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| bastard operator from hell | ||
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Eine Weihnachtsgeschichte ...
Er war tot. Eindeutig. "Diesmal sind sie zu weit gegangen." sagte der PJ atemlos. "Nun, ich scheine tatsächlich die Spannung unterschätzt zu haben, die am elektrischen Türgriff anliegt." Es ist Heiligabend und unser weihnachtlicher Scherz ist wohl ein wenig danebengegangen. Wirklich, der alte Ebenezer Bastard hat den alten Scherz mit dem unter Strom gesetzten Türgriff bestimmt schon dutzendmal aufgeführt und bisher war es auch immer ganz lustig. Andererseits war das nicht der erste Manager, der daran gestorben ist, und er würde bestimmt auch nicht der letzte sein. Ebenezer war an diesem Abend etwas länger als gewöhnlich im Pub geblieben - solche Vorfälle können ihn schon ein wenig schockieren und so brauchte er wohl ein paar Biere mehr, um seine Nerven zu beruhigen. Natürlich, die Tatsache, daß ein jüngerer Erbsenzähler sich ´verpflichtet´ sah, alle Biere an diesem Abend zu bezahlen, hatte gewiß auch einen nicht zu unterschätzenden Einfluß - und das nur, weil Ebenezer etwas über ein Video einer Büroparty erzählt hatte. Sehr unscharf, aber doch sehr effektiv. Wie auch immer, die Biere mußten ihm mächtig zugesetzt haben, denn als er vor seiner Tür stand, hätte er schwören können, das Gesicht seines Chefs auf dem Türgriff zu sehen (bevor es die Brandflecken entstellten, natürlich). Da er diesen Effekt auf die Wirkung der zehn zusätzlichen Gedächtnislöscher zurückführte, ignorierte er ihn und ging nach oben. Aber irgendwie fand er in dieser Nacht keine Ruhe. Tatsächlich war es schon Ewigkeiten her, daß er sich an Weihnachten gefreut hatte. Er haßte all die falsche Großzügigkeit, das nette Geplauder mit Leuten mit denen er nichts gemeinsam hatte; er haßte die Art und Weise, wie die Leute ihr Geld für ihre Kinder ausgaben, das doch viel besser auf dem Konto der Bastard-Urlaubs-Kasse aufgehoben wäre. Und was noch schlimmer war, einige seiner Kollegen erwarteten von ihm, daß er ihnen Getränke spendierte. Auch der junge Cratchit, sein PJ, war von der Stimmung angesteckt worden und verbrachte seinen Tag damit, wehmütig an Denise, eine Sekretärin, zu denken und von ein paar schnellen Schmatzern unter dem Mistelzweig zu träumen. Der arme Trottel lud Ebenezer sogar ein, mit ihm ein paar Biere zu trinken - natürlich würde er dafür bezahlen. "Ach, Humbug." sagte Ebenezer laut zu sich selbst, als er die Tütensuppe aufwärmte, die an diesem Tag die einzige richtige Mahlzeit für ihn sein sollte. Als er in diesem spärlich eingerichteten und ungeheizten Zimmer, das er sein Heim nannte, zu Bett gehen wollte, sah er etwas in der Ecke: diesmal konnte es sich nicht um einen Irrtum handeln. Es war definitiv der Schatten seines vormaligen Chefs. Und da war noch dieser furchtbare Lärm, der Ebenezer voller Angst zusammenschrumpfen ließ. "Ebenezer Bastard!" rief eine Stimme, die zwar deutlich als die des Chefs erkennbar war, der aber auch ein gewisser Hauch des Totenreichs anhaftete. "Ebenezer Bastard!" wiederholte die Stimme. "Ich wurde verurteilt, an einem furchtbaren Ort zu leben, wo unheimlich gemeine Männer ihre Tage verbringen." Ebenezer hauchte ein Zeichen des Verstehens. "Also sind sie nicht tot. Sie arbeiten jetzt nur für Microsoft. Ich frage mich ..." "Schweig!" donnerte die Erscheinung und das Klappern wurde lauter. "Ich spreche von einem Platz, der dir zur Strafe für deine Taten bis in alle Ewigkeit Qualen bereiten wird." "Was meinst du damit, Geist?" stammelte Ebenezer, der erwartet hatte, daß die Wirkung der zehn zusätzlichen Biere irgendwann nachlassen würde. "In dieser Nacht wirst du von drei Geistern besucht werden: vom Geist der Nutzerbetreuung der Vergangenheit, vom Geist der Nutzerbetreuung der Gegenwart und vom Geist der Nutzerbetreuung der Zukunft. Höre auf sie und bereue deine Taten." "Geist", fragte Ebenezer. "Woher kommt dieses Klappern, das ich höre?" "Du meinst das hier!" sagte der Schatten und schüttelte etwas, das wie ein langer Schwanz aussah. Ebenezer Bastard spähte in die Dunkelheit. Verschwommen nahm er eine Kette wahr, an der alle Arten von Geräten befestigt waren, die sein Leben einfacher gemacht hatten: da war der Gummihammer, ein hervorragendes Gerät zur ´Neukonfiguration´, da war der Amboß, auf dem er so gern neue PCs ´testete´, und es war da eine Anzahl elektrischer Tacker; ja es war tatsächlich jedes Gerät vorhanden, das es auf der Erde gibt und welches das Leben leichter macht. "Ich sehe, du kennst einiges davon." sagte die Erscheinung mit einer Grimasse. "Ich habe das alles benutzt, als ich ein junger Bastard war. Jetzt haben meine Untaten mich eingeholt und ich muß meine Ausrüstung bis in die Ewigkeit mit mir herumtragen. Doch sei gewarnt, diese Kette ist lang, und sie ist wirklich schwer. Aber die Kette, die auf dich wartet, ist schon doppelt so lang und dreimal so schwer." Nachdrücklich schüttelte er die Kette, bis alle Geräte auf und nieder hüpften, der gesamte Raum schien zu beben. "Ich muß mich jetzt verabschieden, aber erinnere dich daran, drei Geister ..." Und mit einem leisen Stöhnen verschwand er. Ebenezers Mut kehrte wieder zurück. "Bah, Humbug! Geister! Das Bier war wirklich stärker als ich dachte." Und mit diesen Gedanken fiel er ins Bett und schlief in seiner Kleidung ein. Es war kurz nach Mitternacht, als er erwachte und in die Dunkelheit starrte. Es schien, als schwebte ein kleines Kind über dem Fußende des Bettes. Plötzlich kam der Mond hinter den Wolken hervor und Ebenezer konnte erkennen, daß es sich nicht um ein Kind handelte, sondern um einen alten Mann, dessen Umrisse denen eines Kindes glichen. Die Kleidung, die wie eine weiße Tunika wirkte, entpuppte sich als seine Augen sich an die Dunkelheit gewöhnt hatten als ein altes Werbe-T-Shirt, auf dessen Vorderseite ein CP/M-Logo prangte. Die Füße und die Beine der Erscheinung waren nackt, doch als Gürtel trug der Geist ein Ethernet-Kabel. "Bist du der Geist der Nutzerbetreuung der Vergangenheit?" fragte Ebenezer. "Bin ich", antwortete der Geist. "Welche Vergangenheit?" "Deine Vergangenheit." Der Geist bewegte die Hände und plötzlich lösten sie die Wände des Zimmers auf. Ebenezer und der Geist fanden sich in einem vollen Büro wieder, in dem eine Weihnachtsfeier in vollem Gange war. Die Stimmung war hervorragend, Leute aus der Verkaufsabteilung versuchten, Sekretärinnen unter Mistelzweigen anzubaggern, der Chef der Erbsenzähler war in die Ecke gestellt worden und der Marketing-Chef erzählte dem aus der Personal-Abteilung, wie seine vorletzte Kampagne gelaufen ist. Die Luft war angefüllt mit dem Lachen der Leute, Gesprächsfetzen schwirrten durch den Raum, Geschnatter, das Geräusch zerbrechenden Glases und ein mitreißender Rhythmus aus den Lautsprechern: kurz und gut - eine typische Büroparty. "Sieht lustig aus, nicht", sagte der Geist. "Aber fehlt da nicht eine Person?" "Stimmt." antwortete Ebenezer. Tief in den Eingeweiden des Hauses saß eine einsame Person noch immer vor ihrem Computer. Methodisch durchsuchte sie die Einträge der Personaldatenbank (das Passwort war schon lange bekannt). Der junge Ebenezer sorgte dafür, daß er seine Überstundenzeit nicht umsonst hier verbrachte. "Hat man dich nicht zu der Party eingeladen?" fragte der Geist. "Nein", erwiderte Ebenezer. "Nicht seit dem Jahr, in dem plötzlich der Feueralarm losging und die Sprinkleranlage auslöste. Und natürlich waren auch alle alkoholischen Getränke spurlos verschwunden. Aus unerfindlichen Gründen nahmen sie an, ich sei für den Alarm verantwortlich, weil man mich ein paar Tage vorher mit dem Handbuch der Alarmanlage gesehen hatte. Armselige Intriganten, denn schließlich habe ich es doch nur für sie getan." Plötzlich verschwand die Vision und Ebenezer fand sich in seiner Wohnung wieder, noch immer beeindruckt von dem, was er gesehen hatte. Er hörte ein Geräusch aus einem anderen Raum und starrte um die Ecke. Der Raum war erfüllt von Licht. Umringt von PCs saß ein belustigter Gentleman. Sein riesiger Bauch schien die eine Hälfte des Raumes auszufüllen und sein Bart - es sah so aus, als gäbe es mehr Bart als Gesicht - die andere Hälfte. "Bist du der Geist der heutigen Nutzerbetreuung?" fragte Ebenezer. Der Geist lachte zustimmend. "Nimm meine Hand", sagte er. "Und lasse uns zuschauen, wie der Rest der Welt Weihnachten verbringt." Plötzlich schwebten sie durch die Stadt. Wieder und wieder zogen Computerräume vorbei, in denen Gruppen von Arbeitern sich fleißig damit abmühten, Probleme genau dann zu lösen, wenn sie auftauchten, wobei sie zufrieden lächelten und die Weihnachtslieder, die aus den Brüllwürfeln in den Zimmerecken erklangen, mitsummten. Bei Megabank gab es ein besonders vertracktes Problem. "Das ist leicht zu lösen", dachte Ebenezer. "Einfach den Hauptschalter betätigen und sagen, daß es einen Netzwerkausfall gibt, der nicht in den nächsten Tagen zu beheben sein wird, weil Weihnachten ist ... und trotzdem bekommt man den Weihnachtsbonus." Doch trotzdem konnte er mit geöffnetem Mund zuschauen, wie sein Berufskollege das Passwort eintippte und sich systematisch mit dem Finden des Fehlers beschäftigte. "Die Traditionen verfallen immer mehr", dachte er sich. Doch plötzlich änderte sich die Szenerie, sie landeten in einem Pub, wo der PJ gerade eine Runde Bier bestellte. "Auf das Weihnachtsfest", sagte er zu Denise, wobei er freundlich sein Glas erhob. "Und auf uns", kicherte sie. "Und die Freunde, die nicht hier sind", sagte der PJ. "Das ist für den alten Ebenezer." "Was, dieser alte Kauz", sagte Denise. "Ich kenne niemanden, der die Welt und die Menschen so sehr haßt wie er. Ich wünschte, er würde die Firma verlassen, aber warum werden sie ihn nicht los? Traut sich denn niemand?" "Nun, er weiß zuviel über die Menschen in der Firma. Zum Beispiel glaube ich nicht, daß der Vorstandsvorsitzende möchte, daß alle Details seiner Reise nach Amsterdam ans Licht kommen. Aber wo ist denn deine weihnachtliche Großzügigkeit?" Widerwillig erhob sie das Glas zum Toast, und die Unterhaltung widmete sich wieder Themen, die für junge Leute interessant sind. In der Entfernung sah Ebenezer eine verschrumpelte Figur auftauchen. Aus den Tiefen ihres Mantels kam ein Finger hervor, der auf Ebenezer zeigte und ihn heranwinkte. "Bist du der angekündigte Geist der Nutzerbetreuung der Zukunft?" fragte Ebenezer. Der Geist nickte und signalisierte Ebenezer, ihm zu folgen. Sie flogen durch die Dunkelheit, bis sie sich schließlich im Büro eines Bestattungsunternehmens wiederfanden. Zwei Mitarbeiter waren damit beschäftigt, die letzten Vorbereitungen an einem Sarg zu treffen. "Gut, daß wir ihn los sind", sagte der eine in einem seltsam offenen Verstoß gegen die Heiligkeit seines Gewerbes. "Ich dachte, der kratzt niemals ab." bestätigte der andere, dem seine Berufsehre offenbar ebenfalls wenig wertvoll war. "Wann ist die Beerdigung?" "Das ist unwichtig. Ich glaube, das wird ohnehin niemanden interessieren. Bestimmt werden sie ihn einfach in die Erde hinablassen und dann wieder verschwinden." Beide lachten hysterisch. "Über wen sprechen die beiden?" fragte Ebenezer. Der Geist bewegte seinen Finger und plötzlich öffnete sich der Sargdeckel. Bestürzt erblickte der alte Misanthrop sein eigenes Gesicht. Er saß aufrecht auf seinem Bett und sah die ersten Anzeichen des kommenden Tages durch die Vorhänge schimmern. Es war alles ein Traum gewesen. Und dennoch hatten ihn die Vorgänge der Nacht beeindruckt. Irgendwie spürte er ein seltsames Gefühl sich in sich ausbreiten. Er zog seine Schuhe an und raste zu Cratchit, seinem PJ. Laut trommelte er an dessen Tür und forderte Einlaß. Ein PJ mit verschwommenen Augen ließ ihn ein. "Wasispassiert?" "Ich hatte gerade eine beeindruckende Erleuchtung!" "Sagen sie jetzt nicht", gluckste der PJ. "Sagen sie nicht, daß sie die drei Geister gesehen haben, wie der Kauz aus dem Buch, und nun ein besserer Mensch werden wollen." "Wer denkt denn daran. Langfristig betrachtet sterben wir sowieso, da können wir vorher noch etwas Spaß haben. Nein, ich habe das Administrator-Passwort für das Megabank-System erfahren. Lassen sie uns denen zeigen, was ein echter Bastard zu tun und zu lassen hat ..." |
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© Simon Travaglia, 24.12.1998, Übersetzung: thomas w., 2000. |
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