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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Der B.O.F.H. enttarnt den Drucker-Zerstörer

Es läuft wieder alles wie gewohnt an meinem neuen Arbeitsplatz - und zwar so schlecht wie erwartet. Die Rechner und das Netzwerk sind so alt, daß sie sich für eine Pensionierung (und einige Behinderungen) qualifiziert haben.
 
Die neue Besetzung der Nutzer-Betreuung erfüllt all unsere Erwartungen und neigt dazu, alle Anrufer, die eine etwas schwierigere Frage stellen, mit einem Computer-Fachbegriff an uns weiterzuleiten.
 
Es wird also Zeit für etwas Umschulung. Und in der Zwischenzeit sind ein paar Anrufe zu beantworten.
 
"Hallo, ist dort die Netzwerk-Betreuung?!" will eine Stimme wissen.
 
"Ja, wie kann ich ihnen helfen?" frage ich so freundlich wie es geht.
 
"Der verdammte Drucker im dritten Stockwerk ist schon wieder ausgefallen."
 
"Was meinen sie mit ´ausgefallen´?"
 
"Er druckt nicht. Er druckt NIE! Sie reparieren ihn und eine Stunde später ist er wieder kaputt!"
 
"Aha. Um welchen Drucker geht es genau?"
 
"Den grauen."
 
"Ja, aber welcher Drucker ist das?"
 
"Der Drucker, der unter dem Fenster steht."
 
"In Ordnung, nehmen sie einfach an, ich sei neu hier und habe KEINE Ahnung, worüber sie sprechen. Wissen sie, wie der Drucker im Netzwerk heißt oder um welchen Typ es sich handelt?"
 
"Es ist ein Laserwriter II."
 
>Raketentechnik-Alarm<
 
"Nein, ich meinte, welchen ... ... ach, vergessen sie es. Fällt er immer aus?"
 
"Ja, IMMER nach der Reparatur."
 
"Richtig. In diesem Fall gehen sie bitte in den Drucker-Raum, stemmen sie ihn hoch und lassen sie ihn auf den Boden fallen."
 
"Verzeihung?"
 
"Werfen sie ihn auf den Boden. Das Gerät basiert auf einer Canon-Maschine und die sind sehr robust. Am besten stellen sie sich auf den Tisch und werfen den Drucker dann herunter. Zwei- oder dreimal sollte ausreichen. Dann sagen sie, er sei heruntergefallen oder etwas ähnliches."
 
"Das kann nicht ihr Ernst sein!"
 
"Sehen sie, der Drucker hat ungefähr 5 Squillionen Seiten gedruckt und leidet nun unter elektrischer Arthritis. Er wird solange nicht ersetzt werden, wie er noch repariert werden kann. Wenn ich etwas repariere, wird er früher oder später wieder ausfallen, oder?"
 
"Ich schätze, sie haben ..."
 
"Natürlich sage ich die Wahrheit, ich bin der Netzwerk-Betreuer. ABER wenn sie dem Gerät eine gewisse Gravitäts-Wartung verpassen, dann wird der Drucker dabei so ruiniert, daß er nicht mehr repariert werden kann, und sie bekommen einen schönen neuen Drucker - möglicherweise sogar einen Farbdrucker, damit sie Miss Kournikova in all ihrer ..."
 
"Woher wissen sie ..." keucht er.
 
(Ein völliger Anfänger.)
 
"... natürlichen Schönheit sehen können. Und er wird auch so schnell drucken, daß sie nicht mehr bis nach Dienstschluß warten müssen, um die Bilder auszudrucken!"
 
"Ich ..."
 
"Sie sehen, worum es mir geht? Natürlich tun sie das."
 
"Aber sie werden ..."
 
"Nichts tun. Sagen sie einfach, der Drucker hätte nicht richtig auf dem Tisch gestanden. Damit ihre Aussage glaubwürdig wirkt, müssen sie dafür sorgen, daß einige ihrer Kollegen erklären, sie seien ein wenig zu pedantisch und könnten Unordnung nicht ausstehen. Nichts schlimmes, aber sie stehen hinterher gut da!"
 
"Aber man wird sagen, daß ich mit Vorsatz gehandelt habe!"
 
"Biiiettteee! Wer würde denn annehmen, sie hätten einen Vorsatz gehabt? Man muß doch verrückt sein, wenn man das glaubt. Natürlich wird man ein wenig nachforschen, aber, wie ich schon sagte, das könnte ernsthaft nur ein Verrückter behaupten. Aber vergessen sie nicht zu erwähnen, daß sie Ordnung lieben und der Drucker etwas schief auf dem Tisch stand, sonst könnte es wirklich etwas verdächtig klingen, wenn sie sagen, sie hätten ihn nur zurechtrücken wollen ..."
 
"Sie glauben, daß das funktionieren könnte?"
 
"Ich *WEISS*, daß es funktioniert!"
 
"Warum tun sie das dann nicht?"
 
"Ich habe schon einen Farbdrucker, und er druckt auch Hochglanzbilder. Mit dem, was ich ihnen gesagt habe, und dem Beschichter in der vierten Etage können sie sich sogar wasserfeste Bilder für ihr ..."
 
"Ich werde es tun!"
 
"Ausgezeichnet - und denken sie immer an ihre Ordnungsliebe."
 
"Ja!"
 
Ich lege auf und rufe den Wachdienst an - wie in alten Zeiten.
 
"Hallo."
 
"Hallo", rede ich los. "Simon, Netzwerk-Betreuung. Ich habe herausgefunden, wer all die Drucker im Haus zerstört. Er hat mich angerufen und mit seinen Taten geprahlt. Ich konnte den Anruf in die dritte Etage zurückverfolgen, ich glaube, er will sich über die Drucker dort hermachen!"
 
"Darum werde ich mich sofort kümmert!" antwortet der Wachmann, wirft den Hörer auf die Gabel und rast zweifellos mit Höchstgeschwindigkeit zum Lift.
 
Ich sorge dafür, daß ich rechtzeitig vor Ort bin, um das große Finale nicht zu verpassen, als mein Anrufer einen Schlagstock in die Leiste gerammt bekommt und einen schnellen Ausflug in die Sicherheits-Zentrale unternimmt.
 
"Er war immer sehr unzufrieden mit dem Drucker", erklärt mir das freundliche alte Mütterchen am Einlaß etwas später. "Aber ich hätte nicht gedacht, daß es dazu kommen wird. Er leidet unter dem kranken Zwang, Drucker zu zerstören, müssen sie wissen!"
 
"Das ist traurig, nicht wahr?" antworte ich und lasse mitleidig meine Magnetkarte aufblitzen. "Wo war doch gleich sein Büro? Ich sorge lieber dafür, daß sein PC gesperrt wird."
 
Sie erklärt mir, wie ich seinen Arbeitsplatz finde, und ich schlage etwas Zeit damit tot, daß ich seine Dateien lösche. Mit Ausnahme der Kournikova-Bilder natürlich, die ich in unser öffentliches Verzeichnis verschiebe, wo sie sich zu all dem anderen guten Material gesellen. Und um noch ein paar Nägel in seinen Sarg einzuschlagen, lösche ich auch ein paar Dateien auf dem Server seiner Abteilung, auf die er Zugriff hat, und schalte dann den Rechner ab.
 
...
 
"Klingt für mich wie ein typischer ´Unterprivilegierter Nutzer-Komplex´. Wir hatten schon einige solcher Fälle." erkläre ich dem Chef am Telefon. "Irgendwann ändern sie sich plötzlich und versuchen, das System von innen heraus zu unterwandern."
 
"Furchtbar", stimmt der Chef zu. "Aber ist das ein Einzelfall?"
 
"Das ist schwer zu sagen", murmle ich und verteile etwas hitzeempfindlichen Klebstoff auf der Rückseite eines weiteren Blattes Papier und suche nach dem Zufallsprinzip einen Drucker aus. "Wirklich schwer zu sagen ..."


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 03.02.2000, Übersetzung: thomas w., 2001.