![]() |
![]() |
![]() |
| bastard operator from hell | ||
|
|
Die Lichter sind eingeschaltet - und zwar alle 2.996 - doch niemand ist da. Das Engagement des Chefs, der neuerdings überall mithelfen will, endet in einem Anfall aus Verrücktheit, einer Krankentrage, einer Zwangsjacke und einer Reise in ein Krankenhaus ...
"Stellen sie sie einfach zu den anderen Kisten." weise ich den PJ an, als er eine weitere Kiste mit Kommunikations-Zubehör hereinbringt. Meine Aufmerksamkeit wird abgelenkt durch einen Anrufer, dessen Anruf ich irrtümlich angenommen habe. Es handelt sich um ein normales Telefon-Problem - nicht gerade schwierig - zumal der Nutzer das Netzwerk-Werkzeug Nummer 2 in den Händen hält, nämlich den Kabelschneider. "Ja, genau. Legen sie das Kabel einfach zwischen die beiden Schnittflächen, ja, und dann drücken sie." CLICK. "Haben sie das Telefon des Nutzers abgetrennt?" fragt der PJ. "Jetzt ja. Noch mehr Kisten?" "Nein, das ist die letzte. Was für ein Müll ist in den Kisten eigentlich drin?" "Oh, das sind nur ein paar Kisten mit Leuchten und Piepsern", antworte ich. "Ich werde sie im Büro des Chefs installieren." "Das würden sie nicht tun, wenn er nicht erklärt hätte, er wolle sich selber verstärkt um das Netzwerk kümmern, oder?" "So ist es. Wenn er uns helfen will, das Netzwerk zu betreuen, warum sollte ich ihn davon abhalten?" Der Chef strahlt voller Stolz, als der PJ und ich den Inhalt der letzten Kiste in seinem Büro installieren. Es erstrahlt jetzt im Schein von mehr als 3.000 blitzenden Lichtern, von denen jedes mit einem speziellen Piepser verbunden ist, die in verschiedenen Tonhöhen Geräusche von sich geben können. "Und diese Überwachungstechnik entspricht der, die sie im Rechnerraum verwenden?" fragt der Chef. "Natürlich", antwortet der PJ und schraubt die letzte LED fest, die in Wahrheit eine kleine Kamera ist, damit wir sehen können wie sich unser Experiment entwickelt. "Gewöhnlich prüfen wir im Abstand von ein paar Tagen, ob es Fehler gibt, aber wenn sie uns dabei helfen, können wir Netzwerkprobleme wahrscheinlich wirklich rasend schnell ausmerzen. Das wird gut in den monatlichen Statistiken aussehen." "Das sieht ja alles sehr beeindruckend aus, aber wie merke ich, daß es einen Fehler gibt?" "Oh, dann geht eines der Lichter aus. Ich schaue später noch einmal vorbei, um zu sehen, ob alles reibungslos funktioniert." sage ich, als der PJ das System einschaltet, worauf der Raum in einer Kakophonie aus Piepstönen und blendenden Lichtern zu explodieren scheint. Als wir das Büro verlassen, werfe ich einen kurzen Blick zum PJ. "Zehn Pfund darauf, daß er es keinen Tag aushalten wird." "Die Wette gilt!" antwortet er und wittert leichtverdientes Geld. Nun, er wird es wohl nie lernen. Später am Tag wirkt der Chef sichtlich nervöser. Mehr als sonst stürmt er durch die Gänge, brüllt alle mit Ausnahme des PJs und mir an. Er will nicht zugeben, daß die Netzwerkbeobachtung seine Fähigkeiten übersteigt. "Und, wie sieht es aus?" frage ich den Chef und trenne die gesamte vierte Etage vom Netzwerk in dem Moment, als er gerade auf die Technik starrt, um es zu bemerken. Eine schnelle Netz-Nachricht informiert den PJ. "Oh, gut", antwortet er. "Bis jetzt habe ich keine Probleme bemerkt." Der PJ verpaßt seinen Einsatz nicht. "Uh-oh, die vierte Etage ist ausgefallen!" ruft er und hämmert wie besessen auf seine Tastatur ein. Der Chef bricht in Panik aus als ich diskret seufze. "Wir müssen wissen, was ausgefallen ist. Können sie nachschauen, welche Lichter ausgegangen sind?" Ich reiche ihm den Netzwerkplan. "Das ist ein Plan aller 3.000 Lichter. Markieren sie einfach die, die aussehen, als seien sie ausgeschaltet." rate ich ihm freundlich. Der Chef sieht jetzt wirklich sehr verwirrt aus. Wenn er hier scheitert, wird er dem Geschäftsführer erklären müssen, wieso er wertvolle Zeit und Technik verschwendet hat. Also trottet er zurück in sein Büro, während ich ferngesteuert vier Lichter abschalte und die anderen abblende. Ein paar Stunden später stehen der PJ und ich noch immer vor seinem Büro, als ein Nutzer vorbeikommt und sich darüber beschwert, daß das Licht neben dem Schalter seines Rechners blinkt. Der ständige Einfluß der Netzwerk-Überwachungstechnik auf den Chef hat eine durchaus zufriedenstellende Wirkung, würde ich sagen. "WIR ALLE MÜSSEN MIT UNSEREN LICHTERN LEBEN", brüllt der Chef. "ICH ZUM BEISPIEL HABE TAUSENDE VON IHNEN, DIE BLINKEN, LEUCHTEN UND PIEPSEN! SIE ALLE BLINKEN, LEUCHTEN UND PIEPSEN! ICH KANN ES NICHT MEHR AUSHALTEN DIESES BLINKEN, LEUCHTEN UND PIEPSEN!" Als der Ex-Chef auf einer Trage hinaus befördert wird, jammert er unglücklich in seiner Zwangsjacke. Der PJ wirkt verunsichert. "Vielleicht waren wir etwas zu hart. Schließlich wollte er uns doch nur helfen." Es ist traurig. Nach all der Zeit versteht er noch nicht, daß niemand einem B.O.F.H. bei der Betreuung eines Netzwerkes helfen kann. Nun, es wird Zeit für den Elektroschocker - und einen Kaffee mit Abführmittel ... |
|
![]() |
![]() |
![]() |
© Simon Travaglia, 30.03.1999, Übersetzung: thomas w., 2000. |
||