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| bastard operator from hell | ||
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Das Auge an der Wand hat alles gesehen, also ist es Zeit für riskante Maßnahmen, um das gefährliche Maß Sherry im Beratungsraum zu verstecken ...
Früher oder später mußte es ja passieren. Wir wissen es, wir bereiten uns darauf vor, doch trotzdem trifft es uns dann wie der sprichwörtliche Tritt in die Weichteile. Der Wachdienst will seine Systeme zurückhaben. Nun, nicht der ganze Wachdienst - wir pflegen eine großartige Beziehung - doch es ist der neue Manager, ein ehemaliger Offizier, der seine Arbeit wohl etwas zu ernst nimmt. Er nimmt (grauenhafterweise) an, daß die Überwachungskameras durch den Wachdienst kontrolliert werden sollten und daß wir von der System- und Netzwerkbetreuung nicht mehr unbegrenzten Zugang zu allen, auch den sicherheitsrelevanten, Bereichen im Gebäude haben sollten, um "schnellen Service" zu ermöglichen. Mit anderen Worten - er versucht, aus uns ahnungslose Schäfchen zu machen. Unser neuer Chef ist auch keine Hilfe. Mit dem Rückgrat einer Qualle hat er sich in Rekordzeit zurückgezogen. Ich mag das nicht. Der PJ mag das nicht. Etwas muß geschehen. Und es wird etwas geschehen. Der Tropfen, der das Faß schließlich zum Überlaufen brachte, war die Frage des Chefs, was wir in der vergangenen Nacht um 18:25 Uhr im Beratungszimmer des Geschäftsführers zu suchen hatten. Ganz offensichtlich ist die Antwort ´Wir betranken uns bis zur Besinnungslosigkeit mit ein paar Sekretärinnen´ nicht das, was er hören möchte. Also müssen wir wohl etwas improvisieren - und ich rede nicht von Musik. "Ahhh ... Wir haben die Verbindungsqualität der ISDN-Anschlüsse der einzelnen PCs überprüft." erkläre ich schnell. "Wirklich? Es sieht aber nicht so aus!" ruft er und wedelt mit einem ausgedruckten Standbild der Überwachungskamera, das den PJ dabei zeigt, wie er den halbvollen Sherry-Krug mit einer verarbeiteten Version des Originals wiederauffüllt. "Das ist ja ekelhaft!" rufe ich erregt. "Ja, das ist es", stimmt mir der Chef zu und bereitet sich darauf vor, die nächste Hürde zu nehmen. "Wie auch das hier", setzt er fort, wobei er einen weiteren Ausdruck zeigt - diesmal von mir, wie ich die enttäuschende Fehlleistung des PJs berichtige. (Er ist eben noch jung.) "Und was haben sie dazu zu sagen?" will der Chef herausfordernd wissen. "Nun, offensichtlich sollte ich meinen Konsum von Vitamin B einschränken." rufe ich. "Was?" "Das sollte ein Scherz sein. Das ist ganz offensichtlich eine Fälschung." "Nun, wenn das eine Fälschung ist", erwidert er und hält einen seltsam vertrauten Krug hoch. "Dann haben sie sicher nichts dagegen, einen schnellen Schluck hiervon zu nehmen." "Natürlich nicht", antworte ich und genehmige mir einen gesunden Schluck, oder 57, und leere den Krug in Rekordzeit. "Wie ich schon sagte - das ist eine Fälschung, mit der der Chef des Wachdienstes uns in Mißkredit bringen will, indem er Falschinformationen verbreitet. Offensichtlich wurde das Video bearbeitet. Schauen sie sich die Pixel rund um die Sache an. Es wurde digitalisiert und wieder auf Band gebracht." "Ich ... uh ..." murmelt der Chef, dessen großartiger Plan sich in Asche aufgelöst hat. Nachdem er niedergedrückt davonschlich (ohne eine Flasche oder gar einen Krug), um den Chef des Wachdienstes zur Rede zu stellen, kommt der PJ zu mir. "Ich kann nicht glauben, daß sie das verdammte Zeug getrunken haben", keucht er angeekelt. "Ah, seien sie nicht so naiv - ich habe den aufgefüllten Krug nach hinten ins Regal gestellt und den Verschluß mit dem dieses Krugs vertauscht. Die Geschäftsleitung ist blöd, aber nicht blöd genug, um den Kruginhalt tatsächlich für Sherry zu halten. Jedenfalls nicht, wenn sie nicht vorher ein paar andere Krüge geleert haben. Deshalb habe ich ihn nach hinten gestellt." Ein Geräusch von einer Kamera hinter uns macht mich auf ein potentielles Problem aufmerksam. "Glauben sie, daß er von den Lippen lesen kann?" frage ich den PJ und verberge meinen Mund hinter meiner Kaffeetasse. "Könnte sein", kommentiert der PJ perfekt gähnend. "Richtig. Es wird Zeit für eine Notfallaktion!" Der PJ und ich rennen zur Treppe und zum Beratungsraum der Firmenleitung, um den Beweis zu beseitigen. Doch wir kommen zu spät. Der Chef des Wachdienstes ist schon in dem Zimmer und hat bei seiner eiligen Suche nach dem Krug Glaswaren im ganzen Raum verteilt. Mit etwas Glück ... doch nein - der bewußte Krug enthält eine viel, viel hellere Flüssigkeit, als die, die ich vorhin getrunken habe. "Wir sitzen in der Falle", flüstert der PJ. "Noch nicht", antworte ich und erinnere mich an die Voreinstellungen des Kartenleser an der Tür zum Beratungsraum. Ich schiebe meine Karte in den Leser, dann gebe ich einen falschen PIN-Code ein. Noch einmal. Und noch einmal. Mein vierter Versuch löst den Alarm aus, und die Sicherheitsverriegelung schließt automatisch die Tür. Der Sicherheitschef versucht von innen das Schließen der Tür aufzuhalten, doch zu spät ... Die zehnminütige Verriegelung wirkt. Schnell wie ein Blitz trennt der PJ die Telefon- und Netzwerkverbindung des Beratungszimmer, dann verschließt er mittels Handsteuerung den Korridor zum Beratungsraum. "Warten sie! Er wird das Glas vor dem Notausgangsschalter einschlagen." ruft der PJ. "Er könnte. Wenn ich das Glas nicht vor Jahren durch Panzerglas ersetzt hätte." Wir nehmen uns ein paar Sessel und warten auf das Unvermeidliche, sorgen dafür, daß die Sicherheitsverriegelung alle neun Minuten erneut in Aktion tritt. Zu seiner Verteidigung muß gesagt werden, daß der Chef des Wachdienstes sicher tapfer hält - offenbar der militärische Einfluß. Es dauert beinahe zehn Stunden, bis er durstig wird. Und zwei weitere, bevor er den Krug wieder auffüllt. "Ich hätte den Krug auf dem Boden umgekippt", sagt der PJ leise, als wir am nächsten Tag im Pub sitzen. "Das hätte das Problem gelöst." "Ja, es wird wohl niemand verstehen, was in einem militärischen Geist so vorgeht", seufze ich, als ich mich an die Namen erinnere, die ihm seine Truppen gegeben haben, die zu beschäftigt waren, ihm zu Hilfe zu eilen und die Aufzeichnungen zu modifizieren - selbst wenn sie es gewollt hätten. Nun, jedem das, was er verdient ... |
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© Simon Travaglia, 04.11.1998, Übersetzung: thomas w., 2000. |
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