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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Es wird Zeit für den PJ, das schützende Nest zu verlassen und in den Bastard-Orden aufgenommen zu werden. Und er hat es sich wirklich verdient ...

Es ist ein glücklicher Tag für die B.O.F.H.s auf der ganzen Welt, denn der PJ bereitet sich darauf vor, feierlich in die Bastard-Bruderschaft aufgenommen zu werden. Als er aus der Herrentoilette herauskommt, richtet er seine schwarze Krawatte und betritt dann ein Hinterzimmer einer Kneipe, die die ganze Nacht geöffnet hat.
 
Eine Träne stiehlt sich in meine Augen, als er die Hände der vier Führungsmitglieder des Ordens schüttelt (von denen ich einer bin) und sich für die mündliche Prüfung bereitmacht. "Wer hat diesen angehenden Bastard erzogen?" fragt der Große Bastard.
 
"Ich." antworte ich feierlich.
 
"Und sie sind zufrieden mit seiner Theorie, daß Hochspannung und ihre Anwendung eine Verringerung der Häufigkeit störender Anrufe von Nutzern bewirken kann?"
 
"Das bin ich."
 
"Sehr gut." Er wendet sich an den PJ. "Nun wird ihnen jedes Mitglied eine Frage stellen, die sie beantworten müssen."
 
Es geht ein wenig förmlich zu, aber Regeln sind nun einmal Regeln.
 
Der PJ nickt wortlos.
 
"Sie haben gerade einen Arbeitsvertrag mit einer neuen Firma unterschrieben, die sie gut bezahlt, aber von ihnen eine Beschreibung ihrer bisherigen Tätigkeiten fordert - offensichtlich will ihr Arbeitgeber ihnen damit ihr schwerverdientes Wissen entlocken. Wie sorgen sie dafür, daß der Vertrag trotzdem geschlossen wird und sie ihr Wissen für sich behalten können?"
 
Die erste Frage ist immer die einfachste.
 
"Ah, ich würde ... erklären, daß ich ein frommes Mitglied der Vereinten Kirche des Hermetismus bin und es mir deshalb nicht gestattet ist, meine Ideen anderen mitzuteilen."
 
"Aha ... wobei sie annehmen, daß ihr Arbeitgeber sie nicht aus religiösen Gründen diskriminieren darf?"
 
"Ja."
 
"Und es gibt die besagte Kirche?"
 
"Ja, ich habe sie vor zwei Wochen gegründet - als uneigennützige Stiftung. Ich habe ihr all meine weltlichen Güter und mein Einkommen vermacht."
 
"Sehr altruistisch", kommentiert das zweite Mitglied. "Aber wie ist es hiermit? Sie stellen fest, daß dem firmeninternen Telefonverzeichnis an ihrem neuen Arbeitsplatz ein bunter Netzwerkplan beiliegt. Wie verhindern sie, daß die Nutzer ihnen auf der Nase herumtanzen?"
 
"Ich würde ein paar Leitungen bei einer ´Erweiterung´ des Netzes mit der Stromversorgung koppeln und paar Beschriftungen austauschen. Oh, und ich würde noch 50 zusätzliche Kopien anfertigen."
 
"Zusätzliche Kopien?"
 
"Ja, damit würde ich zur Waterloo-Station gehen und sie an französische Touristen als Netzplan der Metro verkaufen."
 
"Ausgezeichnet", lächelt das vierte Mitglied. "Ihr Anrufbeantworter ist voll, die Leitungen ihrer Nutzerbetreuung glühen und ihr Chef kommt in ihr Büro und sieht, daß sie Quake II spielen. Was werden sie tun?"
 
"Ähm ... ich würde mich nicht stören lassen und weiterspielen, damit ich später erklären kann, daß ich unter posttraumatischen Störungen leide, seitdem ich das Spiel in der Mittagspause gestartet habe - dann würde ich für mindestens sechs Wochen bezahlten Erholungsurlaub fordern, weil ich unter arbeitsbedingtem Streß leide, falls es Schwierigkeiten mit den Lohnzahlungen geben sollte."
 
"Ja ... aber ich erwarte noch etwas mehr als das."
 
"Oh, sie meinen, daß ich den Applikationsserver dazu benutze, das Spiel auf allen Rechnern zu installieren, so daß ich behaupten kann, daß alles es spielen würden!"
 
"Ja, aber ich würde gern noch ..."
 
"OH, NATÜRLICH! Ich würde die Version auf dem Rechner des Chefs so ändern, daß sie homoerotische Szenarien zeigt und das Spiel immer dann automatisch startet, wenn er einen Gast in seinem Büro empfängt."
 
"Ja, das wäre ein angemessenes Vorgehen!"
 
Womit nun ich mit meiner Frage an die Reihe komme. "Ihr Tutor für Bastardismus hat irgendwie herausgefunden, daß sie eine gewisse Summe Geld in einem versiegelten Festplattengehäuse in einem alten AT-Rechner unter ihrem Tisch versteckt haben."
 
Ein kurzes Aufstöhnen signalisiert mir, daß dem PJ gerade die praktische Bedeutung dieses Examens bewußt wurde.
 
"Nehmen wir, rein THEORETISCH natürlich, einmal an, dies wäre geschehen und ihr Tutor hat einen nicht unbeträchtlichen Betrag von diesem Geld verjubelt. Welche Reaktion würden sie als angebracht empfinden?"
 
"Nun, da wir uns hier auf theoretischem Gebiet bewegen", kocht der PJ vor unterdrückter Wut. "Nun, ich würde den Betrag mit Geld ersetzen, welches ich in dem Feuerlöscher mit doppeltem Boden gefunden habe, der hinter dem Schreibtisch meines Tutors an der Wand angebracht ist. Oh, sagte ich ist? Ich meinte natürlich war."
 
DIESER BASTARD!!
 
"Gut", rufe ich fröhlich und greife nach meiner Geldtasche und dem elektrischen ´Kalibriergerät´ darin. "Ich bin mit diesen Ausführungen zufrieden. Wenn es keine Einwände gibt, sollten wir zur Bar gehen, um ihr bestandenes Examen zu fei ..."
 
Das menschliche Nervensystem schickt Nachrichten mit einer Geschwindigkeit von ein paar hundert Kilometern pro Stunde durch den Körper. Elektrizität auf der anderen Seite ist ungefähr 800mal schneller. Pro Sekunde.
 
Und auch wenn ich es für einen kurzen Augenblick geahnt haben sollte, als mein Daumen die seltsam aufgerauhte Oberfläche des Verschlusses meiner Geldbörse berührte, ich konnte es nicht mehr aufhalten ...
 
Nachdem ich aufgehört hatte zu sabbern und die Beleuchtung nicht mehr aus mindestens 10.000 Kerzen zu bestehen schien, habe ich dem PJ an der Bar ein Bier gekauft, um mit ihm auf seine Beförderung anzustoßen.
 
Man muß eben auch verlieren können.


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 17.03.1999, Übersetzung: thomas w., 2000.