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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Jemand hat unter den Augen des B.O.F.H. Technik gestohlen. War es der Chef? Die Erbsenzähler? Nein. Ein neuer Bastard ist in der Stadt ...

Ich bin verwirrt. Der Chef macht mich verantwortlich für verschwundene Technik, was eigentlich nicht schlimm ist, doch diesmal habe ich keine Ausrede parat. Der einfache Grund dafür ist, daß ich diesmal wirklich unschuldig bin. Und diesmal ist wirklich wertvolle Technik verschwunden.
 
Selbstverständlich ist es ein ungeschriebenes Gesetz, daß ein gewisser Anteil der Technik seinen Weg zur B.O.F.H. GmbH findet, doch das fällt mengenmäßig kaum ins Gewicht - und wertmäßig landet das unter ´besondere Auslagen´ in den Abrechnungen der Erbsenzähler. Und kaum etwas von diesen ´besonderen Auslagen´ landet wirklich in meiner Geldbörse, da damit meistens ein Urlaub in Acapulco oder in anderen schönen Städten dieser Welt bezahlt wird.
 
"Das ist mysteriös", sage ich zum PJ, als wir aus dem Heiligtum des Chefs entkommen sind, wobei dessen laute Schmähungen noch in unseren Ohren klingen. "Es ist sehr seltsam, daß derjenige, der das getan hat, all unsere sorgfältig präparierten Fallen umgehen konnte (eine elektrische Türklinke und eine strategisch günstig plazierte Axt) und es geschafft hat, unsere neuesten Geräte wegzuschaffen. Er hat sich nicht mal von dem ´Defekt´-Aufkleber täuschen lassen."
 
Nun gibt es drei Möglichkeiten: wir wurden das Opfer eines Einbrechers, der genau wußte, was er wollte; der Chef ist dahintergekommen, wie wertvoll unsere ´defekte´ Technik ist; oder wir haben es mit einem bisher unerkannten Bastard zu tun.
 
Die erste Möglichkeit scheidet zweifellos aus. Keiner unserer Alarme ist losgegangen und einen Einbruch von außen hätte unser Farbfernseher (Entschuldigung, der hochauflösende Multimedia-Apparat.) gezeigt, den der PJ und ich benutzen, wenn das Netz ´gewartet´ wird oder gerade ein Fußballspiel ansteht. (Hm, es scheint da einen seltsamen Zusammenhang zwischen Netzausfällen und Fußballspielen zu geben.)
 
"Könnte es der Chef gewesen sein?" fragt der PJ. "Glauben sie, daß er seinen Ausbruch gespielt hat?"
 
"Unmöglich. Der Chef ist keine helle Leuchte, 20 Watt, wenn sie mich fragen. Ich glaube, er braucht eine genaue Anleitung, damit er den Weg zu seiner Wohnung findet."
 
"Und selbst dann verirrt er sich." sagt der PJ und erinnert an den Abend, als der Chef herunterkam, um mit den Leuten in den Pub zu gehen. Dort mußte er dann feststellen, daß der extra-starke polnische Schnaps in einem guten Bier nicht bemerkbar ist - und nach drei Gläsern war er dann in einem entsprechenden Zustand. "Aber es war ja nur eine Taxifahrt zum Preis von 30 Pfund, die ihn aus der Wildnis Ostlondons herausbrachte."
 
Und so bleibt uns, so unglaublich es auch klingt, nur noch die Möglichkeit, daß einer unserer Kollegen, für die technischer Sachverstand gleichbedeutend mit der Fähigkeit ist, die Schriftfarbe in der Textverarbeitung zu verändern, für das Verschwinden unserer Technik verantwortlich ist.
 
Aber wer kann es gewesen sein? Offensichtlich war es niemand aus der Werbeabteilung - sie haben kaum die Intelligenz, einen Türgriff richtig zu benutzen. Es war ganz sicher auch niemand aus der Verkaufsabteilung, denn die sind während der Öffnungszeiten der Pubs immer unauffindbar - und danach sind sie nicht mehr nüchtern genug. Die Erbsenzähler kommen mir in den Sinn - diese besonderen Auslaben gehen ihnen wirklich unter die Haut - doch andererseits hätten sie sicher einen subtileren Weg gewählt, um sich an uns zu rächen. Vom Reinigungsdienst kann es auch niemand gewesen sein ...
 
Da war doch etwas. Dieser neue Mann, der vor ein paar Wochen herumlief und Fragen stellte, ´um die Sicherheit zu prüfen´. Selbstverständlich habe ich ihm nicht die richtigen Antworten gegeben, doch wie konnte ich nur so naiv sein ...
 
Wenn ich darüber nachdenke, könnte es sein, daß dieser Mann im Vergleich zum Durchschnitt im Haus etwas herausragt - obwohl das freilich auch auf die Intelligenz eines ausgewachsenen Orang Utans zutrifft. Die Frage ist nun nur noch, wie wir unsere Gerätschaften zurückbekommen oder wenigstens einen angemessenen Anteil.
 
Auf der Suche nach einem Hinweis schaue ich mir die Protokolle der ausgehenden E-Mails an. Eine verdächtige Nachricht zieht meine Aufmerksamkeit an.
 
Und so wandere ich am nächsten Tag ein paar Etagen tiefer durch das Gebäude und habe das Glück, Kevin reden zu hören. Als die Worte ´Monitor´ und ´Tastatur´ fallen, weiß ich, daß er unser Mann ist. Es ist Zeit für einen Anruf.
 
Zurück im Büro schalte ich den Lautsprecher ein, um Kevins Telefonate mitzuhören. Eine tiefe fremdländisch klingende Stimme meldet sich: "Mister Kevin?"
 
"Ja. Wer spricht da?"
 
"Nennen sie mich einfach Stefan. Es geht um die Waren, die sie uns zum Verkauf geschickt haben."
 
"Ja, sind sie bei ihnen angekommen?"
 
"Ja, aber das ist das Problem. Mir wurde gesagt, daß etwas anderes geliefert wurde als sie uns angekündigt haben."
 
"Aber ... aber ..."
 
"Ich gehe davon aus, daß sie wissen, daß der letzte Mann, der uns betrügen wollte, heute Teil der Straßeninfrastruktur ist."
 
"Aber ... aber ..."
 
"Ich bin mir sicher, sie wollen Mißverständnisse ausräumen. Wenn sie uns also die Summe zurückschicken, die sie von uns bekommen haben und noch 500 Pfund für meine Bemühungen drauflegen, könnten wir unglückliche Unfälle vermeiden. Ich denke, sie hinterlegen das Geld am besten bis zur Mittagszeit hinter den Rohren der Klimaanlage, oder?"
 
Ich höre nur noch ein unterdrücktes ´Ja´.
 
Ich schalte die Lautsprecher ab. "Ihr Cousin ist wirklich gut." sage ich dem PJ. "Ich bin mir sicher, daß er eine große Karriere als Schauspieler vor sich hat."
 
"Stimmt." antwortet er. "Aber wir haben noch Zeit für eine Runde Doom, bevor wir unseren Gewinn, ähm, die besonderen Auslagen einkassieren."
 
Man braucht eben einen Bastard, um einen Bastard zu fangen.


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 09.12.1998, Übersetzung: thomas w., 2000.