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| bastard operator from hell | ||
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Beratungen in Hülle und Fülle. Und sie alle sind natürlich nichts anderes als ergebnislose Zeitverschwendung. Gibt es eine bessere Gelegenheit zum Anschauen von Filmen?
"Sind sie jetzt endgültig VERRÜCKT geworden?" fragt der PJ, nachdem wir ein paar Runden mit technischem und nichttechnischem Personal durchgestanden haben, die uns hinterhältig auf unserem Weg zum Mittagessen überfallen hatten. "Eine verdammte BERATUNG?!?" "Ja", antworte ich nachdenklich. "Sie HASSEN Beratungen!" jammert er. "Nun, HASSEN ist ein so negatives Wort. INTENSIVE Abneigung beschreibt es genauer. Aber das spielt eigentlich keine Rolle - ich habe uns davor bewahrt, ihnen eine halbe Stunde lang dabei zuzuhören, wie sie darüber diskutieren, welche persönlichen Daten über den internen LDAP-Server bereitgestellt werden sollen. Ja, es ist wahr. Da der IT-Chef ein paar Bemerkungen darüber gemacht hat, welche Informationen man über den neuen LDAP-Server unternehmensweit bereitstellen könnte, gibt es nun zwei Fraktionen mit unterschiedlichen Vorstellungen darüber. Auf der einen Seite gibt es Leute, die meinen, sogar die Nummer ihres Dienstapparates gehöre zu ihrer Privatsphäre und dürfe deshalb nicht veröffentlicht werden, und auf der anderen Seite gibt es die ´Privatsphären-Nudisten´, die alle Informationen bereitstellen wollen: die Nummern der Privattelefone, den Namen der Frau oder Freundin und deren Geburtstag, um die Welt fröhlicher zu machen." "Aber trotzdem sieht es nicht nach ihnen aus, Beratungen einzuberufen." "In der Vergangenheit habe ich nur widerwillig an Beratungen teilgenommen; wie auch immer, das lag ganz einfach daran, daß ich sie nicht initiiert hatte. DIESE Beratung jedoch, an der sich eine große Anzahl zerstrittener Teilnehmer beteiligen wird, wäre es wirklich wert, das Gewicht der Teilnehmer in 128 Megabyte DIMM-Chips aufzuwiegen." "Wie bitte?!?" "Schauen sie!" rufe ich und deute auf meinen Monitor, der die Oberflächen dreier verschiedener Terminplanungsprogramme zeigt, die wir in der Firma verwenden. "Auf der einen Seite haben wir die Programme, die unabhängig voneinander arbeiten, dann ist da noch der Terminplaner, der in das Mail-Programm integriert ist, und schließlich noch die über Nacht schnell zusammengehackte Software, die so alt ist, daß sie noch mit dem Jahr 1000-Problem kämpft. Und sie alle können NICHT untereinander Daten austauschen. Die ersten beiden Programme haben das Problem, daß sie sich durch die Zeit von einer Stunde unterscheiden, weil sie die Sommerzeit unterschiedlich behandeln. Und das letzte Programm kann nur mit Stunden, Minuten, Tagen und Monaten umgehen, nicht aber mit Jahreszahlen, was bedeutet, daß die Import/Export-Routine irgendwie ein Datenfeld dazu nutzen muß, um zu kennzeichnen, in welchem Jahr die Beratung stattfinden soll - und dann ist da noch das Problem mit Beratungen aus vergangenen Jahren!" "Das Problem wird wohl nicht mehr in diesem Jahr gelöst werden können, oder?" "Niemals!" "Gut, aber was bedeutet dies für uns?" "Daß nach verschiedenen mißglückten Versuchen DREI verschiedene Beratungen angesetzt werden, an denen ich teilnehmen muß." "Aber sie HASSEN Beratungen!" "Ja, aber ich LIEBE es, mir Filme auf meinem tragbaren DVD-Player anzuschauen, das aussieht wie eine Mischung aus einem PDA und einem Laptop, wenn ich die Tastatur anschließe! Wenn ich dann auch noch so tue, als würde ich etwas ´eintippen´, wenn es scheint, daß es ein- oder zweimal pro Beratung zu einer Entscheidung der Diskussionsteilnehmer kommt, werden sie mich nicht ertappen. In der Zwischenzeit werden sie so hitzig ihre Standpunkte diskutieren, daß ich gar nicht gebraucht werde." "Und wenn sie sich einigen?" "Überschätzen sie die Nutzer nicht! Und wenn es brenzlig werden sollte, werde ich die Netzhaut-Kontrollen oder die Auflistung der Bankverbindungen vorschlagen, damit die Diskussion wieder losgeht." "Früher oder später werden sie sich einigen!" "BIIIIEEETTEEE!" rufe ich. "Ich habe sowieso schon eine LDAP zu Finger-Schnittstelle installiert. Und wenn sie sich tatsächlich darauf einigen sollten, welche Daten sie zur Verfügung stellen wollen oder nicht, werde ich genau diese gewünschten Daten aus der Finger-Information löschen und wir werden wieder im Geschäft sein! Natürlich nachdem wir eine Woche ´angestrengt an der Installation der neuen Software´ gearbeitet haben." ... drei Filme später ... "Also konnten wir keinen Konsens erreichen!" erklärt der Chef und faßt mit kurzen Worten nachträglich die Diskussion in unserem Büro zusammen. "Nun, wir hätten beinhae eine Übereinkunft erreicht. Aber dann hat jemand vorgeschlagen, Vorstrafen und Angaben zur Gesundheit aufzuführen." "Warum zum Teufel sollten wir das tun?" "Nun, ich glaube, die Argumentation lief darauf hinaus, daß Informationen, die im Lebenslauf aufgeführt sind, auch wichtig für die Firma sind. Und jemand warf ein, daß er gerne wüßte, ob sein Kollege ein Alkoholproblem hat, bevor er ihn zur Weihnachtsparty einlädt." "Das ist doch lächerlich!" "Ja, darauf haben wir uns schließlich auch geeinigt. Doch dann hat der gleiche Diskussionsteilnehmer vorgeschlagen, Angaben zur Verwandschaft, Blutgruppe und HIV-Status aus gesundheitlichen Gründen aufzunehmen ..." "Das kann doch nicht sein Ernst sein!" "Nun, das haben wir am Ende dann auch abgelehnt." "Also glauben sie, daß die nächste Beratung zu einem Ergebnis führen wird?" "Mit ziemlicher Sicherheit." ... später ... "Also stimmen nun alle den Vorschlägen zu?" frage ich am Ende der nächsten Beratung. Zustimmendes Gemurmel antwortet mir, als der PJ mit einem Päckchen für mich hereinkommt. Von meinem DVD-Lieferanten. "Ausgezeichnet, also werden wir die Namen speichern, Zimmernummern, Telefonnummern, sexuelle Vorlieben, ein Foto, ein Nacktfoto und den Brustumfang?" sage ich und schiebe ´Staatsfeind Nummer 1´ in meinen ´Laptop´. |
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© Simon Travaglia, 23.06.1999, Übersetzung: thomas w., 2001. |
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