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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Der B.O.F.H. kehrt aus dem Totenreich zurück ...

Es ist noch dunkel, als ich mir mit einer "Ersatz"-Magnetkarte Zutritt zu meinem künftigen EX-Arbeitsplatz verschaffe und nach einer kurzen Phase des vorgetäuschten Todes ins Büro schlendere ...
 
Es gibt nichts besseres als den eigenen inszenierten Tod, um wieder Spaß am Leben zu haben ...
 
Als ich leise ins Büro schleiche, bemerke ich den PJ, Gott schütze ihn, in dessen Augen sich tatsächlich ein paar Tränen schleichen, als er meine Sachen zusammenräumt und in einer einfachen Pappschachtel verstaut - zu denen sich noch ein paar weitere ´Sachen´ gesellen, als ich die Schublade zuschlage, in der seine Hand steckt.
 
"Ich habe ihnen doch wieder und wieder gesagt, daß mein Eigentum tabu ist!" rufe ich.
 
"A ... aber ... sie sind ... sie sind ..." stammelt er und zieht behutsam seine Finger aus der Schublade.
 
"... lebendig und gesund?" vollende ich.
 
"Aber ... was ist mit ..."
 
"Arty Murray?" helfe ich erneut aus. "Als ich ihn zuletzt sah, fiel er durch einen klitschigen Abwasserkanal nach unten und landete in der Hauptabwasserleitung des Hauses. Möglicherweise ist er in die Themse gespült worden ... Das ist eben ein schmutziges Geschäft ..."
 
"Wie konnten sie ...?"
 
"Unversehrt entkommen? Nun, meine Chancen standen nicht gut, doch eine Schlinge aus Ethernet-Kabel (welches aus dem Kabelschacht zu entfernen ich ihnen schon vor mehr als einem JAHR aufgetragen hatte) war seltsamerweise in den Abwasserschacht gestopft, wo ich es theoretisch niemals finden würde ..."
 
Der PJ schaut schuldig zur Seite, als ich fortfahre ...
 
"Die Schlinge legte sich um eines meiner Beine, als ich abstürzte und verursachte weitaus weniger Verletzungen als ein fortgesetzter Sturz in die Tiefe. Aber machen sie sich keine Sorgen, für den Lohnausfall während meiner langen Abwesenheit (zum Zwecke der Gesundung) wird die Firma aufkommen müssen, wie auch für die extrem hohen Rechnungen meiner Ärzte J. Beam und J. Daniels."
 
"OhIchfreuemichjasodaßsiewiederhiersind!" freut er sich mit der Selbstbeherrschung eines Microsoft-Fans, der sich im Schlafzimmer seines großen Meisters in Gatesland wiederfindet. "Die Dinge haben sich furchtbar entwickelt!"
 
"Furchtbar?" frage ich.
 
"Die IT-Abteilung wurde umstrukturiert, sie haben uns den Erbsenzählern unterstellt. Und zusätzlich haben sie eine Ausgabensperre über uns verhängt."
 
"Also ist eigentlich alles normal, oder?"
 
"DAS GLAUBE ICH NICHT!" ruft der Chef triumphieren, als er das Büro mit all dem Stolz und der Selbstsicherheit eines stattlichen Tieres mit großen Stoßzähnen betritt. Nach zehn Eimern Bier.
 
"Wieso?" frage ich höflich.
 
"Weil sie hier nicht mehr ARBEITEN!" ruft er fröhlich und zeigt auf die Klauseln in meinem Arbeitsvertrag, die sich auf unentschuldigtes Fehlen beziehen.
 
"Natürlich arbeite ich nicht mehr hier - es war schön, ALS ich hier arbeitete. Aber jetzt habe ich mich auf einer grüneren, saftigeren Weide niedergelassen. Nebenbei, gibt es irgendwelche Jahr 2000-Probleme?"
 
"Es ist ein Alptraum!" gibt der PJ zu. "Sie sagen es - sogar die Technik, die erst sechs Monate alt ist."
 
"Ausgezeichnet! Also war meine Arbeit nicht umsonst."
 
"Sie haben unsere Systeme sabotiert!" empört sich der Chef.
 
"Natürlich nicht. Sie sagten, daß unsere Systeme auf Jahr 2000-Beschwerden vorbereitet sein sollen."
 
Ich sagte, sie sollen beschwerde-FREI laufen!"
 
"Nein, sie sagten ausdrücklich, daß sie auf Beschwerden VORBEREITET sein sollen. Ich weiß es, denn ich habe mir eine Kopie gemacht."
 
"A ..." stammelt der Chef, der offenbar einen großen Teil seines Vokabulars vergessen hat.
 
"Fragen sie nicht mich nach IHREN Gründen! Und wenn sie glauben, die jetzige Situation sei SCHLECHT, dann warten sie auf den 29. Februar - einige Programme dürften sich in Viren verwandeln!"
 
"Das werden sie reparieren müssen!" ruft er.
 
"Bedaure, ich arbeite nicht mehr hier."
 
"Doch, das tun sie!"
 
"Ich kann nicht, ich bin tot - wie sie es in ihrer E-Mail an die Lohnbuchhaltung vor ein paar Monaten schrieben."
 
"Wie haben ..." beginnt der Chef, doch beantwortet seine Frage gleich selbst - offenbar stand er doch etwas zu lange nicht mehr unter meinem Einfluß, doch das wird sich bis zum 29. Februar klären ...
 
Es ist wohl unnötig zu sagen, daß von da an die Unterhaltung an Niveau verlor und damit endete, daß die Wachleute mir den Weg zur Straße zeigten, wobei sie mir vorher noch meine Magnetkarte abnahmen. (Nun bleiben nur noch drei übrig, deren Wert ungeahnte Höhen erreichen dürfte, nachdem die Kartenleser für den Rest des Tages im Lösch-Modus arbeiten.)
 
Also betrete ich den Arbeitsmarkt und finde auch innerhalb weniger Stunden eine passende Arbeitsstelle. Ein paar Stunden später hole ich meinen Anzug aus der Abstellkammer und nehme an einem Vorstellungsgespräch teil.
 
Das Gespräch entwickelt sich gut - ich sage ihnen, was sie hören wollen, lache über ihre IT-Witze, die so alt sind, daß sie in Blindenschrift auf der Rückseite einer alten UNIVAC stehen könnten, und beeindrucke sie durch meine weitläufigen Computerkenntnisse.
 
Ekelerregend, ich weiß, aber es mußte sein.
 
"Nur noch eine Frage", melde ich mich zu Wort. "Wie halten sie es mit der Einführung neuer Technologien?"
 
"Wir glauben an das Wachstum und an den Fortschritt. Und mit ihnen können wir eine Führungsposition einnehmen. Natürlich wird das unsere Ausgaben ein wenig erhöhen und für sie bedeuten, daß sie manchmal herumreisen müssen, um die für uns passende Lösung zu finden, doch diesen Preis muß man zahlen, wenn man die Konkurrenz schlagen will."
 
"Geld und Reisen, mein liebstes Wortpaar ... Schneller als man ´Ich bin im Team!´ sagen kann, bin ich im Team.
 
...
 
"Und hier ist ihr Arbeitsplatzrechner - ein kostspieliges Ding, aber etwas schnelleres und aktuelleres gibt es kaum, glaube ich."
 
"Das ist ein Digital VT1000 ´X´-Terminal! Die werden gar nicht mehr hergestellt!"
 
"Ja, sie werden gerade überarbeitet, um weiterhin ihren Technologievorsprung halten zu können, hat uns unser Berater erklärt."
 
"Aber das ist ein Monochrom-Monitor!"
 
"Ja, zu schnell für Farben, hat er gesagt."
 
Einen schnellen Blick in den Rechnerraum (voller VAX-, Sparc 1- und ein paar NEXT-Rechner) und ein Gespräch von Mann zu Mann später ist er darüber im Bilde, welchem Betrug sie zum Opfer gefallen sind.
 
"Was sollen wir unternehmen?"
 
"Nun, es gibt viel Arbeit. Das werde ich nicht allein schaffen können. Wir werden einen IT-Manager brauchen ..."
 
...
 
"Yep?" meldet sich der PJ knapp und unfreundlich. (Ich bin so stolz auf ihn, daß er ein so gute Schüler ist.)
 
"Hallo, hier ist die günstige Gelegenheit, die an ihre Tür klopft. Und sagen sie es auch dem Chef. Ich hörte da etwas von einer freien Position, für die er sich interessieren könnte - vor dem Ende des Februars."
 
Es ist wie in der alten Zeit - und ich sitze wieder am Steuer ...


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 12.01.2000, Übersetzung: thomas w., 2001.