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| bastard operator from hell | ||
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Weiß der B.O.F.H. etwas über das Verschwinden des Telekommunikations-
Managers, dessen Rasenmäher und die Frau, der dieser den Rasen hinterlassen hat? Ein ruhiger Morgen. Zyniker könnten freilich behaupten, das läge daran, daß ich alle Anrufe aus der Nutzerbetreuung an den Manager in der Marketing-Abteilung weiterleite, der uns in der vergangenen Woche mit der Behauptung, wie würden seinen PC nicht schnell genug aufrüsten, nervte. Offenbar konnte er nicht begreifen, daß Doom wichtiger als die Aufrüstung seines Arbeitsspeichers ist. Aber möglicherweise haben es die 71 Anrufer, die sich über ein langsames Netzwerk beschwerten, mittlerweile geschafft, etwas Weisheit in sein Gehirn zu pflanzen. Auch wenn wir die Nutzer wieder an das Netz angeschlossen haben, so sind sie doch noch immer rastlos und irgendwie verwirrt wegen eines ´Zungenproblems´ mit dem neuen Kaffee-Automaten. Im Rahmen der ziemlich unerwartet über uns gekommen Neuausstattung, zu der auch der irgendwie mißglückte neue Anstrich gehörte, haben die Mächte entschieden, die alten und verbrauchten Getränkeautomaten durch gepflegte neue zu ersetzen. Diese Entscheidung war eine angenehme Überraschung für uns unten in der Netzwerk- und Systembetreuung. Als die alten Getränkeautomaten installiert wurden, hatten der PJ und ich natürlich sofort versucht, den Knopf für ´Tee´ so umzuprogrammieren, daß er eine vegetarische Suppe liefert und der Knopf für die Suppe den gekochten Inhalt von Staubsaugerbeuteln. Unglücklicherweise war das Endprodukt unserer Bemühungen noch beliebter als das Original, so daß wir uns entschlossen, die Programmierung wieder rückgängig zu machen. Jetzt, da wir diese neuen Automaten haben, können die Nutzer nur eines sagen - nämlich, daß sie ganz bestimmt niemals das bekommen, was sie wollten, was das ganze Konzept der Neuprogrammierung doch sehr lohnend erscheinen läßt. Und die Igelfleischbrühe hat einige wohlwollende Kritiken bekommen. Ganz zu schweigen vom fröhlichen Augenzwinkern derjenigen, die wirklich glauben, daß die Aufkleber nur vertauscht wurden und sie in Wirklichkeit Rindfleischbrühe bekommen. Das Telefon klingelt und ich nehme den Hörer ab. Teilweise tue ich das, weil wir uns langweilen und andererseits, weil der PJ in der Personal-Datenbank gestöbert hat und die Anruferin hübsch genug aussieht, um ihr unsere Aufmerksamkeit zu schenken - nach dem 18. Klingeln. "Ich brauche ein E-Mail-Programm auf meinem Laptop", höre ich die Anruferin aus dem Lautsprecher reden. Etwas zu selbstsicher, wenn es nach mir geht. Der PJ prüft das Inventar und bestätigt, daß die Anruferin zu den Nutzern gehört, auf deren Tischen noch die Rechner stehen, die bei der Gründung der Firma aktuell waren. Die einzige Aufrüstung bestand darin, daß auf ihrem 386er mit 8 MB Arbeitsspeicher jetzt Windows NT läuft. "Von welchem Laptop reden sie?" "Von dem, das ich benutze, um meine Dissertation zu schreiben." "Dissertation?" "Ja, ich besuche nach der Arbeit die Abendschule." "Also handelt es sich dabei nicht um einen Computer, der der Firma gehört?" "Nun, er gehört einem Freund, aber die Dissertation ist wichtig für meine Arbeit, und die Firma bezahlt die Kurse, die ich belege." "Ich bedaure, aber wenn der Laptop nicht zum Inventar gehört, können wir ihn nicht ans Netzwerk anschließen." "Das ist kein Problem, das habe ich schon gemacht. Ich brauche nur noch ein E-Mail-Programm." "Oh, wie nett von ihnen, daß sie uns die Arbeit abgenommen haben." Dem PJ wird endlich klar, weshalb ich aufgeregt auf einen bisher unidentifizierten Punkt auf dem Netzwerkplan auf meinem Bildschirm zeige. Der Punkt repräsentiert einen Laptop, den ich mittels SNMP als ein ´Nicht vor Dezember verkaufen´-Exemplar der brandneuen Laptop-Serie identifiziere, von denen zur Zeit im ganzen Land nur ein Dutzend zum Testbetrieb ausgeliefert wurden. Offenbar muß die Anruferin mit wirklich bedeutsamen Arbeiten befaßt sein, wenn sie ein Exemplar des Laptops hat. Ich beginne damit, den Laptop über das Netzwerk auszukundschaften. "Hallo", ruft der PJ mit belustigter Begeisterung in das Telefon. "Ich habe schon davon gehört - es soll nur 11 Exemplare davon geben." "Nun, ja, eigentlich sind es 12." Ein gedämpfter Knall, der durch die Lautsprecher zu uns dringt, bestätigt, daß es sich tatsächlich um das Modell handelt, von dem berichtet wird, daß es mit einem explosiven Desktop Management Interface ausgestattet ist, das auch als Detonierende Maschinen Interrupt-Problem (DMI) bezeichnet wird. "Nein, definitiv 11", gluckst der PJ, als er den Hörer zufrieden über eine ordentlich erledigte Aufgabe wieder auflegt. Zu diesem Zeitpunkt kommt der Chef zufällig vorbei (Offenbar haben wir ihn zuletzt zu freundlich behandelt, denn er hat den mißtrauischen Blick, seine Nervosität und die Angewohnheit, unter seinen Wagen zu schauen, bevor er einsteigt, verloren - trotzdem trägt er immerhin noch Handschuhe, wenn er Türgriffe angreift.). Er sucht den Telekommunikations-Manager, der anscheinend spurlos verschwunden ist. "Es ist sehr traurig, daß er verschwunden ist." erkläre ich dem Chef. "Doch andererseits wird es ja immer weniger interessant, ob nun Daten oder Sprache übertragen wird - also ist sein Verlust vielleicht doch verschmerzbar." "Darum geht es nicht!" schäumt der Chef in seinem unübertrefflichen ´Das-ist-wirklich-wichtig´-Tonfall. "Er wurde schon seit einiger Zeit nicht mehr gesehen, und seine Frau hat sich darüber beschwert, daß das Gras zu lang ist!" Ich schlage die Gelben Seiten bei ´Psychiatrische Kliniken´ auf und reiche sie dem Chef. Er schaut mich prüfend und fragend zugleich an. "Es ist schon bemerkenswert", denke ich laut. "Es gibt einige seltsame Leute, die meinen, eine Nebenstellenanlage sei so kompliziert einzurichten, daß man die Aufgabe einem Experten aus dem eigenen Unternehmen nicht zumuten könne. Leute, die glauben, ein Telefon am Arbeitsplatz sei eine Selbstverständlichkeit und kein Privileg. Menschen, die glauben, Netzwerk-Spezialisten seien Abschaum, weil sie geplante Ausfallzeiten haben. Menschen, die nicht wissen, daß man 30.000 Volt durch eine Leitung zur Sprachübertragung schicken kann, ohne auch nur eine Leitung des verwendeten Glasfaser-LANs zu beschädigen." Jetzt weiß der Chef, daß es sinnlos wäre, seine Zeit für Aussagen wie: "Ich wußte doch, daß sie etwas vorhatten, als ich sie in der letzten Woche traf!" oder "Geht es ihm gut?" zu verschwenden. Stattdessen konzentriert er sich für ein paar Augenblicke auf das Gewicht in seinen Händen, schlägt das Buch dann schließlich zu, stellt es zurück in das Regal und lächelt dann freundlich. "Also wird er wohl seinen Rasenmäher nicht so bald zurückverlangen, oder?" |
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© Simon Travaglia, 19.08.1998, Übersetzung: thomas w., 2000. |
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