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| bastard operator from hell | ||
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Wann ist schweigen wirklich Gold? Wenn der Chef vorschlägt, große Festplatten zu kaufen und man die neuen Kapazitäten weitervermieten kann.
"... und deshalb schlage ich vor, daß wir die Arbeitsplatzrechner standardisieren und mit großen Festplatten ausstatten, um all den ungenutzten Platz in den Gehäusen auszunutzen ..." Etwas rüttelt mich auf und ich erwache inmitten einer Runde von Managern in einer IT-Beratung. Diese Beratungen waren eine Idee des Chefs, um den Sachverstand der Abteilung zusammenzubringen. Unglücklicherweise gibt es keinen Mindest-Intelligenzquotienten - die einzige Hürde, die man vor der Teilnahme an einer solchen Beratung überwinden muß, besteht darin, das Beratungszimmer zu finden. Ich freunde mich mit dem Gedanken an, daß, wenn wir überziehen, ich hören werde, was das Reinigungspersonal sagt, was immer ein wenig Abwechslung in die Konversation bringt. "Ah, ich glaube nicht, daß das eine gute Idee angesichts der Sparplä ... Autsch!!" kommentiert der PJ, als ihn unter dem Tisch ein Tritt trifft. Es ist zu spät, natürlich. Jetzt, da ein Widerspruch geäußert wurde, tritt das Gesetz über inkompetente Diskussionsrunden in Aktion. Was bedeutet, daß jetzt ein Diskussion darüber fällig ist, ob die Ablehnung würdig erscheint, überhaupt diskutiert zu werden. Das wird uns zwar eine halbe Stunde näher an das Ende der normalen Arbeitszeit bringen, bringt uns aber auch weiter von einer Lösung der technischen Fragen weg. Wir machen ein Kaffeepause, in der ich mir den PJ schnappe und zur Rede stelle. So ruhig, wie mir das möglich ist, frage ich ihn, was er mit seiner Aktion bezweckt. "Aber er hat diese großen Laufwerke für alle Arbeitsplatz-PCs empfohlen!" verteidigt er sich. "Viele von den Rechnern haben gar keinen Platz für solche Laufwerke!" "Das ist unwichtig. Sie wissen doch, daß die Manager sie nun verspotten und verhöhnen werden, wodurch die Beratung unnötig in die Länge gezogen wird, so daß sie heute nicht mehr arbeiten können." "Aber ist es nicht unsere Aufgabe, gute Ratschläge zu geben?" "Machen sie sich nicht lächerlich! Es ist unsere Aufgabe, ihre Entscheidungen zu interpretieren und zu unserem Vorteil zu nutzen." "Also sind die großen Laufwerke ...?" "Hmm, halblange 18 Gigabyte-Platten mit 7200 Umdrehungen pro Minute." "Aber die PCs brauchen doch all die Speicherkapazität gar nicht!" "Nein, aber wenn wir genügend davon bekommen, können wir ein Wide Area RAID-5-System mit verteilten Kopien aufbauen!" "Hä?" "Also, was hat der durchschnittliche Nutzer auf seiner Festplatte?" "Das Betriebssystem?" "Ja, ja, und sonst?" "?" Seufz. Nach all unseren gemeinsam durchgestandenen Abenteuern ist er in seinem Herzen noch immer ein Amateur. "Ihre E-Mail-Ordner, eine paar eigene Dokumente, die Raubkopie von Leisure Suit Larry - ihre Pornosammlung versteckt im Verzeichnis YENROH1.DDL im Windows-Ordner und so weiter." "Oh! Wirklich?" "Nun, all das. Und wieviel Platz brauchen wir dafür wirklich? Ein Gigabyte, maximal. Was bedeutet, daß wir die restlichen 17 Gigabyte für wirklich wichtige Projekte nutzen können!" "Zum Beispiel?" "Unsere Dokumente, Spiele, all unsere Pornobilder, die wir auf den Bändern mit der Aufschrift ´Systemkopie´ 1 bis 200 gespeichert haben." "Also benutzen wir ihre Festplatten?" "So ähnlich. Aber sie wissen ja, wie Nutzer sind - sie können die Leertaste nicht finden, wenn ihr Bauch nicht zufällig draufplumpst. Also müssen wir mehrere Kopien parallel anlegen." "Aber warum nutzen wir dann gleich RAID-5?" "Nur für den Fall, daß einer der Arbeiter die Post abholt und eine Bombe zurückbringt. Ich habe keine Lust, die automatische Bilderpräsentation nur deshalb unterbrechen zu müssen, weil die halbe Erbsenzählerzentrale auf der anderen Straßenseite gelandet ist." "Sie scherzen doch, oder?" "Größtenteils. Aber vergessen sie nicht, wie das mit Abteilungen voller Schafsköpfe ist - sie fahren alle ihre Rechner herunter, um dann zum Mittagessen zu trotten." "Nein. Ich glaube, sie verschweigen mir noch etwas." Mißtrauischer Kerl! "In Ordnung. Ich habe ein halbes Terrabyte als Online-HSM-Plattenplatz vermietet." "Hierarchisches Speicher Management?" "Ja. Unsere Nutzer können mit dem Speicherplatz nichts anfangen, also vermiete ich ihn als Netzwerk-Speicher." "Sie verkaufen den Plattenplatz der Firma!?" "Ja, an ein paar Ölmultis, die ihre Sicherheitskopien außerhalb ihrer Unternehmen lagern wollen." "Das kann ich nicht glauben!" ruft der PJ zutiefst erschüttert. "Was, meinen machiavellistischen Größenwahn?" "Nein, daß sie mich nicht eingeweiht haben!" "Nun, es ist lustig, daß sie das erwähnen. Wenn Dave wieder die Anschaffung von Festplatten vorschlägt, erwarte ich, daß sie ihr vorlautes Mundwerk halten. Das gilt auch, wenn er die Anschaffung von Monochrom-Monitoren empfiehlt, um die Ausfallzeiten, die durch übermäßige Augenbelastung verursacht werden, zu verringern. Wir haben einen Interessenten, der eine Wagenladung Farbmonitore braucht." "Aber das ist doch lächerl ... Oh, Dave arbeitet für sie, oder?" ruft der PJ, als der Groschen endlich fällt. "Nicht für, sondern mit mir." "Aber er ist doch ein kompletter Dummkopf!" "Oh, so soll er auch nach außen wirken. Er äußert dumme Ideen schneller als das die anderen Manager tun können und hält sie damit davon ab, selber nachzudenken." Es klopft an der Tür. "Wo wir gerade vom Teufel sprachen." "Uh, ich glaube, ich habe mein Passwort vergessen", murmelt Dave. "Alles in Ordnung, er ist eingeweiht." antworte ich. "Oh. Gut. Nun, ich habe Gerüchte gehört, nach denen ihr Chef vorschlagen will, die Manager mit Laptops für ihre Autos auszurüsten - komplett mit 12 Volt-LCD-Monitoren, Handyschnittstelle etc." "Verdammt!" schluckt der PJ. "Das würde unser Budget für Technik über Monate belasten! Was werden wir dagegen unternehmen?" "Nun", kommentiert Dave. "Zunächst werde ich die Monitor-Geschichte abblasen, werde Dvorak-Keyboards vorschlagen, um RSI-Erkrankungen (RSI - Repetitive Strain Injury, ´Tastaturkrankheit´ [thomas w.]) zu verhindern, RS232-Schnittstellen empfehlen, um Ethernet-Kollisionen zu vermeiden, und, wenn das alles nichts hilft, Wählverbindungen zwischen den Etagen vorschlagen." Die Schwachstelle des Plans wird uns zwei Tage später bewußt, als 18 Hochgeschwindigkeits-Modems geliefert werden - mit der Erlaubnis des Chefs, der so von dem Vorschlag, die Netzwerke in den Etagen mittels Modem zu verbinden, begeistert war, daß er unser gesamtes Technik-Budget dafür ausgegeben hat. Nun, man kann nicht immer gewinnen ... Seufz. |
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© Simon Travaglia, 09.09.1998, Übersetzung: thomas w., 2000. |
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