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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Der B.O.F.H. und der PJ genießen das Leben und fühlen sich hochmotiviert durch ihren neuen ´logischen´ Chef Roger. Doch besondere Maßnahmen lassen sich nicht vermeiden, als der IT-Chef den Braten riecht ...

Wir verleben eine herrliche Zeit, da wir keinen Chef haben, und nutzen die Situation nach besten Kräften aus.
 
Nun, wenn ich sage, wir hätten keinen Chef, so meinte ich natürlich einen Chef aus Fleisch und Blut. Den virtuellen Chef haben wir installiert und gestartet - kurz: /dev/roger (und /dev/rroger/, wenn er uns schmutzige Witze erzählt).
 
Seinen gesamten ersten Tag hat er damit zugebracht "Klienten zu treffen", dann hat er sich am zweiten Tag krankgemeldet. Damit habe ich etwa eine Woche Frist erkauft, bevor die ersten mißtrauischen Fragen gestellt werden - ob ihn überhaupt schon jemand gesehen hat, um ein Beispiel zu nennen. In der Zwischenzeit "telekommuniziert" er regelmäßig mit dem PJ und mir.
 
"Ich habe gerade eine E-Mail von ihm bekommen", erkläre ich dem PJ. "Es sieht so aus, als findet er meine Idee, in die USA zu fliegen gut, um zu untersuchen, was ... ich habe keine Ahnung. Darüber werde ich mir nach meiner Rückkehr Gedanken machen. Hat er ihnen auch eine E-Mail geschickt?"
 
"Ich arbeite gerade daran", antwortet der PJ. "Anscheinend soll ich einige Zeit damit verbringen, die RJ45-Sockel in den Bodenplatten in der Sekretärinnen-Abteilung zu überprüfen, um allzeit gute Verbindungen zu gewährleisten."
 
"Sie perverser kleiner Bastard!" murmle ich neidisch.
 
Unser Pläneschmieden wird durch den Chefbuchhalter unterbrochen.
 
"Ah, haben sie Roger gesehen?" fragt er und schaut sich neugierig um.
 
"Roger kuriert seine Krankheit aus." antwortet der PJ.
 
"Schon am zweiten Arbeitstag?"
 
"Ja, anscheinend hat er sich einen dieser 48-Stunden-Viren eingefangen, aber er hat eine Nummer hinterlassen, damit er im Notfall erreichbar ist." erkläre ich und reiche ihm einen Notizzettel mit der Telefonnummer eines Anschlusses außerhalb Londons.
 
Er nimmt den Zettel, spielt sichtlich mit dem Gedanken, den neuen Chef anzurufen und marschiert dann davon.
 
"Er wird es tun." murmelt der PJ.
 
"Machen sie sich darüber keine Sorgen. Ich bin mir sicher, daß er sich stundenlang mit meinem Stimmenerkennungs- und Antwortprogramm unterhalten kann, das ich mit den üblichen Schlagworten gefüttert habe."
 
"Sie haben was?"
 
"Stimmenerkennungs- und Antwortprogramm - das ist ein Programm, das zuhört und wie ein Mensch antwortet. Wie eine modifizierte Version dieses alten Lisa-Programms und ähnlicher psychiatrischer Programme."
 
"Er wird den Braten riechen ..."
 
"Nicht unbedingt. Das Programm ist so konfiguriert, daß die Stimme so klingt, als hätte der Sprecher jede Menge Pillen geschluckt, um eine Krankheit zu bekämpfen. Pillen, die Nebenwirkungen auf den Geisteszustand haben können."
 
"Also ist das wie eine Gespräch mit ..."
 
"... jemandem, der sich nur schwach an die Dinge erinnern kann; ein Betrunkener, ein Drogenabhängiger, ein Softwarelieferant, der ihnen das Blaue vom Himmel vorlügt ..."
 
"Hmmm ..." murmelt der PJ noch nicht ganz überzeugt.
 
Ich mache ein paar Anrufe, um sicherzugehen, daß meine Reise und das Hotel gebucht sind und die Buchungen auch nicht mehr rückgängig gemacht werden können, falls der Notfall eintritt. Und Roger hat gerade vorgeschlagen, daß ich in der Business Class fliegen soll, so daß ich erholt ankomme und wirklich alle Informationen in mich aufnehmen kann, die mir präsentiert werden.
 
Doch das Ende von Roger läßt sich nicht aufhalten. Und diesmal ist es der IT-Chef, der sonst eigentlich wenig Notiz von uns nimmt, der es einleitet. Er steht dem Vorschlag unseres Chefs, daß die Nutzer nur dann von uns unterstützt werden, wenn sie uns in einem Quake 2-Deathmatch besiegen können, nicht gerade positiv gegenüber. Nun, das und die riesige Rechnung für Bücher aus der Fachbuchhandlung, deren Kauf uns die früheren Chefs untersagt hatten, weil sie ein Vermögen kosten ...
 
"RICHTIG!" ruft der IT-Chef, als er mit Bücher-Rechnungen, die locker unser Budget übersteigen, hereinstürmt. "DAS IST DAS ENDE!"
 
"Ja", seufze ich und greife zu einem schwarzen Band, das ich mir um den Arm wickle. "Es ist furchtbar."
 
"In der Blüte seines Lebens!" schnieft der PJ mitleiderregend.
 
"Warum müssen die Besten immer so jung sterben?" jammere ich.
 
"Worüber zum Teufel sprechen sie?" stößt der IT-Chef hervor.
 
"Roger ...!" keuche ich und kämpfe mit den Tränen. "... von uns gegangen!"
 
"In der Blüte seines Lebens!" wiederholt der PJ.
 
"Wovon sprechen sie?" fragt der IT-Chef verwirrt.
 
Ich schiebe ihm die vorbereitete Titelseite einer Boulevardzeitung hin.
 
"´IT-Manager von Software-Lieferant überfahren´. Oh mein Gott ... Aber das stand nicht in meinen Exemplar, das ich am Morgen bekam."
 
Dieser ...!
 
"Ah ... das ist die Pendlerausgabe", antworte ich und denke schneller als ein übertakteter Pentium III. "Die Ausgabe mit den letzten Neuigkeiten und Ergänzungen."
 
Er überfliegt den Artikel auf der Suche nach Anzeichen, daß ich ihn belüge, während ich mir vornehme, ein paar Todesanzeigen in den Zeitungen von morgen zu schalten, damit er unsere Geschichte kauft.
 
"Sollten sie nicht eigentlich in einem Taxi sitzen?" fragt der PJ im richtigen Moment.
 
"Oh, das STIMMT! MEIN FLIEGER!"
 
"Ihr Flieger?" fragt der IT-Chef.
 
"Ja, ja, ich bin ziemlich spät dran - der PJ wird es ihnen erklären - Roger hätte es so gewollt!" stoße ich hervor.
 
"Nein, ich denke, es wäre sein Wunsch gewesen, daß der Lieferwagen ihn verfehlt hätte", höre ich den PJ murmeln, als ich davonstürme.
 
Die Kunst der Zurückhaltung hat offenbar einen großen Bogen um ihn gemacht.
 
Nun, ich bin mir sicher, daß er sich in der nächsten Runde mit Vorstellungsgesprächen gut machen wird.


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 28.05.1999, Übersetzung: thomas w., 2001.