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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Eine Therapiesitzung zur Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls führt dazu, daß der B.O.F.H. unangekündigte - und wahrlich gewaltige - Wartungsarbeiten an einem Server vornimmt, doch so schafft die Therapie mehr Probleme als sie lösen kann ...

Als Ergebnis der teuflischen Handlungen des PJs landen er und ich in einer dieser Therapiesitzungen, wo alle allen ihre Gefühle mitteilen, wie sie sich und ihren Platz in der Welt oder in unserer Firma sehen. Als wäre es nicht schon demütigend genug, Schulter an Schulter mit den Nutzern in einem Zimmer zu sitzen, wird von uns auch noch erwartet, daß wir ihnen unsere Gefühle und Gedanken mitteilen.
 
Und natürlich hat der Anzug, der die Sitzung leitet, alle eingeladen, die nach Aussage des Chefs ganz besonders unter uns zu leiden hatten, die sich als Opfer der ´aggressiven Vorgehensweise bei der Problemlösung´ durch die Netzwerk- und Systembetreuung fühlen. Theoretisch sollen der PJ und ich, wenn wir mit unseren ehemaligen ´Kunden´ zusammentreffen, unsere Fehler einsehen und bereuen.
 
"Nun, wer will anfangen?" lächelt Mr. Anzug und blickt erwartungsvoll in die Runde ...
 
Zehn Minuten später sind wir zurück im Büro, weil niemand etwas zu sagen hatte. Vielleicht lag das am Diktiergerät des PJs - aber er hatte es nur mitgenommen, um auch später über die Gefühle der Nutzer nachdenken zu können ...
 
Der Chef, der unsere schnelle Rückkehr bemerkt, spart sich seine ´Ich hoffe, sie haben ihre Lektion gelernt´-Ansprache. Und - er macht auch keine Anstalten uns für einen Osterbonus vorzuschlagen.
 
Da ich zu den aktiven Menschen gehöre, entscheide ich mich, meine Enttäuschung aus meinem Geist zu verbannen und widme mich der präventive Wartung der Immobilienverwaltungs-Servers der Erbsenzähler. Schließlich waren sie es, die sich am lautesten über unseren Service beschwert haben, bevor der PJ und ich den Raum betraten. (Vorsorglich hatten wir eine Wanze in dem Zimmer plaziert.) Offenbar läuft der Server ziemlich langsam.
 
Als wir ihnen gestern mitteilten, daß sie doppelt so viele Programmsitzungen auf ihm laufen lassen, als sie vorher angekündigt hatten, war das nicht als konstruktive Kritik aufgefaßt worden und man hatte verärgert reagiert.
 
"Vorsicht mit dem Hammer", ruft der PJ und duckt sich, um dem Rückschwung meines bewährten Wartungs-Werkzeuges zu entgehen.
 
"Ups", sage ich entschuldigend. "Da bin ich wohl etwas zu heftig gewesen."
 
"Kein Problem - für mich jedenfalls", murmelt er, als er eine Bodenplatte hochhebt und das Ergebnis meiner ´Wartungsarbeiten´ durch die Öffnung stößt.
 
"Er braucht ein paar Schläge, aber dann geht er wieder", sage ich und bearbeite das verschrammte Gehäuse. Und ich betätige den Ausschalter - natürlich unabsichtlich.
 
Verdammt!
 
Vor meinem geistigen Augen kann ich den obersten Erbsenzähler sehen, wie er den Notfallschalter drückt, um die Sicherheit der Immobiliendaten doch noch zu gewährleisten. Da er nicht an Zufälle glaubt (obwohl es sich diesmal ausnahmsweise wirklich um einen handelt), muß er glauben, daß es sich hierbei um den Versuch handelt, unbeobachtet Modifizierungen am Datenbestand vorzunehmen, was er nicht zulassen kann.
 
Seufz.
 
Als ob wir das nicht schon vor vierzehn Tagen gemacht hätten. Während des Tages. Und angemeldet war ich im System mit seinem Namen. Wenn also die Revision eine Spur finden würde ... Wie auch immer, das bringt uns jetzt nicht viel, wenn er den Server mit eigenen Augen sieht, denn dieser sieht aus, als hätte er ein paar Wochen in Beirut gestanden.
 
Natürlich ist er nicht gerade erfreut, als der Chef ihn in den Rechnerraum begleitet, um seine Ängste zu zerstreuen, und den Server sieht.
 
"Was ist denn mit dem Server passiert?" keucht er, als er das kampferprobte Gehäuse sieht. "Er ist völlig verbeult!"
 
"Nun, nichts hält ewig - die Abnutzung ..."
 
"Er ist doch erst zwei Monate alt."
 
"Zwei Monate sind eine lange Zeit in der Computerbranche." werfe ich ein.
 
"Nebenbei, er wirkte schon etwas verbeult, als die Lieferanten ihn aufgestellt haben." ergänzt der PJ.
 
"Warum haben sie dafür unterschrieben?"
 
"Nun, er startete problemlos." sage ich.
 
"Großer Gott, er sieht aus, als hätte man ihn mit einem Hammer bearbeitet. Sind sie sicher, daß die Lieferanten dafür verantwortlich sind?"
 
"Nun, die Lieferanten trifft etwas Schuld, aber die Reinigungskräfte haben ihnen bestimmt nicht unwesentlich dabei geholfen."
 
"Wir lassen die Reinigungkräfte nicht in diesen Raum." unterbricht der Chef.
 
"Ja, das weiß ich", antworte ich traurig. "Deshalb mußte ich es ja tun."
 
"Also haben sie die Maschine zerstört?"
 
"Ich fürchte, daß es so ist", seufze ich. "Ich bin ein Systembetreuer, aber keine Reinigungskraft."
 
"Und ich bin ein friedfertiger Mensch, kein Krieger, der sich mit seinem Kollegen anlegt", fügt der PJ hinzu, der zum Frühstück vermutlich eine Überdosis Magnetkopfreiniger zu sich genommen hat.
 
Das humorvolle Zwischenspiel wird unterbrochen durch den Server, der auf den Boden stürzt, als die Schrauben, die sein Gehäuse hielten - und die während der Wartung gelockert wurden - die Verbindung mit dem Regal verlieren.
 
Das weitere Geschehen nach diesem kleinen Unfall muß nicht weiter erwähnt werden, aber es genügt wohl, wenn ich sage, daß wir uns am nächsten Morgen in der Gruppentherapie wiederfinden, wo Mr. Anzug und Konsorten auf uns warten.
 
"Nun, wer will anfangen?" fragt Mr. Anzug wohlwollend.
 
"Ah, ich würde gern ..." sage ich. "Ich will meine Gefühle mit ihnen teilen."
 
Seufz ...


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 07.04.1999, Übersetzung: thomas w., 2000.