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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Man glaubt kaum, was mit der Kreditkarte des Chefs passiert ... und es ist nicht nur der B.O.F.H., der seine Finger im Spiel hat - er hat einen neuen flexiblen Freund ...

Ich wühle mich durch die Wagenladung morgendlicher E-Mails, sortiere all die Werbung aus, die etwas mit Kreditkarten, kostenlosen Krediten, Karrierechancen und neuen, erweiterten Sex-Angeboten im WWW zu tun hat.
 
Den Web-Cache, der für den Chef bestimmt ist, mit Pornographie aufzufüllen, ist der sicherere Weg, um ungestraft während der Arbeitszeit entsprechende Bilder anzuschauen. Und er spart uns die Mühe, darauf zu warten, daß die Daten sich erst durch die überlastete Ethernet-Anbindung des Anbieters zu uns quälen müssen.
 
Ja, daß wir die Daten der Firmenkreditkarte des Chefs für unser kleines Programm benutzt haben, das automatisch nach Pornoseiten sucht, war vielleicht etwas unanständig, doch das zählt nicht, wenn man über einen gut gefüllten Cache verfügen will.
 
Und der Chef zahlt bestimmt - allein in diesem Monat mußte ich sein Limit zweimal erhöhen lassen, damit unser freundliches und aufmerksames Programm all die Seiten bedienen konnte, die es gefunden hat.
 
Wenn er nicht vorgehabt hätte, etwas mit seiner Kreditkarte zu kaufen, dann hätte er schließlich auch keine beantragt. Noch hätte er sie achtlos in einem versiegelten Umschlag herumliegen lassen, der in einer Aktentasche versteckt war, die in einem Schrank mit der Aufschrift ´IT94 Kon- ferenz-Unterlagen´ stand, in dem wir Sicherungskopien aufbewahren. Ja, die Karte lud wirklich geradezu dazu ein, sie auch zu nutzen.
 
Wie auch immer, der Cache machte sich sehr bezahlt, als ich die beiden neuen 9 Gigabyte-Festplatten in den Server eingebaut hatte. Mit anderen Worten - ein sehr schöner Abschluß - oder ein Anfang ...
 
"Ich habe ein Problem mit den Nutzungsstatistiken für die Rechner", beschwert er sich und stürmt so schnell ins Büro, daß ich die ´Cache-Ausnutzungs-Statistik´ nur löschen kann, indem ich meinen Monitor abschalte.
 
"Worum geht es?" frage ich.
 
"Nun, dieser Statistik entnehme ich, daß mein Rechner unheimlich viel Datenverkehr außerhalb der Bürozeiten verursacht."
 
"Wirklich!" erwidere ich. Offenbar schaut meine Porno-Goldmine dem Ende ihrer Existenz entgegen.
 
"Oh, das ist das DHCP Mapping", springt der PJ ein. "Das liegt daran, daß unser DNS nicht dynamisch ist, also wird das alles ihrer Maschine zugerechnet, obwohl es in Wirklichkeit eine andere Maschine ist, die ihre IP-Adresse benutzt und so in den Nutzungsstatistiken auftaucht."
 
"Hmmm ... wirklich?" reagiert der Chef, dessen technischer Verstand offenbar nahe daran ist, in unbekannten Gewässern unterzugehen.
 
"Ja, darüber müssen sie sich keine Sorgen machen."
 
"Oh", sagt der Chef und ist glücklich darüber, daß sein PC nur ihm treu ergeben ist. "Aber wer hat den Datentransfer mit meiner IP dann verursacht?"
 
"Ah ... das könnte möglicherweise unser eigener Webserver gewesen sein", werfe ich ein.
 
"Aber ich dachte, sie hätten mir letzte Woche gesagt, die Server nutzen DHCP nicht?" bemerkt der Chef und verblüfft mich damit, daß seine Gegenfrage durchaus korrekt ist.
 
"Nein, nein, ich sagte, daß die Surfer DHCP nicht benutzen - weil ... ah ... die meisten von ihnen nicht einmal PCs besitzen ... und die, die einen besitzen, nehmen ihn bestimmt nicht mit an den Strand ..."
 
"Was haben Surfer mit unserer Firma zu tun?" platzt der Chef heraus. Er ist nun noch mehr verwirrt als sonst ...
 
"Ich habe keine Ahnung", antworte ich.
 
"Und warum haben sie davon angefangen?"
 
"Ich wollte nur etwas Zeit totschlagen ..."
 
Unsere Konversation wird durch die Ankunft eines Erbsenzählers unterbrochen, dessen Blick einen besorgten Ausdruck zeigt, was nur bedeuten kann, daß der Kreditkarten-Adler gelandet ist. Mit einer Bruchlandung, wenn ich seinen Gesichtsausdruck richtig deute.
 
"Es geht um ihre Firmenkreditkarte", murmelt der Erbsenzähler vorsichtig.
 
"Was soll damit sein?"
 
"Das Konto steht bei 23.000 Pfund. In roten Zahlen!"
 
Ich bin leicht schockiert über diese Zahl, da ich das Limit nur auf 10.000 Pfund hochgesetzt hatte, doch die Kreditkartenfirma war wohl ganz wild darauf, neue Einnahmen zu erzielen ...
 
"Das ist doch lächerlich!" erwidert der Chef.
 
"Hier steht alles schwarz auf weiß - doch meistens rot", sagt der Erbsenzähler und wedelt mit einigen Ausdrucken. "Was hat das zu bedeuten, www.spank-spank.org ... und zu-enge-lederhosen.com? Und wer zum Henker ist die ´Progressive Presse´ in Amsterdam?"
 
Eine Warnglocke schlägt in meinem Kopf, da ich mich nicht an Web-Sites mit diesen Namen erinnern kann. Ich schnappe mir die Ausdrucke des Erbsenzählers und stelle fest, daß die Kosten für die Webseiten nur etwa zehn Prozent der Gesamtsumme ausmachen, der Rest ging für ergänzende Artikel drauf, die nach Großbritannien geschickt wurden ...
 
"Ich habe keine Ahnung, wie das ablief", erwidert der Erbsenzähler. "Aber das wurde alles mit ihrer Karte bezahlt ..."
 
"Das kann nicht sein! Meine Karte ist sicher weggeschlossen. In einem Fach in einem Schrank."
 
"Dem Fach für Reinigungsmittel, glaube ich", wende ich hilfsbereit ein.
 
"In einem Schrank für Sicherungskopien." fügt der PJ hinzu.
 
"In einem versiegelten Umschlag in einem Aktenkoffer", vollendet der Erbsenzähler mit einem selbstgefälligen Grinsen, das den PJ und mich mehr als überrascht.
 
Es sieht so aus, als gäbe es einen neuen Mitspieler - einen Erbsenzähler auf Abwegen. Ausgezeichnet.
 
Der Chef murmelt etwas davon, daß wir damit nicht durchkommen werden, und braust davon, um seine Karte sperren zu lassen.
 
"Nun, da kann man wohl nichts mehr machen", zwitschert der Erbsenzähler fröhlich. "Nebenbei, ich habe seine alten Kreditkartendaten dazu benutzt, eine neue bei einer anderen Bank zu beantragen."
 
"Und ...?" frage ich und bin bereit, sofort in den Krieg zu ziehen.
 
"Ich habe ihrem Chef die Details in einer E-Mail mitgeteilt, die ich natürlich nicht mit seinem öffentlichen Schlüssel verschlüsselt habe, sondern mit ihrem - was für ein Mißverständnis!"
 
"Also sagen sie, daß der Chef eine E-Mail bekommen hat, die er nicht lesen kann ..."
 
"Die jeder mit ihrem privaten Schlüssel abfangen können sollte ..."
 
Es ist ein feuchter und windiger Nachmittag, als die Leute vom Wachdienst in das Büro des Chefs stürmen, um ihn nach oben in die Chefetage zu bringen, wo eine ordentliche Tracht Prügel auf ihn wartet. Seine Unschuldsbe- teuerungen treffen auf taube Ohren, als Nachforschungen ergeben, daß die Magazine der ´Progressiven Presse´ an die Adresse seines Ferienhauses geliefert wurden ...
 
Einer weniger, aber noch viele werden ihm folgen.
 
Doch immerhin haben wir einen neuen Freund im Lager des Gegners ...


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 28.10.1998, Übersetzung: thomas w., 2000.