erziehungsmaßnahme´ durch das Versagen der Stromversorgung für die Rechner unterbrochen wurde. So aus der Umklammerung der Elektrizität befreit, entkam der Nutzer hinter dem B.O.F.H., dessen Hand auf der jetzt offenen Hauptsicherung lag. "Noch viel Arbeit?" fragte er und wirkte etwas abgelenkt, verwirrt. "Nein", antwortete ich und deutete hinter dem verschwundenen Nutzer her. "Dann wird es ihnen ja leichter sein, meinen Vorschlag anzunehmen, für ein paar Tage auf Tauchstation zu gehen." "Das ist nicht wieder der Scherz mit dem Camping-Urlaub, oder?" "Ich fürchte nicht. Haben sie jemals etwas von Arty Murray gehört?" "Nein ... Oh, warten sie - ist das nicht der Mann, der sich selbst als ´Netzwerk-Künstler´ bezeichnet?" "Pinkel-Künstler trifft es wohl eher. Er schleimt sich bei einem oder zwei Chefs auf einer Messe ein und prüft dann mit deren Einverständnis von außerhalb die WANs und LANs (als ´unabhängiger Sicherheits-Berater´). Dann kombiniert es diese Informationen mit denen, die er von den Managern bekommen hat, mit denen er Kontakt aufnahm." "Und ...?" "Und, unausweichlich, fabriziert er eine Sicherheitslücke und empfiehlt die Ausgliederung der GESAMTEN IT-Abteilung an ein neugegründetes Unternehmen, in das er involviert ist, das freilich zu dumm ist, localhost anzupingen. Und DANN, wenn diese Firma aufgegeben hat, läßt er sich selbst für diese Arbeit anheuern. Sie wissen vielleicht nicht, wie das ist, wenn man Angst um seinen Arbeitsplatz haben muß - aber jetzt, jetzt ist es soweit! Wenn ich diesen Mann schlagen kann, wenn ich die Computer-Gesellschaft von ihm befreien kann, dann kann ich mich ganz ruhig um eine neue Qualität meiner Arbeit kümmern - bessere Nutzerunterstützung, die Besatzung der Nutzer-Betreung, Tanzveranstaltungen im TV." "Natürlich nicht!" "Stimmt, ich ließ mich gehen. Aber er ist eine Bedrohung, und er war HIER. Ich habe in den vergangenen Tagen seine Spuren verfolgt. Wir hatten unsere Begnungen im Netz, und nun ist er hinter mir her. Das ist jetzt eine persönliche Angelegenheit!" "Was wollen sie tun?" fragte ich. "Tun? Elementare Dinge, mein lieber PJ! Wir werden das Netz für ein paar Tage unbeaufsichtigt lassen, bis er sich selbst verrät. Er wird der Verlockung nicht widerstehen können, mit unserer Technik zu spielen." Und so geschah es dann auch. Wir buchten zwei Tickets in die Dritte Welt (Luton) und blieben dem Büro fern. Doch statt tatsächlich Urlaub zu machen schlichen wir in das Gebäude und besetzen die Notfall-Zentrale in der 6. Etage und schlugen die Zeit damit tot, daß wir unsere ausgedienten Satellitenschüsseln auf die Empfänger unserer Konkurrenz ausrichteten und sie mit hochfrequenten Strahlen ´bombardierten´. "Jaaaa!" rief der B.O.F.H. am zweiten Tag, als wir uns gerade über unser indisches Menü hermachten. "SEHEN SIE!" rief er und zeigte auf ein blinkendes rotes Licht auf dem Monitor. "Das ist er, er ist an der RH-Sinkleitung!" "RH-Sinkleitung? Was ist eine Sinkleitung?" "Das Gegenteil einer normalen Steigleitung", schnappte er zurück. "Wo das Abwasser abfließt. Um Neugierige davon abzuhalten, an den Leitungen herumzuschnüffeln, sorge ich jedes Jahr dafür, daß eines der Rohre ein Leck bekommt. Kombiniert mit dem bemerkenswerten Mangel an Bodengittern kommt so immer ein überzeugender Haufen Abfall zusammen, der auch die Allerneugierigsten vom Schnüffeln abhält." "Warum?" "Weil ich dort die verschwundene Technik und größere Bestechungssummen verstecke. Sie wissen ja, daß ich den Banken mit ihren durch Steuerhinterziehung erschwindelten Gewinnen mißtraue." "RH-Sinkleitung?" "Es gibt vier Sinkleitungen im Gebäude. Links vorn, rechts vorn, links hinten und rechts hinten." "Und was ist in der Sinkleitung rechts hinten?" "Geld. All mein Geld. Über Jahre habe ich es angespart. Und es steckt in etwas, das aussieht wie ein riesiges Kanalisationsrohr." "Arty Murray hat das Versteck gefunden?" stöhnte ich. "Es sieht so aus. Ich werde besser einmal nachsehen!" "Ich begleite sie." "Nein, sie bleiben hier. Ich möchte nicht, daß jemand annehmen könnte, wir beide wollten die Firma verlassen." Mit diesen Worten griff der B.O.F.H. zum als Taschenlampe getarnten Elektro-Schocker, nahm ein paar Sprungseile und schritt davon. Ich wartete einige Zeit. Ich startete die Monitore der Überwachungsanlage, um seine Bewegungen zu verfolgen, doch konnte nichts sehen. Die Stromleitung für die Überwachungskameras war außer Betrieb. Ausgerüstet mit einem batteriegetriebenen Tacker sprintete ich in die besagte Ecke des Gebäudes. Ich fand eine halbgeöffnete Tür, auf der "Reichenbach - Gebäudereinigung" stand. Offenbar ein Wortspiel. Als ich die Tür vollständig geöffnet hatte, erblickte ich die Überreste eines Kampfes, eine zersplitterte Latte hier, einen Tropfen Blut da. Aber es kam noch schlimmer. Eineinhalb Etagen weiter unten sah ich einen Kleidungsfetzen an einem Rohr, der nur vom T-Shirt des B.O.F.H. stammen konnte. Ich starrte in den dunklen Abgrund und rief seinen Namen. Doch meinen Rufen antwortete nur das Echo ... |
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© Simon Travaglia, 21.07.1999, Übersetzung: thomas w., 2001. |
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