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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Der B.O.F.H. geht nach Hollywood ...

Ich bin nicht besonders gut gelaunt - aber das ist ja nicht besonders neu, oder?
 
Ich hatte vor, mich für einen Auffrischungskurs in Erster Hilfe anzumelden (in meinem Beruf ist es immer besser, wenn man auf der sicheren Seite steht - schließlich kann man nie wissen, wie sich die Dinge entwickeln), mußte aber leider herausfinden, daß ich mich nicht anmelden kann, weil ohnehin schon zu viele Mitarbeiter einen Kurs in Erster Hilfe gemacht haben.
 
Also werde ich darauf warten müssen, daß einer der derzeitigen Helfer die Firma verläßt, um zwei bezahlte Arbeitstage in der Kneipe verbringen zu können - ups, ich meinte natürlich die Erweiterung meiner Erste Hilfe-Kenntnisse ...
 
Nun gut, Geduld ist eine Tugend, und alles guten Dinge finden ihren Weg zu dem, der wartet. UND - man gewinnt und verliert, was ich auch dem PJ erkläre, als wir Strohhalme ziehen, um herauszufinden, wer seine Hand in der Tür einklemmen muß, damit wir sehen, wer zur Zeit ein Zertifikat zum Leisten Erster Hilfe hat ...
 
"Bastard!" kommentiert der PJ, der traurige Verlierer, als ich die Reste eines abgebrochenen Strohhalms in den Mülleimer schmuggle, wo er sie nicht finden kann. Geschieht ihm recht, wenn er nicht professionell genug ist zum Schummeln.
 
Doch dann sehe ich die anderen Reste eines abgebrochenen Stohhalms im Mülleimer ...
 
Ich will den PJ gerade wegen seines mangelnden Sportsgeistes schelten, als der Chef mit Höchstgeschwindigkeit hereinstürmt (zehn Fuß in vierzehn Tagen), um die ausgedruckten Seiten zu diskutieren, die er im Ausgabeschacht des Druckers gefunden hat.
 
Das erinnert mich daran, daß ich am Morgen an einem Manuskript für einen Film mit dem Titel ´Ein paar gute Chips´ gearbeitet habe, in dem Jack Nicholson mich spielen soll, Demi Moore die Rolle der schönen Unbekannten und Tom Hanks den Chef. (Ursprünglich hatte ich an Tom Cruise gedacht, aber das wäre wohl doch eine Fehlbesetzung.)
 
"Was ist das?" fragt der Chef und reicht mir einen Stapel Papier. Ich blättere zum Ende meines Lieblingsabschnittes ...
 
B.O.F.H.: "Sie wollen Antworten?"
 
Chef: "Ich glaube, ich habe ein Recht darauf!"
 
B.O.F.H.: "SIE WOLLEN ANTWORTEN?"
 
Chef: "Ich will die Wahrheit!"
 
B.O.F.H.: "SIE KÖNNEN DIE WAHRHEIT NICHT VERKRAFTEN! Sehen sie, Prozesse werden von einem System mit begrenzten Ressourcen ausgeführt. Ressourcen, die von Menschen kontrolliert werden, die Erfahrung als Systemadministrator haben! Wer soll sich um das System kümmern? Sie? Oder etwa der Mann aus der Nutzer-Betreuung, der soviel geifert, daß er mit einem Lätzchen herumläuft?
 
Ich habe mehr Verantwortung als sie sich vorstellen können.
 
Sie jammern wegen beendeter Programme und verfluchen den Administrator dafür - genießen sie diesen Luxus! Genießen sie das Privileg, nicht zu wissen, was ich weiß - daß beendete Programme, so tragisch das auch ist, Ressourcen schonen. Und meine Existenz - auch wenn sie sie einiges kostet und sie den Sinn nicht erkennen können - schützt eben Ressourcen!
 
Sie wollen die Wahrheit gar nicht wissen, weil ich dann Worte benutzen müßte, die sie niemals verstehen könnten. Sie WOLLEN, daß ich mich um die Systeme kümmere? Nein, sie BRAUCHEN mich für die Systeme!
 
Wir benutzen Worte wie "E/A Wartezeit", "Seitenfehler" oder "CPU-Zeit" als Fundament eines Lebens, das wir der Beseitigung von Nutzer-Problemen gewidmet haben. Sie benutzen sie bei Beratungen mit anderen Managern dazu, um fachliche Kompetenz vorzuheucheln.
 
Ich habe weder die Zeit noch die Neigung mein Handeln einer Person zu erklären, die das Netzwerk, für dessen Funktionieren ich sorge, nur benutzt und dann WISSEN will, auf welche Art und Weise ich es pflege. Wenden sie sich doch an die Nutzer-Betreuung. Die ist für sie da!
 
Oder lesen sie ein Linux-Handbuch für Administratoren und beobachten sie die Performance-Monitore. Wie auch immer, es interessiert mich nicht, worauf sie glauben, einen Anspruch zu haben!"
 
Chef: "Haben sie den Datenbank-Server abgeschossen?"
 
B.O.F.H.: "Ich habe meine Arbeit gemacht - ich habe dafür gesorgt, daß das Netzwerk funktioniert und genügend Ressourcen zur Verfügung stehen!"
 
Chef: "Haben sie den Datanbank-Server abgeschossen?!"
 
B.O.F.H.: "SIE HABEN VERDAMMT RECHT! DAS HABE ICH GETAN!"

 
...
 
Nachdem ich die Seite angeschaut habe, beantworte ich die Frage des Chefs.
 
"Das ist ein Ausdruck eines Filmmanuskripts. Einer der Angestellten muß es ausgedruckt haben."
 
Ich werfe es in den Mülleimer, damit er nicht auf die Idee kommt es zurückzufordern und gehe dann in die Offensive.
 
"War das schon alles, was sie wissen wollten?"
 
"Nein, nein. Es hat sich offenbar jemand darüber beschwert, daß sie ein Band mit Daten, das ihnen anvertraut wurde, gelöscht haben mit der Begründung, das sei eine Maßnahme zum Schutz vor Viren ..."
 
"Und haben wir einen Virus auf dem Band gefunden?"
 
"Natürlich nicht - das Band war ja gelöscht!"
 
"Klingt nach einem guten Virenschutz, oder?"
 
"Sie können doch nicht die Daten der Leute löschen, wenn sie ..."
 
"Wir haben die Daten nicht gelöscht. Das Band war leer, als wir es bekamen", sage ich, um seine Erregung zu mildern.
 
"Und was ist mit dem zweiten Band, daß sie geprüft haben, bevor sie es ihnen brachten?"
 
"Es gab kein zwei ..." beginne ich, doch dann bemerke ich, daß der PJ sich auffallend interessiert mit den Deckenplatten beschäftigt.
 
"Es gab keine weiteren Daten auf diesen Bändern. Nur die Namen, aber sonst nichts."
 
"Ich werde es ihnen zeigen!" micht sich der PJ schließlich ein und schiebt den Chef in den Rechnerraum, um ihm die Bandschränke zu zeigen.
 
Kaum eine Minute später ist er zurück ... allein.
 
"OhmeinGott!" keucht er. "Es hat einen furchtbaren Unfall gegeben. Ein Schrank voller Bänder ist umgefallen und hat den Chef unter sich begraben!"
 
Mission erfüllt.
 
Wenige Sekunden später sind all die Erste Hilfe-Profis der Abteilung im Recher-Raum versammelt, um über die beste Behandlungsmethode für die eingequetschen Füße des Chefs zu diskutieren.
 
...
 
"Seltsam, daß das Feuerlöschgas aktiviert wurde", wundert sich der PJ später, als wir in der Kneipe über die Kündigungen zweier Helfer sprechen.
 
"Ja, wirklich tragisch. Übrigens - wollen sie ein Erste Hilfe-Zertifikat?"
 
"Was muß ich dafür tun?"
 
"Nun, für den Anfang sollte ein weiteres Bier für mich ausreichen ..."


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 10.02.2000, Übersetzung: thomas w., 2001.