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| bastard operator from hell | ||
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Eine gefälschte Dokumentation mag die Prüfer beeindrucken, doch der Chef landet trotzdem im Krankenhaus ...
Ich spüre, daß etwas in der Luft liegt. Ich weiß es sofort. Erfahrene Profis haben dafür einen siebten Sinn entwickelt. Der PJ bestätigt meine Ahnungen, als er von der morgendlichen Teepause - im Pub - zurückkommt und sich neugierig umschaut, ob noch alle Dinge an ihrem angestammten Platz stehen. Es ist wie ein vielversprechender Duft. Der Chef führt etwas im Schilde. Wir sind vielleicht überempfindlich, doch ich glaube, er nimmt es uns ein wenig übel, daß wir das Gerücht verbreitet haben, es handele sich bei dem grauen Staub, der über Nacht überall in der Nutzerbetreuung auftauchte, um Asbeststaub. Das war vor zwei Tagen, doch die Massenhysterie und die grassierende Hypochondrie flauten noch immer nicht ab, obwohl mittlerweile bewiesen wurde, daß es sich bei dem Staub um gefärbtes Puder handelt. Wir ahnen, daß er Rache üben will, und als er zu uns hereinwatschelt, hat das Warten darauf endlich ein Ende. "Ich denke es wird Zeit, daß wir uns um die Dokumentation kümmern", sagt er, nachdem er seinen Vorrat an unverbindlichen Nettigkeiten ("Wie geht es ihnen?", "Was macht das Netzwerk?" und "Sind das da die Speicherchips, die ich in meinem PC vermisse?") verbraucht hat. "Dokumentation?" "Ja, eine Beschreibung der Technik, der Konfigurations-Standards, der Netzwerk- und Systemtopologie, spezielle Anpassungen", plappert er und spult dabei offenbar sorgfältig gelernte Sätze herab, mit deren Studium er sein Gehirn unter größtem persönlichen Risiko, andere wichtige Informationen (wo er wohnt, wie er heißt, wann es angebracht ist, den Reißverschluß seiner Hose zu öffnen, etc.) zu vergessen, gemartert hat. "Aber das haben wir doch schon getan - im brandsicheren Schrank für die Sicherungsbänder", antworte ich und deute auf ein graues Monster von einem Möbelstück in der Ecke, das ich bisher nur einmal geöffnet habe. "Gut, dann werfen wir doch einmal einen Blick drauf." "Nun, das würde ich ja gern tun, doch mein Assistent hat den Schlüssel verloren, nachdem er die Informationen auf den neuesten Stand gebracht hatte!" rufe ich und mache den PJ zum Sündenbock für diese spezielle Ausrede. (Natürlich haben wir das so abgesprochen ...) "Dann holen sie einen Schlosser herbei!" schreit der Chef, der sich von kleinen Details nicht aufhalten lassen will. Drei Stunden und einen Feueralarm später ist die ´Dokumentation´ nur noch ein Haufen Asche in dem nun geöffneten Schrank. Daß sie das auch schon war, als ich sie im Schrank hinterlegte, tut natürlich nichts zur Sache. "Ich habe keine Ahnung, weshalb der PJ die Flasche mit dem Magnetkopfreiniger gleich neben der Stelle plaziert hat, die der Schlosser mit seinem Schweißbrenner behandeln mußte, um den Schrank zu öffnen. Was für ein Versehen!" jammere ich und muß gegen ein Kichern kämpfen, als der Chef, der es natürlich zu eilig hatte, an die Dokumentation zu kommen, seine Hände behutsam mit Brandsalbe behandelt. "Das ist jetzt irrelevant. Ich brauche eine Dokumentation, um sie den Prüfern vorzulegen." "Die Prüfer!" protestiere ich. "Welcher geheiligte Erbsenzähler will von uns eine Dokumentation?" "Nicht die Rechnungsprüfer, Firmenprüfer. Seit die Firma sich an die Amerikaner verkauft hat, müssen wir jeden unserer Schritte prüfen lassen, damit sie sicher sind, daß wir wie eine Maschine sind, bei der alles ohne Schwierigkeiten läuft." "Mein Geld steckt in einem 73er Ford Escort, der mit drei Zylindern und Wasser im Benzin läuft, aber ich denke, daß ich sie begriffen habe." "Also erwarte ich neue Ausdrucke der Dokumentation am nächsten Morgen", sagt der Chef und verläßt uns. "Prüfer?" fragt der PJ. "Davon habe ich noch nie gehört." "Es wäre wohl besser, wenn sie ein paar Handbuchseiten scannen und mit der Texterkennung an die Textverarbeitung schicken, um die Dokumentation etwas aufzublähen. Ich werde die Ausgabe des Topologie-Monitors in ein anderes Dokument umleiten und mit 24 Pixeln Zeichengröße ausdrucken, was für etwa hundert Seiten reichen sollte. Dann lasse ich ein Perl-Skript über den Domain Name Server laufen, um ein paar ergänzende Informationen hinzuzufügen. Und schließlich werde ich mich um das Inhaltsverzeichnis kümmern, etc.", antworte ich. "Werden sie nicht merken, daß es Müll ist?" fragt der PJ. "Nein, es werden so viele Seiten sein, daß sie nur das Inhaltsverzeichnis überfliegen und zufällig ein paar Seiten aufschlagen werden. Was mich darauf bringt, daß ich für die Seiten mit dem glaubwürdigen Inhalt noch etwas schwereres Papier brauche, damit diese Seiten leichter gefunden werden können." "Man könnte meinen, sie hätten das schon einmal gemacht." "Einer der Tricks bei Vertragsgeschäften. Die Nachfrage nach Papier mit 100 Gramm Gewicht je Quadratzentimeter steigt immer, wenn eine schriftliche Firmenpräsentation fällig ist." Drei Sunden später haben wir ein Dokument, das den durchschnittlichen Anfänger wohl beeindrucken kann, doch wenn man bedenkt, daß die Prüfer ja keine Anfänger sind, so muß ich noch ein paar Seiten mit glaubwürdigen Inhalten anfertigen. Eine weitere Stunde später habe ich ein paar gute Seiten über ´Hot Swapping´, ´Fehlervorbeugung´, ´Ausfallsicherheit´, ´Vergabe von Namen im Netzwerk´ und ´Routerkonfiguration´ zusammengesammelt. Ich füge noch einige akkurat klingende Palaver über die Verkabelung, Steckdosen und Anschlüsse hinzu, ein paar Beschreibungen über unsere Notfallmaßnahmen und Sicherheitseinstellungen. Ich hefte alles in einem entsprechend benannten Ordner zusammen, dann übergebe ich ihn dem ´Alterungsprozeß´, der darin besteht, daß ich ein wenig darauf herumhüpfe, den Ordner durch den Raum werfe, wobei ein paar Seiten herausfallen, und Essensreste auf einigen Seiten verteile, damit sie aussehen, als wären sie häufig genutzt. Das Dokument wird vorgelegt und, da es keine weiteren Reaktionen gibt, macht die Prüfer offenbar glücklich. Und so kommt es, daß der PJ und ich am nächsten Tag neben dem Netzwerk-Monitor stehen, der anzeigt, daß ein Router demnächst wohl damit beginnen wird, mit niemandem anderen mehr zu kommunizieren. "Das wird den Chef auf die Idee bringen, redundante Router anzuschaffen." "Sind sie sich dessen sicher?" "Nun, die Software der alten Router unterstützt Redundanz noch nicht - das würde Speicherfehler verursachen. Natürlich habe ich vergessen, das zu dokumentieren. Gerade ist es mir eingefallen, daß ich auch nicht dokumentiert habe, daß ..." Ein lauter Knall aus der nächsten Etage unterbricht mich. "Die Leiter für den Notausstieg ist noch nicht am Dach festgeschraubt." Fünf Minuten später ist der Chef auf dem Weg ins Krankenhaus und die Dokumentation auf ihrer Reise in den Ofen. |
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© Simon Travaglia, 14.10.1998, Übersetzung: thomas w., 2000. |
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