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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Das Duo des Schreckens wird beauftragt, ein Mitteilungsblatt zu verfassen. Eine leichte Aufgabe, wenn sicher wäre, daß niemand die technischen Details mißversteht ...

Der Chef hatte die Idee, daß es für das Ansehen unserer Abteilung förderlich sein könnte, wenn wir ein paar Mitteilungen für die Nutzer herausgeben würden. (Nicht in elektronischer Form - das wäre dann doch zu fortschrittlich; und eine Papierversion ist viel nützlicher, kann man sie doch jahrelang in Ordnern aufbewahren, selbst wenn das ´Lesen bis´-Datum schon verstrichen ist.)
 
Seine Theorie ist, daß dadurch, daß wir zweimonatlich ein paar Blätter zu Themen wie ´Die neueste Technik ist ...´, ´Wir haben gerade ... gekauft´ und ´Was sie über ... wissen sollten´ herausgeben, die echten Arbeiter nicht bemerken werden, daß all die wunderbare neue Technik im Management landet, während sie mit dem Müll von vorgestern ausgestattet werden. Eine Vertuschungsaktion also, um es anders auszudrücken ...
 
Ein schleimiger Typ aus der Werbeabteilung soll uns dabei helfen, ein ansprechendes Mitteilungsblatt zu erschaffen, was von weichgezeichneten Fotos (der Chef sieht aus, als sei sein Gesicht in Flammen aufgegangen und jemand hätte versucht, das Feuer mit einem Kartoffelschäler zu löschen) reicht bis zu einem pseudowissenschaftlichen Stil bei der Auswahl der Worte und dem pastellfarbenen Papier, auf dem die Mitteilungen erscheinen sollen.
 
Er ist auch ein Talent bei der Auswahl der Themen, die so unnütz sind, wie es nur geht: wieviele Kilometer Cat-5 (Hochgeschwindigkeitskabel) im Haus verlegt sind, wieviele Leute aus der Nutzerbetreuung auf Fortbildungskursen waren, der Wert unserer Technik, Technologien, die wir beobachten ... Und, natürlich, der Chef wünscht, daß ich einen kurzen Artikel schreibe über die neue Ausrüstung, die wir gerade prüfen, wann wir sie einsetzen wollen, ein paar nützliche Informationen darüber ... mit anderen Worten, ich soll das verdammte Ding selber schreiben.
 
Nun, ich liebe es ungefähr so sehr, die Nutzer mit Informationen zu versorgen, wie Parlamentsmitglieder es mögen, mit ihren Wählern zu reden, also bin ich, um es einfach zu sagen, sehr gespannt, wie meine Ideen ankommen. Nein, eigentlich nicht, denn es ist alles klar.
 
Sein Befehl, alles so zu schreiben, daß es jeder versteht, macht die Sache schwierig. Ich hoffe nur, er denkt bei ´jeder´ nicht an die Leute vom Wachdienst, da ich wirklich nicht behaupten möchte, daß unsere Laserdrucker das Papier mit Farbstiften ´bedrucken´.
 
Trotzdem schaffen der PJ und ich es, genügend Informationen zusammenzukratzen, um zwei Seiten damit füllen zu können und sie schnellstmöglich an die Drucker zu schicken - natürlich nachdem der Chef seine Zustimmung gegeben hat. Und so muß ich gestehen, daß ich etwas bestürzt, ja, beinahe geschockt bin, als der Chef am nächsten Tag ins Büro hereinstürmt in einer Stimmung, die wohl nur als ´kurz vor der Explosion´ beschrieben werden kann.
 
"Was zum Teufel ist das?" fragt er und wedelt wütend mit einem Blatt.
 
"Unser Mitteilungsblatt", antworte ich wenig überrascht.
 
"Das weiß ich! Aber das sieht völlig anders aus als das, was sie mir gestern gezeigt haben!"
 
"Nein, ich mußte nur den technischen Fachjargon, den sie gelesen haben, so übersetzen, daß die Nutzer ihn auch verstehen."
 
"Aber das ist ein verdammter Alptraum!" schreit er. "Die Nutzer sind völlig verwirrt!"
 
"Nun, ich muß zugeben, daß sich durch die Vereinfachung des Textes die eine oder andere technische Ungenauigkeit eingeschlichen haben könnte, aber die wesentlichen Informationen sind noch da."
 
"TECHNISCHE UNGENAUIGKEITEN?! Sie schreiben, daß die Tonerkassetten relativ leicht mit Tinte aufgefüllt werden können."
 
"Nun, ich dachte, sie würden sonst nie begreifen, was Toner ist. Und daß es wirklich recht simpel ist, ein Loch in die Kassette zu bohren und den Toner zu ersetzen - solange die Druckwalze und die Sicherung nicht beschädigt werden - anders macht man es beim Toner-Hersteller ja auch nicht."
 
"Ja, nun, wegen dieses Artikels haben wir jetzt einen Drucker in der Werkstatt, der nur noch zum Ausschlachten taugt."
 
"Aber das ist doch kein besonders schwieriges Problem, oder?" wirft der PJ ein. "Immerhin liegt die vorhergesagte Nutzungsdauer ohnehin nur bei knapp 3 Jahren."
 
"Darum geht es doch gar nicht. Wie auch immer, das war ja nicht der einzige problematische Artikel - wieso haben sie den Nutzern gesagt, sie sollten ihre Rechner auswaschen, wenn das Netzwerk träge reagiert?"
 
"Was?! Oh, sie meinen den Vergleich einer Netzwerkverbindung mit dem Wasserschlauch einer Waschmaschine. Nun, ein größerer Schlauch läßt auch mehr durch, oder?"
 
"Ja, aber sie haben geschrieben, die Nutzer sollen ihre Maschinen auswaschen!"
 
"Nein, ich habe nur geschrieben, daß man als Eigentümer ja möglichst viel Wasser in der Maschine haben möchte, aber ich meinte damit doch den Datentransfer."
 
"Und wieso haben sie empfohlen einen Feuerwehrschlauch an die Maschine anzuschließen?"
 
"Eine Analogie - großer Feuerwehrschlauch, viele Daten. Es würde doch niemand ernsthaft daran denken, einen Feuerwehrschlauch ..."
 
"Der Wachdienst braucht eine ganze Ladung neuer Rechner ..."
 
"Oh. Aber das ist doch nicht mein Fehler. Selbst sie müssen zugeben, daß sie nicht gedacht haben, daß die Leute so einfältig sind ..."
 
"Ja, aber wie ist es mit etwas anderem, daß NICHT so einfältig ist? Wieso haben sie empfohlen ´Infector´ auf den Rechnern zu installieren?"
 
"Infector? Nein, ich habe empfohlen, das Programm ´Detektor´ zu installieren. Ich würde niemals Infector installieren - das ist doch ein Testpacket für die Qualität von Antiviren-Programmen, das all ihre Dateien zerstört ..."
 
"Würden sie sich darum kümmern, die Festplatte der Sekretärin des Geschäftsführers wiederherzustellen?"
 
"Ich werde den PJ damit beauftragen!" sage ich, als der Chef davonbraust.
 
"Also wird es wohl kein weiteres Mitteilungsblatt geben?" fragt der PJ.
 
"Das ist wirklich sehr unwahrscheinlich." gluckse ich.
 
"Verdammt! Dabei hatte ich noch die Idee, daß alle Nutzer ihren Festplattenplatz als einen verteilten Massenspeicher betrachten sollen."
 
"Das klingt viel zu technisch; ändern sie es in ´lassen sie nach der Arbeit ihren Rechner eingeschaltet und im Netzwerk angemeldet, wenn sie nach Hause gehen´. Oh, und es ist niemals zu spät für einen kleinen Nachtrag ..."
 
"Also werde ich mich darum kümmern!"
 
Ein guter Junge - immer gewillt, sich unsere Nutzer aufzuopfern.


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 24.02.1999, Übersetzung: thomas w., 2000.