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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Bier und Curry. Was könnte besser sein? Doch kann der B.O.F.H. die Belastung aushalten? Der Gedanke an einen Verzicht auf das gute alte Geflügel ist hart, doch dann lockt ein spendierfreudiger Vertreter ...

"Sie sehen ja schlimm aus!" stellt der PJ grinsend fest, als ich mich zu meinem Schreibtisch schleppe - etwa 26 Stunden zu spät.
 
"Ja, ich habe die vorletzte Nacht mit einem Sklavenhändler verbracht."
 
"Und das war so schlimm, daß sie einen Tag krankmachen mußten?"
 
"Nein, ich habe mich nicht ´krankgemeldet´. Ich habe telekommuniziert."
 
"Ja, richtig. Und sie haben das Porzellan-Modem benutzt, oder?"
 
"Genug davon!" unterbreche ich ihn und bin nach der Fahrt mit der U-Bahn noch immer etwas wackelig auf den Beinen.
 
"Und was kam dabei heraus?" fragt der PJ.
 
"Ich hatte nur ein paar Biere."
 
"Ein paar?"
 
"Nun, ein paar, denen ein paar weitere folgten. Und dann noch ein paar. Aber es war das Curry, das mich umgehauen hat. Das kann ich mir nicht mehr zumuten. Ich muß mich mit den Fakten abfinden, die die Fähigkeiten meines Körpers betreffen, selbst mit gefährlichen Giften fertigzuwerden: ich reagiere allergisch auf Curry."
 
"Sagen sie doch nicht sowas!" jammert der PJ.
 
"Es hat keinen Zweck, sich dagegen zu wehren", antworte ich. "Ein Mann kann eben nur eine bestimmte Menge Geflügel mit Curry verkraften."
 
"Sind sie sicher, daß es nicht einfach am Alkohol liegen könnte?"
 
"Nein! Ich kann ein paar Biere trinken und wache am nächsten Morgen ohne Probleme auf. Aber JEDESMAL wenn ich Curry hatte, wachte ich krank auf."
 
"Könnte es sein", unterbricht uns der Chef, der voller administrativer Energie in unser Büro stürmt. "Könnte es sein, daß das daran liegt, daß sie immer betrunken sind, wenn sie Curry essen?"
 
"Ich muß gestehen, daß eine gewisse Logik in ihrer Aussage steckt", antworte ich. "Aber der Übeltäter wurde identifiziert ..."
 
"Als Besäufnis", stellt er unbeirrt fest. "Wie auch immer, sie werden die Chance bekommen, ihre Theorie zu überprüfen. Wir sind zum Essen verabredet mit einem Hersteller, der uns Festplatten zu Niedrigstpreisen für das Terrabyte verkaufen will."
 
Na gut. Schließlich ist Curry ja Curry.
 
Unser Verkaufstalent plaudert mit dem Chef, während der PJ und ich uns über einen Teller Pakoras hermachen, die wir mit Bier herunterspülen.
 
"Sie verkaufen also SCSI-Festplatten?" unterbricht der PJ den Verkäufer.
 
"Nein, kein SCSI. Unsere Technologie basiert auf einer ausgereifteren ..."
 
"Proprietäre Technologie?" frage ich und gieße noch etwas Öl ins Feuer.
 
"Ja, aber es ist eine bewährte Technologie ..."
 
"DSSI!" rufe ich und bereite den tödlichen Schuß vor.
 
Der Torpedo trifft und hinterläßt ein ´Uh´-förmiges Loch in seinem Gesicht.
 
"Gut, dann lassen sie uns zusammenfassen, worüber wir NICHT sprechen", fahre ich fort und spule noch ein paar technische Begriffe ab, bis der Chef sich verzweifelt in den kleinen Aufenthaltsraum für Manager verzieht.
 
"Wir werden nicht kaufen." murmelt der PJ.
 
"Nein", stimme ich ihm zu. "Wir haben ohnehin schon all die alte Technik, die wir brauchen."
 
"Hmmm ..." Der Verkäufer hat mit dieser Situation gerechnet. "Kann ich noch etwas für sie tun?"
 
"Nun, ich hätte gern noch ein Bier für den Anfang", lächelt der PJ und gießt die Reste seines letzten Glases seine Kehle hinunter.
 
"Für mich auch", stimme ich zu.
 
ZWEI STUNDEN SPÄTER ...
 
"Also, lassen sie uns noch einmal darüber reden", platzt der Chef heraus. "Wir sollten ein paar Terrabyte Festplatten kaufen und sie in unser altes VAX-System einbauen? Aber niemand nutzt das noch, also wäre das doch sinnlos!"
 
"Nein, das ist es nicht. Hören sie", erkläre ich langsam und versuche, ihn nicht anzublicken, damit er nicht riecht, was ich zuletzt getrunken habe.
 
"Es wird weniger Beschwerden geben, wenn niemand sie nutzt."
 
"Uh?"
 
Es sieht so aus, als müsse ich die Logik ein wenig mißbrauchen und direkt auf das Ziel losgehen.
 
"Denken sie an die ´Durchschnittliche Zeit zwischen Speicherfehlern´. Denken sie an ´Verfügbarkeitserwartungen der Nutzer´ und die ´Verfügbarkeit der Services´. ´Erweiterte Modularität´. Denken sie an ´Zuliefererunabhängigkeit´ und ´Zeitversetzte Installation´. Denken sie an ´Planmäßige Erneuerungen´." sage ich und schicke ein Dankesgebet an den Gott der Management-Schlagworte.
 
"Nun, wenn sie es so erklären ..."
 
Seine stolze Kapitulationserklärung wird durch einen kräftigen Schlag auf seine Schulter unterbrochen, für den der PJ verantwortlich ist, der alle Symptome eines fortgeschrittenen Alkoholüberschusses in seinem Blut zeigt. Seine Augen glänzen, als er hochkommt.
 
"WWWISSSN SSSI, WWWSSS IIHHHR PPRBLLN STTT?" murmelt er undeutlich und gibt damit das weltweit gültige Signal für: ´Ignorieren sie alles, was ich sage, ich scheine vergiftet zu sein!´.
 
"Na sowas! Ist das nicht Pamela Anderson?" lenke ich alle ab, während ich dem Abschaltknopf des PJ einen Tritt verpasse. Nun, zumindest schweigt er danach.
 
Der nächste Tag bricht an, und ich fühle mich schlecht. Der PJ fühlt sich schlecht. Und auch der Chef fühlt sich schlecht (der Verkäufer hat die Kellner dafür bezahlt, ihren speziellen bolivianischen Wodka in den Diätfruchtsaft für den Chef zu mischen).
 
"Ich nehme alles zurück", flüstert der Chef. "Anscheinend reagiere ich auch allergisch auf Curry."
 
"Ich auch", stimmt der PJ zu.
 
Bei der nächsten Gelegenheit gehen wir zu Luigi. Mit einer schönen Schüssel Pasta kann man nie falsch liegen.


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 30.06.1999, Übersetzung: thomas w., 2001.