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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Durch den Jahresanfang großmütig gestimmt, begibt sich der B.O.F.H. auf eine Tour des guten Willens und verteilt Geschenke, die ganz bestimmt nicht aus einer Weinlese stammen, und kümmert sich schließlich um, ähm, laute Ventilatoren ...

Es ist ruhig - verdammt ruhig. Manche würden sagen, es ist zu ruhig. Nicht aber ich.
 
Es ist diese Art von Ruhe, die man erreicht, wenn man ein Stück Eisen oder ein kurzes Kupferkabel benutzt, um die Sicherungen kurzzuschließen, einen Nagel für die Sicherung auf dem Flur und eine Schraube für die Hauptsicherung ... und dann läßt man einen Schraubenzieher durch einen Schlitz in den Lüfter des Netzteils des Hauptrechners fallen.
 
Vorsichtig tappe ich durch den Rechnerraum, der von der Notbeleuchtung dürftig erhellt wird, zu meinem Büro, wobei ich einen kurzen Umweg mache, um schnell eine Sicherung auszuwechseln und einen arg zugerichteten Schraubenzieher im Abfalleimer zu plazieren.
 
Ich liebe es, das neue Jahr mit einem Krachen zu beginnen - oder, um es zu präzisieren, mit einer ganzen Serie aus lautem Summen, ein oder zwei Explosionen und einem gedämpften BUMMM! aus dem Kellergeschoß.
 
Es ist immer gut, die vielen Ahnungslosen wissen zu lassen, wer am Ruder des Schiffes steht.
 
Der PJ ist in der Zwischenzeit im Urlaub, um ausgiebig seinen Weihnachtsbonus zu feiern - schließlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis der Chef herausfindet, daß es schon wieder ein Duplikat seiner Kreditkarte gibt und er das Kreditkartenunternehmen anrufen wird.
 
Ich habe dafür gesorgt, daß der PJ sich richtig erholen kann, indem ich die letzte Monatsabrechnung der Kreditkarte im Briefumschlag dem Aktenvernichter anvertraut habe. Offenbar nahm der Chef an, daß es sicherer ist, wenn er sich seine Privatpost ins Büro schicken läßt ... Ein Irrtum, den er teuer bezahlen muß.
 
Wo ich gerade vom Chef spreche - es wird Zeit, die Weihnachtsgeschenke, die unsere Lieferanten ihm geschickt haben, die ich abfangen konnte, in bester Robin-Hood-Manier unter den IT-Leuten zu verteilen.
 
"Was? Ist das alles?" fragt ein besonders undankbarer Vertragsprogrammierer (der seinen Hintern ohne Kerze, Spiegel und eine Karte im Maßstab 1:1 kaum selbst finden kann), nachdem ich ihm eine Flasche voll Rotwein geschenkt habe, der wohl besser zum Desinfektionsmittel als zum Trinken taugt.
 
"Bitte?"
 
"Das ist doch ein wenig, ähm, billig, oder?" schnieft er.
 
Das muß man sich nun anhören, wenn der PJ nicht mit seinem Tacker bewaffnet die Flure unsicher macht.
 
"Entschuldige, Mike, aber das ist hier nicht wie daheim, wo du dir dein Weihnachtsgeschenk selbst aussuchen kann." rufe ich.
 
Er verstummt und akzeptiert widerwillig die Flasche. Offenbar weiß er nicht, wie gut ich mich an den Betriebsausflug erinnere, nach dem er mich an der von meinem Ziel am weitesten entfernten U-Bahn-Station absetzte ... Drei Minuten NACHDEM der letzte Zug abgefahren war.
 
Da er niemandem zu trauen scheint, versteckt er die Flasche in einem Fach seines Schreibtisches, was mir die Gelegenheit gibt, ein großes Stück Schaumstoff auf den Lüfteröffnungen seines PCs zu plazieren.
 
Nachdem ich die Hitze-Zeitbombe losgeworden bin, marschiere ich davon, um weitere Geschenke aus Anlaß des neuen Jahres zu verteilen.
 
Keinen Moment zu früh, denn der Strom ist wieder da und das Gebäude erwacht wieder aus seinem erzwungenen Schlaf.
 
Als mir Schaumstoff und billige Weinflaschen ausgegangen sind, greife ich mir die guten Sachen und mache meine WIRKLICHE Runde des guten Willens, verteile Geschenke an die Leute in der Vermittlung, das Reinigungspersonal und schließlich an den Hausmeister. Ich weiß eben, welche Pflanzen man gießen muß - und auch wann.
 
Nachdem ich sicher bin, daß niemand sich um meine Ferngespräche kümmern, niemand die zerstückelte Kreditkartenabrechnung des Chefs finden und niemand sich fragen wird, was sich hinter der mit einem feuersicheren Schloß gesicherten Tür mit der Aufschrift ´Zucht-Raum Nr. 3´ verbirgt, kehre ich mein Büro zurück.
 
Wie das Schicksal es will, ist der Chef schon da und wartet auf mich mit einem verärgerten Gesichtsausdruck. Es ist allerdings nur der Ausdruck ´allgemeiner Verärgerung´, also hat er wohl noch nichts über seine Kreditkarte herausgefunden, was bedeutet, daß ich das Kreditkartenunternehmen später anrufen werde, um das Limit heraufsetzen zu lassen, bis es eine Höhe solche erreicht hat, daß er schon weiche Knie bekommen wird, wenn er auch nur daran denkt.
 
"Was bezwecken sie eigentlich damit, die Lüftung von Mikes Rechner zu blockieren?" fragt er.
 
Bastard!
 
"Oh, das ... das ist kein Schwamm, sondern ... ähm ... Material, das die Geräusche dämpft."
 
"?..."
 
"Geräuschdämpfung - das Material hat eine Struktur, die Luft ungehindert durchläßt, aber die Geräusche um bis zu 10 Dezibel je Megaliter europäischer Standardluft dämpft."
 
"Ähm, wirklich? Das soll also nur die Geräuschentwicklung bekämpfen?"
 
"Natürlich!"
 
"Warten sie mal!"
 
Ich glaube schon, es war zu schön, um wahr zu sein ...
 
"Ja?"
 
"Warum haben sie das nicht auch bei meinem PC installiert?"
 
Ich kann es kaum fassen ...
 
"Oh, ich war gerade auf dem Weg zu ihnen - ihr Dämmstoff ist in der alten Monitorkiste dort drüben."
 
Er beschnüffelt die erwähnte Kiste, bevor er etwas Verpackungsmaterial herausholt.
 
"Das? Das ist doch nur Verpackungsmaterial."
 
"Nein, das ist geräuschdämmendes, die Luft säuberndes Filtermaterial."
 
"Und warum steht dann ´Achten sie darauf, diese Verpackung wiederzuverwerten´ auf der einen Seite?"
 
"Weil ... es war mit altem Zeitungspapier verpackt, das man nicht überdrucken konnte."
 
"Oh ... Und wie wende ich es an?"
 
"Nun, sorgen sie dafür, es möglichst fest gegen den Lüfterausgang zu drücken, so daß keine, ähm, ´ungefilterte´ Luft mehr durchkommt."
 
"Richtig. Gut, dann werde ich Mike einmal aufklären", verkündet er fröhlich, als er davonmarschiert, um seinen PC zu zerstören.
 
"Nein, nein!" rufe ich. "Überlassen sie das mir - ich werde es ihm erklären."
 
Und ich werde es ihm wirklich erklären.


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 14.01.1999, Übersetzung: thomas w., 2000.