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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Das Duo des Schreckens entwickelt einen individuellen Plan zur Gesundheitsvorsorge. Einen, der es erlaubt, tagelang der Arbeit fernzubleiben, um Pubs oder Sehenswürdigkeiten zu besuchen ...

In den Tiefen ihrer kalten Herzen haben die Firmenmanager beschlossen, daß wir Angestellten unter angemessener finanzieller Selbstbeteiligung (auf einem hohen Niveau, versteht sich) würdig sind, Mitglieder der firmeneigenen Krankenversicherung zu werden.
 
Verdammt. Ich hätte nach all meinen Mühen ein Sonderangebot dafür verdient. Gäbe es mich nämlich nicht, so bräuchte die Firma gar KEINE eigene Krankheitsvorsorge - zumindest keine mit so hohen Beiträgen zur Absicherung von Arbeitsunfällen ...
 
"Aber das ist doch verdammt billig!" behauptet der PJ. "Und bei Arbeitsunfällen wird der komplette Aufenthalt in einem privaten Krankenhaus bezahlt."
 
"Wo man ihnen zweifellos Chilli-Einläufe verpassen wird, bis sie selbst darum bitten, entlassen zu werden." antworte ich, der ich nur zu gut weiß, wie gut ´gute Geschäfte´ wirklich sind.
 
"Nein, sie haben auch ein paar Bilder", ruft er und wedelt selbstvergessen mit ein paar Hochglanzbroschüren. "Sehen sie sich das an!"
 
Ich muß zugeben, daß die Bilder beeindruckend aussehen. Sie zeigen große stattliche Krankenzimmer, Bataillone hübsch aussehender Krankenschwestern und prächtig gedeckte Tische mit dem Abendessen, doch ich habe schon zu viele Hochglanzbroschüren für Computersysteme gesehen, als daß ich der Werbung noch glauben könnte.
 
"Das ist doch nur der übliche Werbemüll", erinnere ich den PJ. "Nichts davon ist wahr."
 
"Es könnte aber sein", murmelt er eingeschnappt.
 
"Es ist eine der Grundregeln bei der Arbeit in unserer Branche, daß man niemals Broschüren glauben kann, wenn man die Ware noch nicht selbst gesehen hat!" weise ich ihn zurecht.
 
"Aber wie können wir herausfinden, wie es wirklich ist, wenn wir uns nicht beteiligen?"
 
"Beteiligen?" ruft der Chef und stürmt in unser Büro. "Sie meinen die Gesundheitsvorsorge? Da bin ich schon seit Jahren Mitglied."
 
"Und - wie sind die Krankenhäuser? Haben sie schon eins gesehen?"
 
"Nein." antwortet der Chef und beugt sich hinunter, um den neuen 19 Zoll-Flachbildmonitor hochzuheben, der für ihn bestimmt ist. "Aber wenn es einmal sein muß, werden sie die erst ..."
 
Er hat sich noch nicht wieder ganz aufgerichtet, als ich die aufgeblasene Papiertüte knallend zerplatzen lasse, die ich der Hand hielt. Erschreckt reagiert der Chef etwas schneller als gewohnt. "Autsch!" ruft er, läßt den Monitor fallen und hält sich den Magen fest.
 
Ups.
 
Natürlich nehmen der PJ und ich uns die Zeit, um uns zu versichern, daß die Genesung des Chefs von seinem Leistenbruch voranschreitet. Und um ein wenig einzukaufen. Gut, und um ein paar Bierchen zu trinken. Und um eine Stadtrundfahrt mit dem Bus zu machen - aber danach steuerten wir zielstrebig das Krankenhaus an.
 
Dort stellen wir fest, da meine Befürchtungen grundlos waren - das Gebäude ist in einem tadellosen Zustand, ihre Überwachungstechnik läßt unsere blaß aussehen.
 
Wir machen ihrem Administrator ein paar Komplimente, damit er uns schnell ein wenig herumführt, und zeigen starkes Interesse an ihrem ZUPÜS (Zentralisiertes Umfassendes Patienten-Überwachungs-System).
 
"Grundsätzlich", erklärt der Administrator uns, als wir das Zimmer des Chefs verlassen, "Grundsätzlich erlaubt das System die Überwachung aller Patienten aus der Rechenzentrale heraus, von wo dann bei Bedarf Ärzte oder Schwestern alarmiert werden können, die vor Ort sind."
 
"Aha", antworte ich. "Und was passiert, wenn die Ärzte mit den Krankenschwestern irgendwo sind und Arzt und Krankenschwester spielen?"
 
Einen tadelnden Blick später fährt er fort. "Die Software ist jederzeit darüber informiert, wo sich unser Personal aufhält. Ich kann ihnen wirklich versichern, daß ihr Chef bei uns in den besten Händen ist und Unfälle ausgeschlossen sind."
 
Arschloch. Wir hoffen nämlich auf einen (oder fünf) Rückfälle, damit wir mehr Arbeitszeit verbraten können, um, ähm, das Krankenhaus zu besuchen.
 
"Tausende Kabel aus dem gesamten Krankenhaus enden hier in der Überwachungszentrale." erklärt uns ein haariger Gnom. "Sie übermitteln alle Daten, die wir brauchen, und alle Patientendaten sind hier über den berührungsempfindlichen Monitor abrufbar."
 
"Wirklich?" sage ich und tippe auf das Kästchen mit dem Namen des Chefs.
 
"Wie sie sehen können, werden die Bilder zweier Kameras aus dem Zimmer ihres Chefs, der Nummer 22b, angezeigt. Zusätzlich sehen sie noch seine Werte für Temperatur, Herzschlag und Atmung. Und hier sehen sie seine Gehirnströme - all das wird durch das eine Kabel übertragen und hier angezeigt, was uns gewaltige Ausgaben für getrennte Überwachungstechnik erspart ... Oh, mein Gott!"
 
Der Monitor, der die Daten des Chefs zeigt, hat sich rot verfärbt und es blinkt das Wort ´HERZSTILLSTAND´ auf. In der Folge können wir beobachten, wie eine medizinisches Team auftaucht und dem Chef ein paar Stromschläge verpaßt.
 
"Nun", fügt der Gnom hinzu. "Wie sie sehen können, ist die Reaktionsgeschwindigkeit unseres medizinischen Personals hervorragend."
 
"Ja", bestätigt der PJ und legt einen Schraubenzieher auf den Tisch. "Aber irgendein Anschluß an diesem Rechner war falsch konfiguriert. Doch machen sie sich keine Gedanken, ich habe das Kabel unseres Chefs überprüft und wieder angeschlossen ..."
 
Die Stille ist, wie man so schön sagt, ohrenbetäubend. Der Gnom weiß nun, daß der Chef eine Behandlung bekommen hat, die gar nicht nötig war, und, sollte es eine Anfrage geben, das Krankenhaus - und sein Projekt - nicht gerade gut dastehen würden. Verzweifelt blickt er uns an.
 
"Ein Zehner sollte für ein paar Biere reichen." sage ich. "Pro Tag und Mann", fügt der PJ hinzu.


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 17.02.1999, Übersetzung: thomas w., 2000.