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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Gesucht: Bastard Operatoren zur Besetzung der Nutzer-Betreuung ...

Der PJ hat sich zu mir an meinem neuen Arbeitsplatz gesellt, nachdem man den ihn wegen "technischer Differenzen" "gehenließ". Offenbar dachte er, der Laptop des Geschäftsführers würde den Sturz durch das Fenster des Beratungszimmers der Geschäftsleitung überleben, was alle anderen nicht glaubten.
 
Tatsächlich irrte sich der PJ nicht ... dank der ´unerwarteten´ Anwesenheit eins ärgerlichen Wachmannes, der die Fensterbretter nach einem anonymen Anruf auf potentielle Selbstmörder absuchte und den Laptop auffing.
 
Und so sitzen wir beide nun in einem Kennenlern-Treffen, bei dem uns unsere neuen Kollegen vorgestellt werden.
 
Und was für ein bunter Strauß sie sind. Da gibt es ein paar altertümliche Code-Hacker, die aussehen, als hätten zum Entwicklerteam des Atoms gehört, einen Schraubenzieher-Magier, der bei Unfällen mit Stromschlägen schon mehr Volt eingefangen hat als ein Todeskandidat, der erfolgreich auf dem elektrischen Stuhl saß, und drei kriecherische Typen, die einfach Berater sein MÜSSEN.
 
"Wo sind die Leute von der Nutzer-Betreuung?" fühle ich mich verpflichtet zu fragen, als die Besprechung loszugehen scheint und ich mit dem PJ ein paar Wetten darüber abgeschlossen habe, wer nun wer ist.
 
"Oh, es gibt keine Nutzer-Betreuung in DIESEM Sinne", erklärt der Berater Nummer 1. "Da gibt es uns drei Applikations-Integratoren", (der PJ reicht mir fünf Pfund herüber), "die Hardware-Betreuung", (und weitere fünf Pfund, als er auf den Volt-Mann zeigt), "und unsere Programmier-Ingenieure", (zehn Pfund für das Hattrick). "Und alles, was WIR nicht lösen können, leiten wir an den System-Betreuer weiter. Die System-Betreuer, SIE!"
 
Also müssen wir wohl mit vielen Fragen über Schnürsenkel, Ein/Aus-Schalter und das Leben ganz allgemeinen rechnen.
 
"Es gibt also keine Nutzer-Betreuung?"
 
"Nein. Die Leute rufen sie an. Das hat bisher immer hervorragend funktioniert", erklärt unser neuer Abteilungsleiter, der den Raum ganz im Trend der Zeit mit Verspätung betritt, seinen persönlichen Disorganizer in der Hand.
 
"Dann brauchen wir Telefone."
 
"Es gibt Telefone in ihrem Büro."
 
"Nein, da sind keine. Nur ein paar Schreibtische und Stühle." antworte ich.
 
"Und Computer", erwidert der Abteilungs-Chef und meint damit offenbar den Anker-Ersatz, den der PJ und ich am Morgen aus dem Nachbargebäude abgeworfen haben, um es mit der Straße zu verbinden.
 
Nach den Telefonen ...
 
"Computer?" fragt der PJ unschuldig.
 
"Ja, das Neueste vom Neuesten, das wir erst vor einem Jahr von unserem Lieferanten bekamen. Angeschlossen sind sie an die USV neben ihrem Schreibtisch."
 
"USV?" erwidere ich mit engelhafter Unschuld.
 
"Sind sie sicher, daß sie über das richtige Büro sprechen?" fragt einer der Berater, der die Situation lösen will.
 
"Natürlich, mein Name stand an der Tür!" antworte ich.
 
Zehn Minuten (und einen Massenauflauf in unserem Büro) später ist es offiziell. Wir wurden ausgeraubt!!!
 
Die Diebe haben sich offenbar am Wachdienst vorbeigeschlichen und alte Technik gestohlen, die Telefone, ein paar sehr schwere USVs (So schwer, daß wir zweimal Verschnaufpausen einlegen mußten.) und das Buch mit der Besucherliste.
 
Es ist wirklich unglaublich.
 
"Diese Hunde!" ruft der PJ pathetisch und versucht, etwas positives aus der Tragödie zu machen. "Sie haben meinen Walkman mitgenommen!"
 
"Machen sie sich darüber keine Sorgen", kommentiert der Abteilungsleiter. "Die Versicherung der Firma deckt Verluste persönlichen Eigentums ab."
 
"Großer Gott! Ich hoffe, sie haben nicht noch meinen ... tragbaren DVD-Spieler und die Sammlung neuer Filme mitgenommen!!!" jammere ich, als ich das offene Tor sehe ... "Oh NEIN!"
 
Ein paar skeptische Blicke werden auf mich geworfen, aber diesmal habe ich eine plausible Entschuldigung. "Damit wollte ich mich selbst für die neue Arbeitsstelle belohnen!"
 
Der PJ ist empört (weil er jetzt nicht mehr weitermachen kann ... das wäre mehr als verdächtig), aber es sieht so aus, als werde meine Erfindung akzep ...
 
"Haben sie die Quittungen noch?" fragt unser hilfreicher Berater Nummer 1 kurz bevor ihm eine schwere Festplatte auf den Fuß fällt, die etwas unsicher ausbalanciert auf der Tischkante gelegen hat - wie man das von schweren alten Festplatten erwarten kann.
 
Und als wäre das nicht schon genug, stolpert der PJ auch noch über ein Bücherregal, als er Hilfe leisten will und stattdessen eine Ohnmacht auslöst.
 
"Ach du liebe Zeit", murmelt der PJ entschuldigend.
 
Berater Nummer 2 und 3 bieten Erste Hilfe an, indem sie über Schock und ähnliches reden ... das ist sehr nützlich, als Berater Nummer 2 in Kontakt mit einer Büroklammer kommt, die es irgendwie geschafft hat, ihre beiden Enden in die Steckdose an der Wand zu schmuggeln ...
 
... weniger nützlich sind die Tips, als Berater Nummer 3 die Starre als Parkinsonsche Krankheit fehldiagnostiziert und versuchte Nummer 2 in einen Stuhl zu helfen ...
 
Kein schlechtes Ergebnis für den ersten Arbeitstag ...
 
Alle überlebten (leider) ... mit Ausnahme eines uralten Programmier-Ingenieurs, der still in seiner Ecke saß ... oder, um es zu präzisieren, still und leise tot war ... es ist nicht einfach, bei diesen Leuten die Unterschiede festzustellen ...
 
Dabei gehörte er gar nicht zu uns ... er hatte an einer früheren Beratung teilgenommen und war unbemerkt auf seinem Stuhl verstorben. Offenbar hat ihn niemand vermißt ...
 
"Und habe sie Erfahrung mit Windows?" frage ich.
 
"3.1 - ja. Und ich habe Windows 95 ein- oder zweimal benutzt."
 
NÄCHSTER!
 
"Ein Nutzer hat ein Browser-Problem. Welches ist die erste Frage, die sie ihm stellen würden?" will der PJ wissen.
 
"Welches Magazin er liest?"
 
NÄCHSTER!
 
"Eine Nutzerin hat gerade ihr Passwort für Windows NT geändert und kann sich nun nicht mehr anmelden. Könnte es daran liegen, daß sie die Feststelltaste betätigt hatte, bevor sie das neue Passwort festlegte?" frage ich und gebe dabei gleich einen Hinweis auf die korrekte Antwort.
 
"Nein, wahrscheinlich war es ein Hackerangriff. Nein, bestimmt ist es ein Virus!"
 
...
 
"Wie ist es gelaufen?" fragt der Abteilungsleiter am Ende des Tages.
 
"Nun, sie sind alle so ... ... ... so gleich", erwidert der PJ.
 
"Und was haben sie gemacht?"
 
"Das, was wir immer in solchen Situationen tun."
 
"Nicht den mit dem größten ..."
 
"Nein, wir haben Zettel mit Namen aus einem Hut gezogen. Sie beginnen nächste Woche."
 
Und das gilt auch für den Krieg ...


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 19.01.2000, Übersetzung: thomas w., 2001.