![]() |
![]() |
![]() |
| bastard operator from hell | ||
|
|
Der PJ mischt sich in Dinge ein, die er nicht versteht. Es geht um Maureen, bekannt für ihr dauerndes Jammern über ihre ´kaputten Programme´. Der B.O.F.H. entscheidet sich, dem PJ eine teure Lektion zu erteilen ...
"Ich weiß ja nicht, wie es IHNEN geht", erklärt der PJ zufrieden, als er zu später aber noch akzeptabler Stunde am Nachmittag ins Büro kommt. "Ich jedenfalls habe heute wirklich etwas vollbracht!" "Das habe ich auch. Sehen sie, ich habe hier eine voll funktionsfähige Vorabversion von Quake III ergattert. Meine Grafikkarte wird allerdings leider noch nicht unterstützt!" Kaum habe ich das gesagt, wird mir bewußt, wie erbärmlich das war, denn es erinnert mich an die Computer-Süchtigen, die auf Konferenzen und Messen sich abends an der Bar Geschichten erzählen ... Ich sollte mir wohl eine Elektroschocktherapie in einem progressiven Club verschreiben, den ich bei der nächsten Gelegenheit besuchen muß, wenn diese kranke Fixiertheit auf Computer wieder nach mir greift. "Wie auch immer", fasse ich zusammen. "Worüber sprachen sie?" "Ich", zwitschert der PJ und plustert sich auf wie Paul Gascoigne, der einen anderen Trinker an der Bar zu vorgerückter Stunde beeindrucken will. "Ich habe in einer ganzen Etage die Kabel zwischen den Rechnern und den Netzanschlüssen erneuert." "Warum?" frage ich unschuldig, doch ich kenne die Antwort eigentlich schon. "Möglicherweise ..." antwortet er und macht eine Pause, um den dramatischen Effekt zu erhöhen. "Möglicherweise liegt es daran, daß DIESE Kabel in keiner Weise die Cat-5- Spezifikationen erfüllten." Er hält ein paar Kabel hoch, die ich, das muß ich zugeben, vor vielen Monden für einen verdächtig niedrigen Preis angeschafft HABE ... "Sehr vorausschauend", erwidere ich und bin beinahe bereit, meine Niederlage in dieser Sache einzugestehen. "Sagen sie mir nur noch, ob es die dritte Etage war." "Wieso? Dort hat man sich doch am meisten über Netzwerkprobleme beschwert." Die eigene Anschauung ist, so wird jedenfalls behauptet, der beste Lehrer, selbst wenn das Lehrgeld sehr hoch ist. Er ist noch jung, aber er wird es lernen. "Haben sie auch Maureens Kabel ausgetauscht?" frage ich. "Natürlich." "Maureen, die sich notorisch bei uns beschwert?" "Sie scherz ..." Seine Antwort wird jäh durch das Klingeln des Telefons unterbrochen. "Das wird Maureen sein", erkläre ich. "Sie haben alle Programme auf ihrem Computer zerstört." "Das habe ich nicht!" "Diese zehn Pfund sagen, sie hätten es getan." "Die Wette halte ich", antwortet er und fühlt sich sicher. "Sie haben alle meine Programme zerstört!" jammert sie prompt durch die Freisprechanlage. Ich greife mir den Zehner und versuche dabei, ein höhnisches Grinsen zu unterdrücken. "Ich habe nur das Kabel für ihren Netzwerkanschluß ausgetauscht", antwortet der PJ. "Das muß meine Programme zerstört haben", erwidert sie. "Noch am Morgen haben sie funktioniert." "Was läuft denn alles nicht?" fragt der PJ. "Alle Programme funktionieren nicht mehr. Ich kann mich nicht mehr anmelden!" "Und das Passwort für ihren Bildschirmschoner ist korrekt?" "Ja." "Und das Licht für die Feststelltaste leuchtet nicht?" "N ... ja. Aber das leuchtet immer!" lügt sie. "Gut, dann drücken sie die Feststelltaste noch einmal und versuchen es erneut." "Das wird nicht ... Oh, meine Maschine läuft jetzt." "Jetzt leuchtet das Licht für die Feststelltaste nicht mehr?" "Ja, aber ich habe vorher ein wenig an dem Kabel gewackelt, bevor ich es erneut versuchte. Es liegt bestimmt am Kabel ..." Sie beendet den Anruf und der PJ legt kopfschüttelnd auf. "Wetten wir um das Doppelte, daß sie in zehn Minuten wieder anruft?" "NATÜRLICH!" Zehn Minuten und zwanzig Pfund später versucht der PJ, Maureen verständlich zu machen, daß das neue Kabel die Dateien, an denen sie gearbeitet hatte, gar nicht löschen kann. Weitere zehn Minuten und zwanzig Pfund später erklärt der PJ Maureen, daß das neue Kabel ihre Email nicht löschen könne, sie stattdessen keine E-Mail bekomme, weil niemand ihr eine schicken würde. Und er verspricht ihr auch, eine Test-E-Mail an sie zu schicken. Fünf Minuten und vierzig Pfund später erklärt der PJ, daß er das Spiel ´Doppelt oder nichts´ nicht mehr mitmachen würde und erklärt, daß er ´Bestähtigung´ falsch geschrieben habe und das neue Kabel für Tipp- und Schreibfehler nicht verantwortlich sei. "Was soll ich nur tun?" fragt der PJ, nachdem der neue Chef (erregt) hereinkommt und fragt, was er der Maschine dieser armen Frau angetan hat. "Worin besteht ihre Sünde?" frage ich. "KEINE SÜNDE! Ich habe nur das Kabel ausgetauscht. Wenn ich gewußt hätte, was noch passiert, hätte ich sie gemieden wie die Pest!" "Sie wird bemerkt haben, daß alle anderen Rechner nun weniger Probleme haben - jetzt, da das neue Kabel verlegt ist ..." "Aber wie können wir ihr Problem lösen?" plärrt der PJ. "Das ist nicht unsere Sache", sage ich und greife zum Telefon. "Wir leiten das Problem weiter." Ich rufe den Chef zurück und erkläre ihm, daß wir herausgefunden haben, daß eines der Kabel fehlerhaft ist. Ahnungslos und neugierig wie er ist, entscheidet er sich dazu, es selbst auszutauschen. Der arme Kerl. Als der PJ und ich später nach Hause gehen, hören wir, wie er ihr bei dem Problem der Feststelltaste hilft ... "Ich schätze, ich schulde ihnen ein Bier?" fragt der PJ. "VIELE Biere!" Eigene Erfahrungen sind wirklich großartige Lehrer, aber das Lehrgeld ... |
|
![]() |
![]() |
![]() |
© Simon Travaglia, 02.06.1999, Übersetzung: thomas w., 2001. |
||