diese seite wurde für die darstellung mit netscape communicator 4 oder ms internet explorer 4 mit aktivierter javascript-unterstützung optimiert.
b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Konfrontiert mit der Aussicht, mit einem spitzbärtigen Veganer zusammenarbeiten zu müssen, kann der B.O.F.H. der Herausforderung nicht widerstehen und schickt den neuen Kollegen mit boshafter Genialität zum Teufel ...

"Uhhhh ..." beginnt der Chef und versucht verzweifelt, sich daran zu erinnern, weshalb er überhaupt unser Büro angesteuert hat. "Das ist, ähm, Nigel", fährt er dann fort und zeigt auf einen Spitzbart, der hinter ihm steht. "Nigel wird sich um die Betreuung der Nutzer kümmern. Da ihr Mitteilungsblatt nicht gerade gut angekommen ist und sie nicht gern mit den Nutzern zusammenarbeiten, dürfte das für alle Beteiligten positiv sein. Könnten sie dafür sorgen, daß er einen Schreibtisch, einen Rechner und ein Telefon bekommt? Bis morgen - das wäre großartig."
 
Der Chef stiehlt sich mit Nigel davon, noch bevor wir protestieren können.
 
"Das darf doch nicht wahr sein." stöhnt der PJ.
 
"ICH WEISS", erwidere ich. "Ein Typ mit Spitzbart in einer technischen Umgebung."
 
"Was?"
 
"Ein Spitzbart. Sie wissen schon, ein Typ, der auf Künstler macht - oder, um es auf die Computerbranche anzuwenden, ein Kauz, der unbedingt ´modern´ sein will."
 
"Und er gehört dazu?"
 
"Wenn ich mir seinen Pferdeschwanz anschaue, dann ist er das schlimmste aus beiden Welten - auf kauziger Künstler, der mit Computern umgehen will. Er wird einen Escher-Druck mitbringen, seine gesammelten Wired-Ausgaben, einen Mini-Disk-Player mit Liedern von Cohen und ... einen Rucksack."
 
"Unfug!"
 
"Vertrauen sie mir. Bevor wir wissen, was mit uns geschieht, wird er uns Kräutertee servieren, während er versucht, uns zu Veganern zu machen."
 
"Sie meinen Vegetarier?"
 
"Nein, das ist ein alter Hut - jeder Mann und sein Hund ißt heute vegetarisch. Um wirklich ´dabei zu sein´, muß man heute eine ´Ich fühle wirklich mit den Tieren´-Gesinnung zeigen. Ich bin schon beinahe so weit, deshalb weiß ich, worüber ich rede."
 
"Sie sind doch gar kein Vegetarier!"
 
"Nein, ich gehöre zur ´Ich kann das Schicksal des Tieres wirklich schmecken´-Sorte. Ganz speziell bei einem nächtlichen Kneipenbesuch, wo das Leid am nächsten Morgen vorprogrammiert ist."
 
"Sie sind voller Vorur ..." sagt der PJ und wird durch Nigels plötzliches Erscheinen unterbrochen.
 
"Es gab nicht besonders viel zu sehen, also dachte ich mir, daß ich so früh wie möglich vorbeikomme. Ist das mein Schreibtisch?" fragt Nigel.
 
"Ja", sage ich und füge hinzu, daß der PJ sein Telefon und seinen Computer einrichten wird, er für den Moment aber noch nicht gebraucht wird. Ich gestikuliere in Richtung Kaffee-Automat.
 
"Den würde ich ihnen nicht empfehlen", sagt Nigel, als das Gesicht des PJs dessen vorherigen Kommentar ´Unsinn´ erneut wiederspiegelt.
 
Ich bin unbeeindruckt von dieser doch recht guten Vorstellung - das ist nur das übliche Verhalten am ersten Arbeitstag. Schon bald wird er, wenn er sich sicher fühlt, seinen Tannennadeltee mitbringen. In der Zwischenzeit entrollt er seinen Salvador Dali-Druck und bringt ihn an der Wand hinter seinem Schreibtisch an. Nicht exakt das Bild, das ich erwartet habe, doch das Escher-Bild findet sich schließlich auf seiner Handgelenkauflage.
 
Eins zu Null für mich, und die Handgelenkauflage ist dabei nur eine Zugabe. Dann packt er seine Auszeichnungen aus. Mit den Lippen forme ich für den PJ lautlos das Wort ´Anmaßung´, um ihm klarzumachen, daß es nun Zwei zu Null für mich steht. Und ich bemerke, daß Nigel seinen Kaffee noch immer nicht angerührt hat.
 
Der nächste Tag bringt das erwartete Vier zu Null: Nachdem Nigel eine Kaffee-Pause mit Rosenblütentee und die Mittagspause mit Apfel-Roggenkorn-Brot, daß mit Sojamilch zubereitet wurde, verbracht hat, entschließt er sich, seine Pfunde in Bewegung zu setzen.
 
"Sie haben ja gar keine gedruckte Dokumentation", verkündet er. "Wie sollen die Nutzer da mit dem Netz zurechtkommen? Zum Glück habe ich noch ein paar Seiten, die ich für meinen vorherigen Arbeitgeber angefertigt habe, die ich anpassen kann. Allerdings brauche ich hierzu einen Administrator-Zugang zum Netzwerk."
 
"Den werden sie selbstverständlich bekommen", erkläre ich ihm freundlich und verbringe den Rest das Tages damit, ihm zuzuhören, wie er versucht, den PJ von den Schrecken des Fleischverzehr zu überzeugen.
 
"WISSEN sie, was sie mit den Tieren machen?" fragt er.
 
"Sie erschießen sie." kocht der PJ innerlich.
 
"Und das nennen sie humanes TÖTEN!"
 
"Ich ziehe auch das gute alte Gewehr vor", werfe ich ein, als ich nicht mehr widerstehen kann. Nigel springt verärgert auf und verschwindet um zu schmollen.
 
"Was sollen wir tun?" fragt der PJ und blickt Nigel hinterher. "Der Chef will, daß wir ihm Zugriff auf die Rechner gewähren."
 
"Ja", seufze ich. "Aber darüber sollten wir uns nicht den Kopf zerbrechen. Er wird es nicht lange bei uns aushalten. Nicht mit RSI."
 
"Aber er hat gar kein RSI", seufzt der PJ verzweifelt.
 
"Zu zehn Prozent sind es Einflüsse am Arbeitsplatz und zu neunzig Prozent Einbildung." antworte ich und krieche unter den Tisch, um meine neueste Erfindung hervorzuholen, auf die ich besonders stolz bin. "Hier sind die zehn Prozent!"
 
"Das ist eine Tastatur", stöhnt der PJ unbeeindruckt.
 
"Ja, aber dies ist eine spezielle Tastatur."
 
"Das ist irgendwie ..." sagt er, als er die Tasten ausprobiert. "... seltsam."
 
"Ja, meine eigene Erfindung. Jede Taste verhält sich anders - einige lassen sich nur mit viel oder wenig Druck betätigen, während andere gar nicht reagieren. Ich garantiere ihnen, daß dadurch die gewünschte Reizung der Hände und Gelenke sicher ist."
 
Erwartungsgemäß hält es Nigel noch ganze zwei Tage aus. Natürlich haben wir auch seinen Arbeitssessel auch so justiert, daß er pro Minute einen Millimeter nachgibt, die Wiederholfrequenz seines Bildschirms herabgesetzt und seine Teebeutel in flüssiges Aufputschmittel getaucht. Für einen künstlerisch veranlagten Kauz hat er trotzdem ziemlich lange durchgehalten. Er hat sich nicht einmal beschwert, als der PJ ihm ein Pfund Hackfleisch als Abschiedsgeschenk überreichte ...


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 10.03.1999, Übersetzung: thomas w., 2000.