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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Ein einsamer B.O.F.H. muß sich selbst um Unterhaltung kümmern. Gehversuche eines Managers, Bewegungssensoren an Türen und dampfende Getränke warten auf ihren Auftritt ...

Ich langweile mich! Der PJ macht Urlaub, so daß es niemanden im Haus gibt, gegen den ich in einem Quake II-Deathmatch antreten könnte. Und so bleibt mir nur noch diese eine Möglichkeit - ich muß mich selbst um Unterhaltung kümmern.
 
"Sie sind einfach großartig!" erklärt der Chef des Wachdienstes auf meine Frage nach dem Sinn der neuen elektronischen Mitarbeiterausweise, die die alten Magnetkarten abgelöst haben. "Die Nutzer müssen nicht mehr mühsam in ihren Brieftaschen nach ihren Karten suchen und wegen der Bewegungssensoren wird es auch keine Probleme mehr mit verschmutzten Magnetkartenlesern geben - sie sind einfach genial! Und außerdem können wir verfolgen, wie die Leute sich durch das Haus bewegen. Das ist großartig!"
 
"Und für uns ist das ebenfalls sehr nützlich", freut sich der Chef der Personalabteilung. "Wenn wir das mit der Telefonanlage verbinden, werden Anrufe immer auf das Telefon in dem Raum umgeleitet, in dem man sich gerade aufhält. Das ist ein Geschenk des Himmels!"
 
"Also sind wir alle begeistert und ich sollte nun die Rechnungen für die neue Telefonanlage und das neue Kartensystem übernehmen?"
 
Der Chef hält einen kurzen Augenblick inne, in dem er an die Pluspunkte denkt, die er für diese Entscheidung bekommen kann, bevor er sich entscheidet ...
 
"Und die Nutzerverfolgung WIRD WIRKLICH nur durch den Wachdienst genutzt werden, oder?"
 
"NATÜRLICH!" rufe ich aus - denn ich weiß, daß dieses neue Produkt nicht so leistungsfähig ist wie das Programm, das wir in den vergangenen zwei Jahren dazu benutzt haben, die Nutzerbewegungen zu verfolgen. "Es wird nur zwei Stationen geben, an denen die Daten abgerufen werden können. Die eine steht im Büro des Chefs des Wachdienstes und die andere unten beim Eingang."
 
"Wenn das so ist, wo soll ich unterschreiben?" fragt er und lächelt zufrieden.
 
Alle lächeln beglückt, als der Chef sein Signum unter die preislich akzeptablen Rechnungen gesetzt hat.
 
"Was bedeutet ´TEST-PROGRAMM´ eigentlich genau?" fragt er, als sein Blick auf diesen Begriff im Kleingedruckten fällt.
 
"Das bedeutet, daß wir die Software für einen ermäßigten Preis bekommen, wenn wir uns bereiterklären, sie über Fehler und Probleme des Programms zu informieren."
 
"PROBLEME mit der Software?" fragt der Chef vorsichtig.
 
"Ja, sie kennen das doch bei unserer gesamten Technik - nur WILL der Lieferant diesmal, daß wir ihn über Schwierigkeiten informieren, damit er sie beseitigen kann!"
 
"Und dafür bekommen wir einen PREISNACHLASS?!" fragt er ungläubig. Offenbar kann er unser Glück gar nicht fassen. Ich versichere ihm noch einmal, daß es so ist, was ihn zufriedenstellt.
 
Da ich keine Zeit vertrödeln will, schnappe ich mir die unterschriebenen Rechnungen und bringe sie zu den Erbsenzählern.
 
Das Problem mit solchen Systemen ist, daß sie im Normalfall niemals ihr volles Potential zeigen können, bis jemand wie ich kommt, der über den Tellerrand hinausblicken kann und sich die Zeit nimmt, sich zum Besten für alle mit ihnen zu beschäftigen - und für das eigene Vergnügen natürlich auch.
 
Ich überstehe noch ein paar langweilige Tage bis der Wachdienst die alten Magnetkarten gegen die neuen ausgetauscht und die Kartenleser entfernt hat, bevor ich meinen Plan umsetze. Zunächst modifiziere ich die ´Folge mir´-Funktion des Telefonsystems so, daß das Telefon nicht mehr in dem Raum klingelt, in dem sich der Kartenträger gerade aufhält, sondern in dem Zimmer, in dem er sich DAVOR aufgehalten hat ...
 
Dann variiere ich die Empfindlichkeit der Bewegungssensoren der Türen so, daß man sich wirklich direkt vor der Tür befinden muß, bevor sie sich öffnet.
 
Die Bühne ist vorbereitet, die Darsteller sind bereit ...
 
Ich entscheide mich, die Überwachungskamera zu aktivieren, die die Tür beobachtet, bei deren Sensoren ich die geringste Empfindlichkeit eingestellt habe - die Tür zum Raum mit den Kaffee-Automaten. Dann schiebe ich ein Videoband in den Recorder und warte auf den Chef.
 
Für die halbstündige Wartezeit werde ich entschädigt, als der Chef durch die Tür marschiert und sich einen heißen Kaffee aus dem Automaten holt. Ich reduziere die Empfindlichkeit der Türsensoren auf Null, worauf der Chef mit seinem dampfenden Plastikbecher prompt gegen die Tür rennt.
 
Hervorragend!
 
Ich schalte die Türsensoren wieder ein, um ihn herauszulassen und rufe ihn dann an, als er den Raum gerade verlassen hat - er weiß, daß der Anruf für ihn ist, da er mir schon zweimal den Fehler der ´Folge mir´-Funktion mitgeteilt hat ... und rennt erneut gegen die geschlossene Tür. Ich glaube, daß ich mit diesem Video wirklich der Gewinner einer ´Die lustigsten Heim-Videos´-Sendung werden könnte.
 
Ein lauter Knall kündigt die Ankunft des Chefs in meinem Büro an, der sich wutschnaubend vor mir aufbaut.
 
Ich hasse mich selbst, wirklich.
 
Das ist nicht gut. Der Chef schreit mich an, was meine Konzentration so sehr stört, daß ich das Video überschreibe, das ich gerade aufgezeichnet hatte. Verdammt!
 
"UND NOCH EINE SACHE! WIESO GEHT MEIN PAGER IMMER 30 SEKUNDEN NACHDEM ICH DIE TOILETTE BETRETEN HABE LOS!?" schreit er.
 
"Da ... das muß ein Programmfehler sein", antworte ich und frage mich, ob der Wachdienst wohl eine Urinprobe vom Chef haben will ...
 
"HABEN SIE DAS NOTIERT?" fragt er.
 
"Nun, normalerweise lassen wir die Nutzer selber die Fehlermeldungen für die entsprechende Anschlagtafel anfertigen."
 
"RICHTIG! Wo kann ich das tun?"
 
Mein Gewissen macht mir Vorwürfe, doch ICH WILL DIESEN TV-PREIS!
 
"Ähm, an der Wand neben den Kaffee-Automaten." antworte ich und spule das Videoband zurück.
 
Einen Knall später ist er verschwunden.
 
Zwei laute Türknaller später wird in einer Zwangsjacke hinausbegleitet.
 
Aber ich langweile mich noch immer ...


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 16.06.1999, Übersetzung: thomas w., 2001.