diese seite wurde für die darstellung mit netscape communicator 4 oder ms internet explorer 4 mit aktivierter javascript-unterstützung optimiert.
b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Der B.O.F.H. hilft den Mitarbeitern, ihre Identitätskrise zu überwinden, während der PJ einen Keil zwischen die Systembetreuung und den Chef treibt ...

Ich komme früh zur Arbeit, um das System zu warten.
 
Nun, wenn ich von ´früh´ spreche, dann meine ich 9:15 Uhr - denn dann sind alle mit den Datenbank- und Applikationsservern verbunden.
 
Mein Überwachungsprogramm piept, als es 200 aktive Verbindungen feststellt, so daß ich mein Vorhaben zur Wiedereinführung von Überstunden starten kann ...
 
Ich programmiere eine Endlosschleife, und das System bricht innerhalb weniger Augenblicke zusammen.
 
Erwartungsgemäß stürmt der Chef einem Tornado gleich aus seinem Büro und will zu uns hereinkommen, doch dieser Versuch endet in einem dumpfen Aufschlag, den all seine Energie wird durch einen Keil, den ich unter unsere Tür geklemmt habe, geschluckt. Der Keil ist meine Antwort auf die neuen Brandschutzvorschriften, die vorsehen, daß bestimmte Türen, die nur mit einer Magnetkarte geöffnet werden können, während der Bürostunden offengehalten werden müssen, die elektronische Verriegelung also aufgehoben wird. Unglücklicherweise bedeutet das auch, daß jeder halbgebildete Mensch aus der PR-Abteilung die geöffnete Tür als Einladung mißverstehen könnte, uns lang und breit zu erzählen, daß jemand seinen PC "gehackt" hat.
 
Und wo ich gerade vom Teufel sprach - promt taucht auch ein Kauz aus der Werbung auf.
 
"Ich habe doch gesagt, daß wir einen größeren Keil benutzen sollten." murrt der PJ.
 
"Hallo", ruft der Werbemensch. "Ich glaube, mein Benutzername wurde gehackt!"
 
"Nein, es ist alles in Ordnung", antworte ich ohne aufzuschauen.
 
"Doch! Das geht nun schon seit ein paar Wochen so in unserer Abteilung!"
 
"Etwa seitdem sie die Kamera für Porträtfotos einsetzen, die sie direkt auf selbstklebendem Fotopapier ausdrucken?"
 
"Ja, das könnte sein, aber was hat das eine mit dem anderen zu tun?!"
 
"Sie wollen doch nicht sagen, daß sie nicht auch ein Foto ihrer Frau, ihres Haustiers, ihres Autos oder ihrer kleinen Freundin ausgedruckt und auf den unbenutzten Platz auf ihrer Tastatur geklebt haben, wo das ´Großbuchstaben´-Licht sonst immer aufleuchtete, wenn sie die Feststell-Taste gedrückt hatten, oder?"
 
"Uh ..." murmelt er und hat sichtlich Probleme die Situation zu begreifen.
 
"Hier ist mein Rat für sie - schneiden sie die Augen aus den Bildern aus und drücken sie immer dann die Feststell-Taste, wenn ihre Frau oder ihr Haustier irgendwie besessen aussieht ..."
 
Unser Besucher verschwindet mit beschämtem Schweigen, als der PJ herbeikommt.
 
"Selbstklebendes Fotopapier?"
 
"Ja", antworte ich. "Für die diesjährige Erneuerung der Mitarbeiterausweise."
 
"Ich dachte, darum kümmert sich der Wachdienst?"
 
"Das haben sie im letzten Jahr auch noch getan, doch der neue PR-Chef ist der neue blauäugige Liebling des Geschäftsführers, und sie wissen, was Blauaugen bekommen ..."
 
"Eine braune Nase vom Arschkriechen?"
 
"Korrekt. Also hat der PR-Chef sich eine Menge Aufgaben unter den Nagel gerissen, die irgendwie in der Grauzone zwischen den verschiedenen Abteilungen angesiedelt sind."
 
"Wieso?"
 
"Mehr Aufgaben, mehr Mitarbeiter. Mehr Verantwortung ..."
 
"Mehr Kohle!"
 
"Schon wieder richtig. Ein dürftig getarnter Plan, um mehr Geld zu bekommen."
 
"Es fällt mir schwer, das zu glauben!" kommentiert der Chef, als er das Büro betritt, da sein Gleichgewichtssinn offenbar wiederhergestellt ist. "Das spart nur Kosten, die dadurch entstehen, daß sich verschiedene Abteilungen unabhängig voneinander um Fotos kümmern."
 
"Was?" fragt der PJ.
 
"Weil die PR-Abteilung ein elektronisches Archiv mit allen Fotos der Mitarbeiter unterhält, die sie auch an die Presse herausgeben."
 
"Ja." antworte ich. "Wenn zum Beispiel ein Erbsenzähler zum Profit-und-Verlust-Regulierer des Jahres gewählt wird ..."
 
"Ich ..." beginnt der Chef. "... wie auch immer, deshalb bin ich nicht hier. Wieso ist der Applikationsserver nicht am Netz?"
 
"Applikationsserver ..." murmle ich und schaue auf den Kalender mit den Wartungsterminen. "Ja, das ist die geplante Routinewartung."
 
Ich zeige ihm den entsprechenden Eintrag.
 
"Solche Wartungsarbeiten sollten sie doch außerhalb der normalen Bürozeit durchführen!"
 
"Nun, das hätte ich gern getan, doch sie sagten doch, wir sollten Überstunden vermeiden."
 
"Ja, aber das gilt doch nicht für solch wichtige Server!"
 
"Das sagten sie doch!" rufe ich und erinnere ihn an Vorfälle in der jüngeren Vergangenheit. "Sie haben es gesagt, nachdem wir ein ganzes Wochenende mit der Wartung einer wichtigen Maschine verbracht hatten."
 
"Der verdammte Getränkeautomat ist kein wichtiger Server!"
 
"Da sprechen sie aber nur für sich selbst", stichelt der PJ, der Blut geleckt zu haben scheint.
 
"Der Automat ist nicht wichtig! Fahren sie jetzt den Server wieder hoch!"
 
"Aber ..." wende ich ein.
 
"Keine Ausreden mehr, fangen sie an!"
 
Mit gespieltem Widerwillen starte ich den Server.
 
Womit nur noch das Problem des Eindringlings bei den PR-Typen bliebe.
 
Eine schnelle Prüfung ihres Netzwerks liefert mir den richtigen PC und dank äußerst lascher Sicherheitsvorkehrungen und der verwendeten Standard-Passwörter kann ich innerhalb einer Minute schon in der Datenbank für den Fotodrucker lesen und schreiben.
 
Und da der Drucker nicht über viele Speicherplätze für die Unterschriften unter den Bildern verfügt, ersetze ich gleich noch ´Wachdienst´, ´Vertragsarbeiter´, ´Reinigungsdienst´, ´Geschäftsführung´ etc. durch sinnvolle Begriffe.
 
Am nächsten Tag kündigt ein neuerlicher dumpfer Aufschlag den Chef an. Nach einer weiteren Minute bestätigt ein weiterer Aufschlag die Theorie des PJ, daß ein größerer Keil besser funktionieren könnte ...
 
Nach seiner Entlassung aus dem Krankenzimmer kommt der Chef mit leichten Prellungen vorbei und klopft freundlich an unsere Tür. Der PJ führt ihn schließlich herein.
 
"Was ist das?" fragt mich der Chef.
 
"Das ist ein neuer Mitarbeiterausweis", antworte ich.
 
"Und wieso steht unter dem Foto ´Erbsenzähler´?"
 
"Weil das seine Arbeit ist?" vermute ich.
 
"Sollte das der Fall sein, wie viele Wichser sind wohl in diesem Haus angestellt?"
 
"Darüber will ich lieber nicht spekulieren ..."
 
"Offenbar dreiundsiebzig. Siebenundzwanzig Erbsenzähler, 35 Idioten und ein Arschloch. Damit bin ich gemeint! Oh, und zwei gute Kameraden - aber das wissen sie ja sicher ..."
 
"Jemand hat den Rechner eines PR-Mitarbeiters gehackt!" schlägt der PJ vor.
 
"Ja, es scheint so. Aber ich kann nicht glauben, daß die Werbeleute die Fotos nicht geprüft haben, bevor sie sie an die Wachleute weitergaben." antworte ich. "Ich schätze, da müssen wohl alle Fotos neu ausgedruckt werden."
 
"Das geht nicht!" ruft der Chef. "Der Wachdienst hat keine Blanko-Karten mehr, und die nächste Lieferung kommt frühestens in vierzehn Tagen ..."
 
Am nächsten Tag herrscht dann auch etwas Verwirrung, als der Wachdienst die neuen Karten austeilt. Es ist lustig, irgendwie sind die Nutzer trotz der aktualisierten Fotos nicht zufrieden ...


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 02.09.1998, Übersetzung: thomas w., 2000.