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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Was für ein Typ wird der neue Chef wohl sein? Der B.O.F.H. ist erst beunruhigt, doch dann entspannt er sich, als er eine verwandte Seele spürt, die ihm sogar ein paar neue Tricks beibringen kann ...

Es ist ein Dienstagmorgen, an dem der neue Chef seinen Dienst antritt, nachdem der alte sich in den ´Vorruhestand´ verabschiedet hat. In den Büros wartet man nervös darauf, wie der neue Chef wohl sein wird. Ich bleibe dagegen ganz ruhig, denn ich weiß, daß er früher oder später bei uns vorbeischauen muß.
 
Es gibt ein paar Kategorien, in die man einen Chef einordnen kann. Da gibt es den Typ, der sich in seinem Büro verschanzt und niemanden verärgern will, den aufdringlichen ´Sagen sie mir, was sie WIRKLICH DENKEN´-Typ und, als schlimmste Variante, den ´Bananen-Republik-Diktator´-Typ.
 
Der neue Chef scheint zur ersten Kategorie zu gehören, da er bisher sein Gesicht noch nicht den Truppen gezeigt hat ...
 
Doch dann kommt eine große Kiste mit mir als Empfänger im Büro an.
 
Allerdings erwarte ich zur Zeit keine Lieferung - mit Ausnahme eines kleinen Schecks von der Manager-Vermittlung, den ich immer dann bekomme, wenn sie uns etwa dreimal im Jahr einen neuen Chef schicken.
 
Eine schnelle Inspektion der Kiste ergibt, daß sie eine für das gesamte Unternehmen ausreichende Anzahl von Kopien einer Software zum Datenbankzugriff enthält, die wir bisher aber noch gar nicht benutzen. Sekunden später wird eine weitere Kiste geliefert, die den entsprechenden Datenbank-Server enthält, wenn ich mich nicht irre. Hmmmm ...
 
Da ich die Kisten nicht bestellt habe, lasse ich sie wieder zurückgehen.
 
Der wirkliche Urheber der Bestellung erscheint, als der neue Chef uns Anweisungen erteilt, wie, wann und wo wir das System installieren sollen.
 
"Oh, ich habe alles zurückgeschickt, weil ich es nicht bestellt habe." rufe ich.
 
"Aha. Nun, ich habe es gestern bestellt", wirf er schnell ein. "Und ab jetzt werde ausschließlich ich Soft- und Hardware bestellen."
 
BANANEN-DIKTATUR-ALARM!
 
"Oh. Und wofür brauchen wir diese Software doch gleich?"
 
"Ich will die Finanzverwaltung auf ein neues System migrieren, das leichter zu verstehen und zu warten ist." (Er hat einen Freund, der bei einer kleinen Firma arbeitet, die Finanzlösungen programmiert.) Das gefällt mir nicht.
 
"Ich weiß nicht, wo der Vorteil liegt, denn die bisherige Software wird von den Mitarbeitern ja auch beherrscht."
 
"Ähm, aber die neue Software ist nach ISO 98000 zertifiziert", schwärmt er.
 
"98000?" fragt der PJ. "Aber wir sind doch erst bei ISO 9000."
 
"Nun, die 98000 ist eine Kombination aus der ISO 9000 und der weniger bekannten ISO 8000 - die sich mit sicheren Finanztransaktionen befaßt." erklärt er. "Sorgen sie dafür, daß die Software schnellstmöglich installiert wird."
 
Irgendwie glaube ich ein Tier zu riechen, das einen grauen Pelz und eine Vorliebe für Lebensmittelabfälle hat.
 
Ich lasse eine kurze Suche über die ISO-Titel laufen, um ganz sicher zu gehen. Nachdem ich die ISO-Wächter dreimal aus ihrem Büroschlaf geweckt habe (für ihre Trägheit sind sie ja bekannt), finde ich meinen Verdacht bestätigt.
 
Dann beginne ich mich zu wundern ... Dieses Verhalten kommt mir irgendwie bekannt vor.
 
Ich untersuche die Software eingehender. In den blitzenden CD-Hüllen finde ich einmal beschreibbare CDR-Medien, die mit Filzstift beschriftet wurden. Meine Neugier steigt. Als ich die angegebene WWW-Adresse aufsuche, begrüßt mich die Mitteilung, daß die Seite neu gestaltet werde.
 
Hmmm ... Ich entscheide mich dazu, den Chef damit zu konfrontieren.
 
"Ja, ja, es handelt sich um ein global agierendes Unternehmen mit vielen wachsenden Kunden, so daß sie keine Zeit haben, SSL-gesicherte Webseiten mit Java-Suchalgorithmen zu entwerfen." antwortet er.
 
Gute Antwort. Eine Antwort, die man erwarten würde von einem Ba ...
 
"Mein Rechner hat Probleme", erwähne ich im Vorbeigehen. "Ich glaube, daß das Diskettenlaufwerk müßte einmal gereinigt werden müßte."
 
"Wirklich?" sagt er. "Das sind vielleicht ... hmm ... transiente Überspannungsschleifen im Magnetkopf."
 
"Sind sie sicher?" frage ich und sehe meine Vermutung bestätigt.
 
"Ja. Und sie müssen die Überspannungsschleifen mit einem magnetischen Entstör- Gleichrichter beseitigen. Sie haben doch einen?"
 
"Nein."
 
"Nun, ich denke, sie können bei Problemen auch einen Hammer und einen Schraubenzieher benutzen." schlägt er vor. "Sie schieben einfach den Schraubenzieher in das Laufwerk bis sie auf Widerstand stoßen ..."
 
"... und prügeln dann das Leben aus dem Laufwerk heraus, bis nur noch der Griff des Schraubenzieher herausschaut?" frage ich.
 
"J-Ja, woher wußten sie das?"
 
"Sie sind ein Bastard", antworte ich.
 
"Nein, bin ich nicht!"
 
"Doch, sie sind einer. Und sie sind noch nicht registriert ..."
 
"Nein, das bin ich durchaus - ich bin ein FBMFH", sagt er verschmitzt. Ein Mitglied der Freimauerischen Bastard Manager from Hell! Ich bin beeindruckt.
 
"Gut. Also, was geht hier vor?"
 
"Nun, man gründet ein paar ´produzierende´ Unternehmen, schreibt schnell ein Programm und sucht sich dann irgendwo einen Managerposten, wobei man die Empfehlungen der eigenen Firmen benutzt. Dann kauft man das eigene Programm, das alle Probleme lösen kann, zu einem künstlich überteuerten Preis ein und akzeptiert dann gegen Zahlung einer hohen Abfindung die frühzeitige Kündigung, wenn das ganze Unternehmen Probleme bekommt."
 
"Womit nur noch zwei Fragen bleiben." sage ich.
 
"Was ist für sie drin und wann platzt die Bombe? Nun, ich denke ein paar Tausender in Form von Abrechnungen für ´externe Beratungen´ und, hmmm, der nächste Mittwoch?"
 
"Mittwoch?"
 
"Ja, ich bin sicher, daß sich ein tödlicher Virus auf den Installationsmedien befindet."
 
"Dafür werde ich sorgen!" rufe ich.
 
Es macht doch immer wieder Spaß, mit Profis zu arbeiten.


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 28.04.1999, Übersetzung: thomas w., 2001.