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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Ein gefälschter Leistungsvergleich für Computer mag Hohlköpfe in Polyesteranzügen beeindrucken, doch der kluge B.O.F.H. hält eine kleine Überraschung in seiner Tasche bereit ...

Ich bin auf einer Veranstaltung, auf der ein Hersteller seine neuesten Mini-Computer vorstellt.
 
Und wie erwartet besteht das Publikum aus Hohlköpfen, bei denen es anscheinend modern ist, Anzüge aus 100 Prozent Polyester zu tragen.
 
Und, ebenfalls erwartungsgemäß, der Hersteller preist seine neue Technik in höchsten Tönen, während er gleichzeitig seiner Stammkundschaft zu versichern versucht, sie sei kein ERSATZ für die Technik, die sie sich vor ein paar Monaten angeschafft haben, sondern nur ein parallel hergestelltes Produkt.
 
Die Tatsache, daß die Rechner aus dem letzten Quartal aus dem Hardware-Katalog gestrichen wurden (zusammen mit dem Herstellerservice) ist reiner Zufall ... Wie auch die Seriennummer auf dem Vorführgerät, die impliziert, daß dieses vor SECHS Monaten hergestellt wurde. Nein, nein, das war kein billiger Ramschverkauf damals, sondern das ist wirklich ein reiner Zufall.
 
Oh, und ein Wechsel auf eine völlig neue Architektur ...
 
Also sehen wir das neue Modell mit den neuen Anschlüssen (was bedeutet, daß die auf Vorrat angeschafften Steckkarten und Peripheriegeräte ungefähr so wertvoll sind wie XT-Thin Wire-Steckkarten), das zwanzig Prozent mehr Prozessorgeschwindigkeit bringt, achtzig Prozent teurer ist und durch ein um zweihundert Prozent größeres und häßlicheres Logo gekennzeichnet ist. Natürlich bricht bei den Zuhörern angesichts dieser neuen Errungenschaften sofort die typische Begeisterung der Ahnungslosen aus.
 
"Wie sie sehen", erklärt der Vorführer mit einem schleimigen Grinsen. "Wie sie hier sehen, zeigt der SpecWUPGW Int, daß unsere Modelle besser bewertet werden, als die Modelle der gesamten Konkurrenz ..."
 
"Ah", unterbreche ich ihn und unterdrücke den Anflug von Trauer, den diese plumpe Vorspiegelung von Ehrlichkeit in mir hervorruft. "Könnte das daran liegen, daß sie den SpecWUPGW Int erfunden haben, um die Vorteile ihrer neuen Architektur auszunutzen?"
 
"Natürlich nicht", erwidert der Vorführer pikiert. "Der SpecWUPGW Int ist ein offener Industriestandard!"
 
"Und wer", fahre ich fort, obwohl ich schon weiß, was noch kommt. "Wer hat diesen Standard entwickelt?"
 
"Nun, ich muß, mit etwas Stolz, zugeben, daß unser Unternehmen in der Lage war, diesen Standard zu entwickeln, der die wirklichen Bedürfnisse eines Nutzers widerspiegelt und so einen echten Vergleich verschiedener Systeme ermöglicht, der weitaus aussagekräftiger ist, als die üblichen Testmethoden, die nur ein paar Integer-Berechnungen durchführen."
 
"Mit anderen Worten - sie haben diesen Standard für sich entwickelt?"
 
"Nein, nein! Die anderen Standards zum Vergleich von Systemen haben nicht genügend berücksichtigt, daß es verschiedene Arten von Nutzern gibt, die an einem Computer arbeiten - seien es Programmierer, Nutzer von Datenbanken und so weiter. Der SpecWUPGW bezieht all diese Faktoren mit ein und liefert ein Ergebnis, welches das ´Gesamtsystem´ oder, wie wir es nennen, die ´Holistische Interoperativität´ vollständig repräsentiert."
 
Ich schaue mich um und stelle fest, daß die anderen Zuhörer zu 60 Prozent das typische Verhalten von Einkäufern zeigen, deren Verstand schon längst kapituliert hat.
 
"Und wofür steht SpecWUPGW eigentlich?" will ich wissen.
 
"Spezifikation wenn Ummmmmdmd Pdndn Guidnd Wdrn", murmelt er.
 
"Entschuldigung?"
 
"Spezifikation wenn unsere Peripherie genutzt wird." murmelt er scheu.
 
"Oh! Sie sagen also, daß, wenn wir eine ihrer SCSI-Festplatten in, sagen wir, das Modell eines Konkurrenten einbauen, der Prozessor so damit beschäftigt sein wird, die Fehler zu berichtigen, die ihr dem Standard nicht gehorchendes Gerät verursacht, daß er kaum dazu kommt, wirklich zu arbeiten?"
 
"Nein, das ist es nicht", keucht er verärgert. "Aber lassen sie mich ihnen das System in Aktion vorführen. Das wird sie sicher überzeugen!!!"
 
Er schaltet das Gerät ein, und es startet mit einem wirklich beeindruckenden Klang.
 
Allein dieser rechtfertigt, kombiniert mit dem neuen bunten Begrüßungsbild, die Hälfte des Kaufpreises!!!
 
"Und wenn sich vielleicht ein Freiwill ..."
 
Beinahe hätte ich meine Achillessehne verletzt, als ich nach vorn zum Podium eile. Bestimmt bin ich nicht der Freiwillige, den er erwartet hat - wahrscheinlich hat er mit einem vorbereiteten Schauspieler gerechnet, dessen einfache Fragen er mit einem "Schauen sie sich das hier an!" beantworten kann.
 
"Ah", murmelt er bemüht, mich nicht in die Nähe seines Vorführgerätes gelangen zu lassen, doch ihm bleibt nun keine andere Wahl mehr. "Wie wäre es, wenn sie die graphische Benutzeroberfläche starten, indem sie auf das kleine Symbol klicken?"
 
Ich folge seinem Vorschlag und bin wirklich von der Geschwindigkeit beeindruckt. Wie übrigens auch der Rest der Zuschauer, die näherkommen, um alles besser zu sehen ...
 
Ich verberge meine Hand für kurze Zeit ... Und schneller als man "Was ist das, zerschnittene Aluminiumfolie? Die Verpackung einer Schokoladentafel? Eisenspäne?" sagen kann, habe ich eine kleine Menge Aluminiumfolie durch die gierigen Löcher der Kühlanlage in das Gehäuse geschmuggelt.
 
Der folgende Kurzschluß, der Rauch und die mittlere Explosion schlossen das Vergnügen für diesen Nachmittag ab - sie ruinierten die Verkaufsprospekte und ließen den Vorführer mit einer ´schockierenden´ neuen Frisur flüchten - nachdem er aus seiner Ohnmacht wieder erwacht war. Es ist eigentlich unnötig zu sagen, wie es weiterging, denn das ist, wie man so schön sagt, Geschichte. Das neue Modell wurde nicht grundsätzlich vom Markt genommen, sondern eine neue Vorführung organisiert, nachdem man die ´Netzteilprobleme´ behoben hatte, aber immerhin hat die Verzögerung dafür gesorgt, daß die Preise für die Peripheriegeräte, die ich im Angebot habe, wieder stiegen und ich die Geräte an einen anderen ahnungslosen Kunden unseres Lieferanten loswerden konnte.
 
Wie sagt man so schön - in der Liebe und beim Hardwareverkauf ist alles erlaubt ...


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 21.10.1998, Übersetzung: thomas w., 2000.