![]() |
![]() |
![]() |
| bastard operator from hell | ||
|
|
Wenn man ein paar Ersatzteile braucht, muß man nur das geliebte Minesweeper-Spiel des Chefs versenken und die Ersatzteile dazu benutzen, ihn zu schockieren ...
Der Chef ist festgenagelt. Nachdem ich neue Software auf seinem brandneuen Laptop installiert hatte, habe ich einen ´Garantiesiegel - Keine Haftung, wenn das Siegel zerstört ist´-Aufkleber über die Vorderseite geklebt. Die Schweißtropfen auf seiner Stirn und seine zitternden Finger - als er versucht, mit seinen Händen an das Gerät zu kommen - sprechen eine deutliche Sprache über seinen Geisteszustand. Er ist offensichtlich süchtig nach Minesweeper, auch wenn ich die Version auf seinem alten Laptop durch eine Variante ersetzt hatte, bei der die Bombe gleich beim ersten Mausklick explodiert. Ich überlasse ihn seinem persönlichen Trauma. Und natürlich hält er dem Druck nicht stand und kommt 15 Minuten später in mein Büro. "Das verdammte Ding funktioniert nicht!" bellt er. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, wenn man bedenkt, daß der PJ und ich alle Teile bis auf die Tastatur, das Netzteil und das Display ausgebaut haben, um sie für unser neuestes großartiges Projekt zu nutzen - den IT-Reinemachroboter, der unendlich intelligenter ist als die Roboter, die nachts die Gänge reinigen. Ich habe sein Steuerprogramm selbst geschrieben, auch die automatische Bilderkennung und die Such- und Zerstör-Routinen - ich meine natürlich die Such- und Putz-Anweisungen. Ein echtes Kunstwerk. "Was ist passiert?" frage ich. "Nun, ich habe es geöffnet und ..." "Was, sie haben es geöffnet!" "Ja." "Und haben das Garantiesiegel zerstört?!" "Ich kann das Laptop ja nicht nutzen, ohne es zu öffnen, oder? Wenn es geschlossen ist, befindet sich die Tastatur doch innen." "Oh, jetzt verstehe ich. Und ich dachte schon, sie hätten eines dieser Garantiesiegel zerstört!" rufe ich mit gespielter Erleichterung darüber, daß uns die Ausgabe großer Summen erspart bleibt. "Ah, nun, da war ein Siegel, das ich zerstören mußte. Aber es klebte über dem Riegel zum Öffnen." "Sie wollen damit sagen, daß sie keinen Ingenieur geholt haben, um es einzurichten?!" stöhne ich. "Sie haben es eingerichtet!" "Nein, ich habe nur die Software über den passiven SCSI-Eingang transferiert. Sie brauchen einen Ingenieur, der die eingebauten Programme für sie persönlich einrichtet." (Dummy-Modus ein.) "Aber das ist ein normales Laptop, kein Großrechner", schnieft er. "Ja, aber der Ingenieur muß die Ländereinstellungen auf der Maschine vornehmen und das Gerät personalisieren. Sie wissen schon, Passwörter und so weiter ..." "Na gut. Nun, das könnten sie doch machen, oder?" "Sie machen Scherze, oder? Mit einem zerstörten Garantiesiegel kann man das Gerät nicht mehr anrühren." "Warum?" "Weil sie als Ländereinstellung zum Beispiel Peru oder etwas anderes aktiviert haben könnten. Und das wird alles in einem permanenten, unveränderlichen, doppelt redundanten, gerätespezifischen und statischen Speicher gesichert." (Dummy-Modus auf eine neue Stufe gehoben.) "Was bedeutet das?" "Das bedeutet, daß alle eingebauten Komponenten gespeichert haben, daß ihr Laptop in Peru, der Antarktis oder irgendwo sonst installiert wurde. Und wenn diese Angabe nicht mit den Daten des GPS-Systems übereinstimmt ..." "Mein Laptop hat einen GPS-Empfänger eingebaut!?" ruft er aufgeregt. "Ja, aber wenn die Daten nicht übereinstimmen, nun, dann ist das Laptop praktisch wertlos, weil der Prozessor, der Arbeitsspeicher, die Disketten- und CD-Laufwerke nicht funktionieren werden." Natürlich, selbst Ray Charles hätte gesehen, welchen Bären ich dem Chef aufbinde - doch es funktioniert, also ... "W ... w ... was soll ich denn nun machen?" murmelt er und malt sich aus, wie es wohl ist, wenn er einen ganzen Tag ohne sein Lieblingsspiel überleben muß. "Nun, wir könnten neue Einzelteile kaufen und sie einbauen. Dann könnte ich die Ingenieur-Einstellungen vornehmen. Aber die Garantie wäre dann natürlich verfallen." Schneller als ein geflüstertes ´Entscheidung einer Führungspersönlichkeit´ durch eine Telefonleitung kriechen kann, hat der Chef die Anschaffung der vorhin erwähnten Teile genehmigt. Ich baue all die alten Teile wieder in das Gerät ein - und sorge natürlich dafür, ein paar Kratzer auf dem Gehäuse und einige Schrauben zu hinterlassen, so daß es aussieht, als hätte wirklich ein Ingenieur daran gearbeitet. Dann erwecke ich das Gerät wieder zum Leben und gebe es dem Chef zurück. Und schon sind alle zufrieden. Der Chef hat seinen neuen Laptop, und unser IT-Roboter verfügt über brandneue Innereien. Ich starte den Roboter und überlasse dem PJ die Steuerkonsole mit dem Versprechen, daß er für jeden gefundenen Fehler ein Glas Bier bekommt, um für harte Testbedingungen zu sorgen. "Er läßt sich nicht nahe an Wände heransteuern", beschwert der PJ sich ohne aufzublicken. Hingabe ist offenbar sein zweiter Vorname - bei den Treffen der anonymen Alkoholiker. "Nein, das ist kein Fehler. Er ist so programmiert, daß zwischen dem Roboter und anderen Gegenständen immer mindestens ein Fuß Abstand ist, damit er Dingen nicht unbeabsichtigt zu nahe kommt." "Aha." sagt er. "Und was ist mit Objekten, die sich bewegen?" "Auch hier beträgt der Mindestabstand einen Fuß", antworte ich und vereitle damit seinen Plan, den Roboter mit voller Geschwindigkeit gegen eine Mauer rasen zu lassen oder sich selbst dem Roboter auf die gute alte Weise zu nähern und ´physisch´ zu behandeln. "Der Gedanke wäre mir niemals gekommen", antwortet der PJ eingeschnappt. "Ich habe mich nur gefragt, wie der Roboter sich in einer solchen Situation verhalten würde." sagt er und deutet auf den Überwachungsmonitor, der den Eingang zum Lift zeigt, den der Chef gerade mit seinem Laptop betritt. "Also haben sie tatsächlich nicht daran gedacht, eine Hysteriesicherung zu programmieren?" murmelt der PJ zufrieden (und betrunken), als wir später an diesem Abend im Pub sitzen. "Uh-huh", antworte ich. "Wo waren wir doch gleich stehengeblieben?" "Ah, ich glaube, es war der Punkt, als der Roboter einen Fuß Abstand zwischen die Liftwand und sich zu bringen versuchte und den Chef bemerkte - um dann Abstand zwischen sich und den Chef zu bringen - direkt über den Laptop hinweg auf die andere Wand zu ... und dann wieder zurück - zum elften Mal." Ah, meine Arbeit ist wirklich viel spannender als Minesweeper. |
|
![]() |
![]() |
![]() |
© Simon Travaglia, 25.11.1998, Übersetzung: thomas w., 2000. |
||