![]() |
![]() |
![]() |
| bastard operator from hell | ||
|
|
Ein alter Freund in Wales, der nicht über Kabel-TV verfügt, entpuppt sich als idealer Vorwand für die Anschaffung weiterer Leitungskapazitäten ...
Ich schicke ein paar Folgen einer außerirdischen TV-Serie durch das Netz nach Wales zu einem guten alten Bastardfreund (Ja, ein armer Bastard, aber ein Freund.), der sie noch nicht gesehen hat, sich aber die Videos nicht kaufen will. Als Folge der Ton- und Bildübertragung, die natürlich komprimiert erfolgt, ist die Geschwindigkeit unserer Verbindung zum Rest der Welt praktisch Null. Und es gibt KEINEN ANLASS, mit dem neuen Chef über eine größere Bandbreite zu diskutieren, da er sich zurückgezogen hat, um sich durch die Aufzeichnungen seiner Vorgänger zu wühlen (eingeschlossen derer, die in Krakelschrift behaupten: "SIE SIND HIER, UM MICH ZU KRIEGEN!"), und er mich darüber informieren ließ, daß es KEINE Chance für eine Erweiterung der Kapazität gibt. Wie auch immer, das löst nicht das Problem der merklich verzögerten Antwortzeiten bei unseren sonstigen Datenübertragungen, aber mit etwas Glück kann ich es lösen, indem ich das Video auf die von unserem Netzbetreiber bisher ungenutzte Vermittlungsstelle umleite, die nur durch einen Schalter ´außer Betrieb´ gesetzt wurde, sonst aber voll funktionstüchtig ist. Ich meine, das MUSS ich doch als EINLADUNG auffassen, da all ihre Konkurrenten keine ungenutzten Leitungen in unsere Haus gelegt hätten. Natürlich ist mir bewußt, daß unsere Firma früher oder später für diese Leitung zahlen muß, doch ich beruhige mein Gewissen, indem ich mir einmal die Höhe der Summe vorstelle. Doch schließlich dient ja alles einem guten Zweck! Ich nehme die Leitung in Betrieb und starte einen Test. Natürlich, der Router-Anschluß ist auch noch aktiviert! Also schicke ich das Video über diese Leitung und danke Gott für einen Provider, der mehr Anschlüsse und Geld hat als Geschäftssinn ... Es ist freilich nur eine Frage der Zeit, bis sie etwas merken, also sorge ich dafür, daß die Rufnummernanzeige bei Anrufen von draußen zuverlässig funktioniert. Und schon wenige Stunden später kommt der erwartete Anruf von der Kundenbetreuung unseres Providers. "Hallo, Belgisches Steak- und Waffel-Restaurant ... sie wollen reservieren?" sage ich und achte darauf, daß mein Akzent nach Osteuropa klingt. "Entschuldigung, falsche Nummer." murmelt der Anrufe und legt auf. Zwei Sekunden später ist er wieder dran. "Hallo, Belgisches Steak- und Waffel-Restaurant ... sie wollen reservieren?" Jetzt ist er verwirrt. Er prüft noch einmal die Nummer und fragt dann, ob wir Computer im Haus haben. "Isch deengke, tzie maihnen diiee Loide iim Oobergeeeschoß", sage ich. "Tsie haabenn fieele Gomputerr." Er fragt nach den Namen der Firma, dann nach ihrer Telefonnummer. "Oh, dass iist einee lanngee Geeeschischde", erkläre ich. "Ess gaabb einneen großeenn Unfahl im gantsen Hauss, und jetztt lauffen die Telllefohne nicht mehr richtig, seit diesserr Mannn kahm, umm die Feeehler tsu beseitigen ..." Ich bemerke, daß mein Akzent ins Mexikanische abgleitet, also mache ich eine Pause. "Enddschuldigungk, isch habbe einnenn Anrufer - rrufen ssie misch nnach demm Essen tzurüggk!" Jetzt läuft die Zeit für mich. Ich weiß, daß sie die Leitung nicht kappen werden, da sie nicht wissen, ob das Problem eine Folge IHRER Aktivitäten ist - oder, für den Fall der Fälle, daß die Leitung schon berechtigt in Betrieb ist, es ihnen nur noch niemand gesagt hat. Aber ich weiß auch, daß sie mich nicht lange mit dieser kostenlosen Bandbreite arbeiten lassen werden. Ich brauche also einen Plan. Ich rufe unseren Kundenbetreuer bei ihnen an (natürlich mit abgeschalteter Rufnummernweiterleitung) und frage ihn was zum Teufel mit der Übertragungsgeschwindigkeit ihrer Leitung los ist. "Was meinen sie?" fragt er. "Etwas scheint die ganze für uns bestimmte Bandbreite aufzufressen!" jammere ich. "Das begann, nachdem einer ihrer Techniker zu uns kam, um unsere Leitungen zu warten und sich auch um unsere Telefone zu kümmern." "Aber wir warten ihre Telefone gar nicht!" erwidert er. "Ja, das merke ich!" rufe ich. "Aber jetzt ist alles vertauscht mit den anderen Firmen hier im Gebäude und niemand ist in der Lage, noch ernsthaft zu arbeiten!" "Aber wir haben niemals einen Anruf von ihnen bekommen!" beklagt er sich. "Haben sie eine Auftragsnummer?" Ich schalte die Telefonleitung auf das Modem um und lasse es eine Verbindung aufbauen, so daß er eine Ladung Müll zu hören bekommt. Dann schalte ich wieder zurück auf das Telefon, was sich anhört wie ein pubertierender Rüde. "Sie haben keinen Anruf mit der Fehlermeldung bekommen?" frage ich. "Nein." bestätigt er genervt. Ich prüfe mit den Überwachungskameras, ob der Dienstwagen des Chefs noch in der Garage steht. "Aber ich habe erst vor ..." beteuere ich und lasse das Modem den Anruf fortsetzen, während ich in die Garage eile. Nachdem ich die Linse der Kamera mit etwas Schmutz geblendet habe, öffne ich die Motorhaube des Dienstwagens und plaziere ein Paar Ersatzkontakte am Starterkabel. Jetzt muß ich nur noch den Rückwärtsgang und den Starten-nur-im-Parkenmodus-Schalter kurzschließen. Keine halbe Stunde später bricht der Chef mit 30 km/h mit seinem Wagen durch die Wand der Vermittlungsanlage und zerstört dabei mehr als zuverlässig jegliche Netzwerk- und Telefonverbindungen. Ich stürze ins Parkdeck und helfe dem Chef aus seinem Wagen bis zu einem Punkt, von dem aus er nicht sehen kann, wie ich etwas System- und Netzwerktechnik aus dem Wagen heraushole. Während er noch mit dem Schock kämpft, führe ich die endgültige Behandlung einiger Netzanschlüsse mit einer der Äxte durch, die die amerikanische Konzernzentrale uns im Rahmen ihres Sicherheitsplanes geschickt hat. "Es ist einfach losgefahren!" plärrt der Chef. "Nun, das ganze Gebäude ist ohne Netz!" sage ich. "Können sie das nicht reparieren?" "Ja, aber das würde mindestens die ganze Nacht dauern und wir müßten den bisher ungenutzten Anschluß in Betrieb nehmen, um den Datenaustausch zu gewährleisten. Und wir werden neuere, schnellere Anschlüsse brauchen, da die alten nicht mehr reparierbar sind und auch nicht mehr verkauft werden ..." Einen Tag später schaue ich mir das Video der erwähnten TV-Serie an, das aus Wales zu mir kommt. Die Geschwindigkeit der Netzwerkverbindung ist wirklich perfekt. "Wie lange brauchen wir die zusätzliche Verbindung?" fragt der Chef. "Ach", murmle ich wegwerfend. "Ich weiß es nicht - wie lang ist wohl die komplette Star Trek Serie?" "Wieso?" "Ach, nur so ein Gedanke." |
|
![]() |
![]() |
![]() |
© Simon Travaglia, 11.11.1998, Übersetzung: thomas w., 2000. |
||