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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Nachdem der B.O.F.H. herausfindet, daß sein Lohnscheck zu niedrig ist, sind die Erbsenzähler nicht die einzigen, die zusammenzucken werden ...

Es ist Donnerstag ... Zahltag-Donnerstag. Ich liebe Zahltage. JEDER liebt Zahltage.
 
Tatsächlich ist es so, daß die Arbeit an Zahltagen viel leichter ist. Die Menschen sind freundlicher, es gibt weniger Beschwerden, Bank-Manager sind netter - ein normaler Mann könnte sich daran gewöhnen.
 
Ein Bastard dagegen könnte vergessen, was ihn ausmacht - dieser feine Sinn dafür, wer von den Nutzern zur Spreu und wer zum Weizen gehört. Der Feind heißt Zufriedenheit.
 
Trotzdem erinnert der braune Umschlag freilich daran, wofür wir dies alles tun. Fröhlich lächelnd fummle ich an dem selbstklebenden Siegel herum (der Kleber muß der gleiche sein, den sie dafür benutzen, Hitzeschutzkacheln am Space Shuttle zu befestigen), bevor ich die Haltung verliere und den Umschlag auf der anderen Seite öffne.
 
Ahhh! Der Geruch eine frischgedruckten Schecks ... Dieses Gefühl, als er aus seiner schützenden Umhüllung aus braunem Papier gleitet. Das überwältigende aber wieder vergehende Gefühl des guten Willens gegenüber allem, was mit Erbsenzählerei zu tun hat, als ich den Namen der Firma gleich neben der Summe von ... WAS ZUM TEUFEL!?
 
DIESE VERDAMMTEN ERBSENZÄHLERSCHWEINE HABEN MIR ZUWENIG GEZAHLT!
 
Ich schaue noch einmal hin, um sicherzugehen, daß ich mich nicht irre. "Die Erbsenzähler haben mir zuwenig bezahlt!" sage ich.
 
"Sie scherzen!?"
 
"Nein! Sehen sie, sie haben die Summe abgerundet!"
 
"Um wieviel?"
 
"27 Pence!"
 
"Heißt das, sie wollen wegen dieser lächerlichen Summe jemanden - möglicherweise dauerhaft - bestrafen?"
 
"Es geht nicht darum, daß es 27 Pence sind, es geht um das Prinzip. Sie BESTEHLEN mich! Das ist unerhört! Das ist der Gipfel der Unverschämtheit! Bevor wir es merken, werden sie wieder die Lifte benutzen, werden die Spesenabrechnungen ablehnen, beim Mittagessen mit ihnen über Geschäftspläne diskutieren und ..."
 
Etwa zehn Minuten später komme ich mit einer ziemlichen Beule und schmerzendem Rücken wieder zu mir.
 
"Entschuldigung", höre ich den PJ hinter der Tür des Rechnerraums sagen, wobei er auf einen unserer weniger gefährlichen Elektroschocker in seiner Hand deutet.
 
Er muß mir damit einen Stromschlag verpaßt haben, während ich unter dem Einfluß des Schocks über den Diebstahl stand. "Das ist in Ordnung", antworte ich ihm. "Eine den Umständen entsprechende Reaktion."
 
Ich will zu ihm in den Rechnerraum gehen, um ihm zu versichern, daß ich keinen Groll gegen ihn hege, doch meine Zugangsberechtigung ist gelöscht worden, so daß ich meine Karte vergeblich in den Leser stecke.
 
"Entschuldigen sie das bitte, aber sie wissen ja selber, wie sie sich fühlen." ruft der PJ durch das Sicherheitsglas.
 
"Aber natürlich!" antworte ich. "Mir geht es hervorragend." Dabei angle ich heimlich meine spezielle Karte aus der Tasche, die in der Datenbank als ´Feuer- und Zivilschutz-Karte´ steht, von der niemand weiß, daß sie exis ...
 
"Auch diese Karte ist gesperrt", murmelt der PJ entschuldigend.
 
Man muß ihm vergeben. Er ist noch aus dem guten alten Holz geschnitzt.
 
Ich ziehe mich zurück, um abzuwarten, ob er herauskommt, wenn er sich sicher fühlt, doch so dumm ist er nun auch wieder nicht.
 
Außergewöhnliche Zeiten erfordern außergewöhnliche Maßnahmen. Ich zünde meinen Abfallkorb an und ändere die Richtung der Klimaanlage im Büro so, daß sie Luft in den Rechnerraum bläst, statt sie dort abzusaugen.
 
Der Alarm, daß in zehn Sekunden das Feuerlöschgas in den Raum geblasen wird, geht los, und der PJ rast zum Notfallschalter, um das Ausströmen des Gases zu verhindern - natürlich nutzt er den echten, als Gegensprechanlage getarnten Schalter und nicht den Köder, den wir benutzen, um ´Kollegen´ zu erschrecken.
 
Jetzt habe ich ihn da, wo ich ihn haben will. Während die Rauchmelder noch immer Rauch wittern ist die Löschgasanlage noch immer aktiviert, nur hat der PJ die Gaszufuhr blockiert - bei einem Stand von 7 Sekunden bis zum Auslösen ...
 
Ich halte den Abfalleimer hoch und packe noch mehr Papier und ein Sicherungsband hinein (damit auch genug Rauch herauskommt), um dem PJ zu zeigen, daß ich es ernst meine.
 
Außer Hörweite kritzelt er schnell eine Botschaft an die Wand. "Sie könnten Recht haben, 27 Pence sind eine Beleidigung!"
 
Lächelnd schütte ich Kaffee in den Eimer, um die Flammen zu löschen und setze mich dann an meinen Schreibtisch. Der PJ kommt heraus, als er sicher ist, daß die Löschanlage deaktiviert wurde.
 
"Was werden wir unternehmen?" fragt er.
 
"Nun, ich glaube, wir müssen ein Exempel statuieren. Entschlossen, aber nicht zu brutal."
 
"Sie meinen Chilli-Soße in der Flasche mit den Augentropfen, Abführmittel im Trinkwasserspender oder Leim auf den Toilettensitzen?"
 
"Nun ..."
 
"Alles zusammen?"
 
"Schon besser ..."
 
"Wir leiten ihre Daten durch das 3-phasige Strom-´Netzwerk´?"
 
"Schon geplant ..."
 
"Wir füllen wasserfeste Farbe in den Tank der Sprinkleranlage und aktivieren die Anlage auf ihrer Etage?"
 
"Ja ... das kommt noch hinzu ..."
 
Und so kommt es, daß der PJ eine halbe Stunde später auf einer Leiter steht und purpurrote Farbe in den Wassertank füllt, als ... BDZZZT!!
 
Zu seiner Verteidigung muß erwähnt werden, daß der PJ keinen Laut von sich gab, als ihn der Elektroschocker traf. Von dem Geräusch des Sturzes in den Wassertank einmal abgesehen.
 
Nachdem ich ihn herausgefischt habe, deaktiviere ich seine Karte, schalte das Feuerlöschsystem bei uns ab und sperre auch seine Karte, die in der Datenbank als ´Installations-Karte´ geführt wird.
 
Was sein muß, muß sein ...


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 21.01.1999, Übersetzung: thomas w., 2000.