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| bastard operator from hell | ||
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Als das Gebäude in den blitzenden Farben aus dem Teletubby-Land erstrahlt, gibt es nur einen Weg, den alten Zustand wiederherzustellen ...
Ich komme rechtzeitig zum Morgentee zur Arbeit, als mein Blick auf den Boden fällt, den ich mir mit dem PJ teile. Noch bevor ich das Foyer durchquert habe, habe ich mein Handy aus der Tasche geholt und rufe den PJ an. "Hallo, nigerianische Botschaft", meldet er sich mit der in dieser Woche aktuellen Ansprache. "Sie erraten niemals, was sie im Flur anstellen!" rufe ich. "Sie malen die Wände mit Leuchtfarbe orange an?" fragt er. "Oh, natürlich, sie haben ja die Überwachungskameras. Wo habe ich nur meine Gedanken?" "Ja, und nicht nur das!" "Was?" "Nun, wollen sie die gute oder die schlechte Nachricht zuerst hören?" fragt der PJ verspielt. "Die gute Nachricht ..." antworte ich und nehme zur Abwechslung einmal den Lift. "Die gute Nachricht ist, daß es nur eine schlechte Nachricht gibt." "In Ordnung, die schlechte Nachricht bitte." "Die Maler haben in der vergangenen Nacht in der vierten Etage angefangen." "Wie schlimm ist es?" frage ich, als sich die Lifttüren öffnen und meine Frage beantworten. Ich starre auf ein Büro, das wie das Innere einer Bräunungslampe aussieht. Der Chef kommt herbeigeschlendert und lächelt wohlwollend - oder ist es ein boshaftes Grinsen? "Furchtbar, nicht wahr?" fragt er mit belegte Stimme. Ah! Was ich als wohlwollendes Lächeln interpretiert hatte, war in Wirklichkeit ein stilles und kummervolles stilles Jammern. Es ist zur Zeit leicht, den Chef, der sich gerade von seinen Verletzungen erholt hat, falsch einzuschätzen. "Wer hat das getan?" frage ich. "Die Eigentümer des Gebäudes", antwortet der Chef. "Sie haben damit auf eine Anfrage des mittleren Managements reagiert. Doch das ist noch nicht alles. Die Lieferanten haben gerade angerufen und mitgeteilt, daß unsere violetten Teppiche angekommen sind." Ich kämpfe gegen den Brechreiz und schaffe es, ein "Warum?" hervorzubringen. "Wegen dieser Studie", ruft der PJ und hält einen zerknitterten Fetzen hoch, den ich als Manager-Magazin identifiziere. "Hier wird behauptet, daß bestimmte Farben dafür sorgen, daß die Mitarbeiter produktiver und energiegeladener an die Arbeit gehen." "Ja, waren das nicht hellblaue und rosafarbene Bemalungen?" "Nein", erwidert der PJ und erinnert sich an bestimmte Abschnitte des Artikels. "Hellblau und rosa fördern eine ruhige Arbeitsweise - was, ganz nebenbei, die neuen Farben ihres Büros sind." "Sie machen einen verdammten Scherz!" "Nein. Oh, ich habe wohl gelogen, als ich sagte, es gäbe nur eine schlechte Nachricht." Ich renne in mein Büro um nachzusehen. "Ja, ja, ich sehe, was sie meinen", sage ich und lehne mich in meinem Stuhl zurück. "Es ist etwas ruhiger als das metallische Grau, das wir vorher hatten. Irgendwie beruhigt es wirklich." "Es ist nicht gut, sich hier aufzuhalten", kommentiert der PJ. "Es ist gefährlich - erinnern sie sich an die Ionengeneratoren ...?" Wie könnte ich die Ionengeneratoren vergessen? Das Management hatte geplant, durch die Erzeugung negativ geladener Ionen und deren Verteilung über die Klimaanlage dafür zu sorgen, daß der PJ und ich netter zu unseren Klienten sind. "Der Computer-Raum!" rufe ich. Der PJ, der Chef und ich flüchten in die klinische Sauberkeit des Computer-Raumes mit seinen rohen grauen Wänden. "Viel besser!" Durch das Fenster der Brandschutztür sehe ich die Mitarbeiter der IT-Abteilung ihrer routinemäßigen Arbeit nachgehen, ohne daß sie sich gegen die Wirkung der neuen Wandfarben wehren könnten. "Arme Schweine!" ruft der PJ. "Sie sind verloren! Wir müssen uns zunächst um unser Wohlbefinden kümmern!" erklärt der Chef und gibt damit exakt meine Gedanken wider. (Was mich übrigens etwas verwundert. Aber jetzt fällt mir ein, daß sein Büro ja schon immer diese bläulich-pinkfarbenen Wände hatte ...) "Hm, mal nachdenken ..." murmle ich, um herauszufinden, ob der Chef uns nicht hereinlegen will. "Was könnte man da tun?" So geht das noch ein paar Minuten, dann wirkt das Grau der Wände auf den Chef und er hat eine Idee. "Ein Feuer!" ruft er, worauf ich mir vornehme, seinen Nachfolgern pro Woche eine Stunde Therapie im Computer-Raum zu verordnen. "Nein! Das funktioniert nicht - die Feuerlöscher würden es sofort löschen." "Das ist es!" antworte ich. "Und all das Wasser an den semi-therapeutischen Wänden ..." "Das würde sie nie abwaschen!" wendet der PJ ein. "Das muß es ja auch nicht! Es genügen ein paar Flecke ..." "... die einen neuen Anstrich nötig machen würden!" vollendet der PJ. Während der PJ und der Chef ihr ´Dick und Doof´-Spiel vollenden, entferne ich die Vertäfelung von der Wand. "Was tun sie da?" fragt der Chef verwirrt. "Ein kleines Feuer ist zwar gefährlich, aber es hilft uns nicht unbedingt weiter ..." beginne ich und überlasse dem PJ die Vollendung des Satzes. "... ebenso wie ein großes Feuer. Wir brauchen ein kleines Feuerchen am richtigen Ort." "Und wo ist der?" "Hier ..." rufe ich und reiße weitere Platten von der Wand, um die dahinterliegende Rohrleitung freizulegen. "Die Klimaanlage ..." "Damit kann der Rauch im gesamten Gebäude verteilt werden!" ruft der PJ begeistert. "Freunde, Kameraden", rufe ich. "Leiht mir eure Jacken und Schuhe!" "Werden wir sie zurückbekommen?" fragt der Chef dümmlich. Ich schaue mich ein wenig in der Leitung um, dann stopfe ich die Jacken, Schuhe, ein paar Inventarlisten, einige Sicherungsbänder ein paar Liter Reinigungsflüssigkeit in Plastikflaschen und - alte Gewohnheiten wird man so schnell nicht los - die Brieftasche des Chefs in die Öffnung. "Löschgas!" rufe ich. Der PJ springt los und schaltet den Feueralarm ein. "Was tun sie da?!" schreit der Chef entnervt. Nichts passiert. "Ein kleiner ´Fehler´ in der Verkabelung." erklärt der PJ. "Wenn der Feueralarm eingeschaltet wird, wird zugleich das Gas zum Feuerlöschen blockiert, während man das Löschgas abschalten muß, um es ausströmen zu lassen." "Ihr ´Fehler´?" fragt der Chef. "Sie sind zu freundlich", grinse ich und werfe das brennende Streichholz in das Loch und bringe die Verkleidung wieder an. Schneller als man fragen kann "Ist das der Feueralarm?" leuchten alle Lämpchen an der Kontroll-Konsole der Feuermelder auf, während das Echo der Alarmsirenen an unsere Ohren dringt. "Auf die neuen Farben!" rufe ich, hebe eine Abdeckplatte am Boden auf und hole aus dem Hohlraum darunter drei Flaschen Bier, die genau die richtige Temperatur haben, hervor ... "Prost!" rufen der Chef und der PJ gemeinsam. Und da behaupten manche tatsächlich, Orange würde das Zusammengehörigkeitsgefühl steigern ... |
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© Simon Travaglia, 05.08.1998, Übersetzung: thomas w., 2000. |
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