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| bastard operator from hell | ||
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Ein paar neue Nutzungsmöglichkeiten für die Klimaanlage und den Hauptrechner machen den Chef nervös, während der PJ sein Hühnchen mit Pilzauflauf nicht zu knusprig will ...
Der Chef hat herausgefunden, daß ich den Hauptrechner mit den vier Prozessoren dazu nutze, mein Mittagessen warmzuhalten und ist deshalb nicht gerade erfreut. Ich wäre sicher damit durchgekommen, wenn ich nicht noch eine Extraportion Bratensoße verlangt hätte, die irgendwie ein Loch in die Papiertüte hat und auf die Platine des Rechners tropfte. Die Leute aus der Forschungs- und Entwicklungsabteilung sind nicht gerade erfreut darüber, denn sie haben die Maschine benutzt, um eine Serversoftware einem Belastungstest zu unterziehen, mit dem sie herausfinden wollten, wie viele Anfragen die Server-Software gleichzeitig beantworten kann. Natürlich war ich auch nicht gerade erfreut - nicht, nachdem ich herausgefunden hatte, daß die Probleme durch die Abwärme eines Prozessors verursacht wurden, die für das Loch in der erwähnten Tüte verantwortlich war. Ein echter Rückschritt bezüglich der Belastbarkeit neuer Hardware ... Also befindet der Chef sich jetzt auf dem Kriegspfad, um sicherzugehen, daß nicht auch noch andere Geräte ´unpassend´ benutzt werden. Und als hätte ich es nicht geahnt, schafft er es bei seinen ahnungslosen Wanderungen durch das Haus, über den Schlauch zu stolpern, der die Kühlerschlitze eines alten Servers mit dem zentralen Vakuumreinigungssystem verbindet. "WAS ZUM HENKER SOLL DAS SEIN?" schreit er. "Ah, das ist das zentrale Vakuumreinigungssystem." "Und weshalb ist es mit dieser Maschine verbunden?" "Nun, sie wissen doch, wie empfindlich Prozessoren auf Staub und ähnlichen Schmutz reagieren? Ich lasse das Reinigungssystem laufen, damit sich kein Staub in den Rechnern ansammelt." "Aber das ist das INNERE der Maschine! Wie soll denn Staub hineingelangen?" quietscht er. Ich entscheide mich, Klartext zu reden. "Erinnern sie sich noch daran, daß ich ihnen sagte, daß das Reinigungssystem zusammengebrochen sei?" "Ja. Und?" "Nun, das tat es wirklich. Und auch wenn die Chancen 1 zu 1.000.000 standen, es lag daran, daß der Beutel, der den Staub aufnehmen sollte, platzte. Und da habe ich festgestellt, daß der alte Rechner mit seiner Kühlanlage eigentlich gut geeignet ist, Staub von den anderen abzusaugen." "Sie benutzen diesen Server als Staubsauger?!?" schreit er und sieht seine schlimmsten Befürchtungen bestätigt. "Nun ... Ja." "Sind sie geisteskrank?! Was ist mir der Brandgefahr?" "Machen sie sich keine Sorgen. Wir leeren das Gehäuse immer dann, wenn der Staub aus dem Diskettenlaufwerk herausquillt. Und, nebenbei, die Prozessoren in der Maschine werden so selten genutzt, so daß sie sich kaum aufwärmen!" "Ich kann es nicht glauben!" murmelt er mit leidverzerrtem Gesicht und schüttelt den Kopf. "Also nehme ich an, daß wir ihnen lieber nicht sagen sollten, was wir mit den Luftschächten der Klimaanlage gemacht haben." erwähnt der PJ hilfsbereit. "Die Luftschächte?" schreckt der Chef zusammen, der nicht wirklich wissen will, welchen Ärger wir ihm bereiten könnten, den seine Neugier aber zu dieser Frage zwingt. "Nun, wir bewahren etwas Technik in ihnen auf - aber nur die Geräte, die wirklich heiß werden", gesteht der PJ. "Ich ...", murmelt der Chef, dessen Gedächtnis für Momente auszusetzen scheint. "Wieso?" "Nun, sie werden eben zu heiß für den Rechnerraum, also haben wir sie in den Luftschächten installiert, wo sie immer schön gekühlt werden und auch perfekt funktionieren." "Und was passiert im Winter, wenn die Klimaanlage warme Luft liefert?" "Oh, wir dachten, daß wir dieses Problem dann lösen, wenn es akut wird." Die Fantasie des Chefs läßt ihn zuckende Flammen, die sich durch die Luftschächte im gesamten Gebäude ausbreiten, sehen, also zieht er lieber murmelnd ab. "Maschinen in den Luftschächten? Das ist doch ein wenig sinnlos, oder?" frage ich. "Ja, nun, ich mußte mir etwas einfallen lassen. Und nebenbei, ich mußte das sagen oder die Wahrheit, daß wir die Sicherungsbänder der Erbsenzähler auf der letzten Weihnachtsfeier als Dekoration benutzt haben." Ein Keuchen aus der Tür zeigt uns, daß der Chef wieder etwas spüren kann. Ein schneller Blick in sein Gesicht sagt mir, daß er dieses Problem auf die harte Tour zu lösen gedenkt. "Natürlich, ich bedaure den verantwortlichen Manager." rufe ich. "Ich auch", kommentiert der PJ gemäß der Regel aus dem Bastard-Buch der Entschuldigungen, nach der sowieso immer das Management für die Taten der Untergebenen verantwortlich gemacht wird. "Ja, ich möchte nicht in der Haut des Managers stecken, wenn die Prüfer dahinterkommen, daß wir ihre Sicherungsbänder zerstört haben." "Ich auch nicht", sagt der PJ. "Das könnte so aussehen, als hätte die Firma etwas vor dem Finanzamt zu verbergen." "Hat das Finanzamt nicht eine Nummer für anonyme Tips?" frage ich. "Sie können mir keine Angst machen!" ruft der Chef. "Ich bin nicht verantwortlich für die Versäumnisse meiner Vorgänger." "Natürlich sind sie nicht verantwortlich!" stimme ich zu. "Nein, man wird uns rauswerfen - und ein paar Tage später wird das gesamte Netzwerk der Firma zusammenbrechen, weil die restliche IT-Belegschaft mit den Problemen nicht fertig wird. Ich würde es hassen, Manager dieses Durcheinanders sein zu müssen." "Nun, das ist dann der Fehler des IT-Chefs, aber nicht mein Problem!" ruft der Chef. "Ja." erwidert der PJ trocken. "Ich bin sicher, daß er die Verantwortung übernehmen und nicht einfach einen Untergebenen über die Klinge springen lassen würde." "Dann werde ich nur noch meine Kündigung einreichen", seufzt der Chef schließlich und schleicht gebrochen davon. "Oh, und könnten sie nach dem Hühnchen und dem Pilzauflauf im Applikationsserver sehen?" ruft der PJ ihm nach. "Ich mag es nämlich nicht, wenn es zu knusprig ist ..." |
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© Simon Travaglia, 05.05.1999, Übersetzung: thomas w., 2001. |
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