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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Während der PJ Feuer und Flamme für Carole ist, legt jemand Feuer in der Außenstelle in Wales. Doch diese Vorfälle sind bedeutungslos gegenüber dem großen Meisterplan ...

Es ist früher Morgen, als der Chef in ausgesprochen mieser Stimmung in das Büro platzt.
 
"In Ordnung, wer von ihnen beiden hat dem Berater in unserer walisischen Außenstelle gesagt, sie könnten seine Datenbank-Dateien nicht aus dem Backup auf dem Magnetband wiederherstellen, da das Band zu kalt ist?"
 
"Wie war das?" frage ich unschuldig. Und da mein Gewissen wirklich rein ist, kann das nur der PJ gewesen sein.
 
"Wer hat den Walisern gesagt, sie sollten das Band erst in einem Toaster erwärmen, bevor sie die Datenbank mit den offenen Rechnungen wiederherstellen können?"
 
"Ich habe keine Ahnung, wovon sie reden!" rufe ich und spiele die Rolle des Unschuldslamms weiter, wobei ich es natürlich vermeide, den PJ in irgendeiner Weise zu belasten.
 
"Kommen sie mir nicht damit! Sie hätten beinahe die ganze Außenstelle in Brand gesteckt mit ihrem Vorschlag, einen Stapel Druckerpapier auf den Toaster mit dem Band zu legen!"
 
"Das hätte ich niemals getan!" rufe ich. Insgeheim bewundere ich freilich den Einfallsreichtum meines Kollegen.
 
Zehn Minuten später hat sich der Chef verkrümelt, und der PJ und ich sind wieder allein.
 
"Gute Arbeit", wende ich mich an den PJ als ich sicher bin, daß uns niemand belauscht.
 
"Wovon reden sie? Ich wollte gerade IHNEN gratulieren!" erwidert er.
 
"Wollen sie damit sagen, daß sie es wirklich nicht waren?"
 
"Nein!" beteuert er.
 
"Aber wer zum Teufel war es dann?" frage ich mich laut.
 
"Können wir das wirklich nicht herausfinden?"
 
"Ach, machen sie sich darüber keine Gedanken, holen sie einfach die gestrigen Bänder aus dem Gesprächsrekorder, während ich mich um die Protokolle der Telefongespräche kümmere."
 
"Welche Gesprächsprotokolle? Ich dachte, wir überwachen nur die Verhandlungen mit Lieferanten?"
 
"Das ist das, was jeder glaubt, daß wir nämlich keine Gespräche überwachen - es ist ja auch unmöglich."
 
"Und was glauben wir?"
 
"Jeder Anruf, dessen Dauer, die angerufene Nummer und die Position auf den Bändern. Und was die Bänder angeht, die großzügige Anwendung der Lautstärkeregelung sorgt dafür, daß es so aussieht, als würden wir nur die Händler aufnehmen."
 
"Und wie sieht es wirklich aus?"
 
"Wir überwachen alle Anschlüsse bis auf einen ..."
 
"Bis auf einen?"
 
"Ja, den in unserem Büro, der als ´Faxmodem´ beschriftet ist und den wir für unsere privaten Auslandsgespräche nutzen."
 
Eine knappe Viertelstunde später haben wir den Anruf aus Wales gefunden, und beim Abhören der Gesprächsaufzeichnung finden wir auch schnell heraus, daß der Bösewicht die zuletzt eingestellte Mitarbeiterin der Nutzerbetreuung ist - eine Mitarbeiterin, die beim Einstellungsgespräch alle Merkmale einer unterwürfigen Schleimerin gezeigt hatte, deren einziger Lebenszweck darin besteht, den Nutzern zu helfen.
 
Ich rufe in der Nutzerbetreuung an, lasse mich mit ihr verbinden, stelle mich vor und spiele ihr den Mitschnitt vor.
 
Eine plötzliche Stille am anderen Ende bestätigt meine Vermutungen, während der PJ die Datenbank der Personal-Abteilung durchsucht, um ihrem Namen ein Gesicht zu geben.
 
"Ah, wenn sie gestatten, kümmere ich mich um die Sache", schlägt er plötzlich vor und dreht seinen Monitor so, daß ich ihn nicht sehen kann.
 
Das hätte vielleicht funktioniert, wenn ich nicht PC Anywhere installiert hätte und ein Fenster auf meinem Desktop mir immer zeigen würde, was er sieht. Ein kurzer Blick darauf genügt, um den Grund für den erwachenden Altruismus des PJs zu erkennen.
 
"Ich glaube, ich kann mich ebenso um den Monitor von Carole kümmern wie sie." Antworte ich.
 
"Ihr Monitor ist nicht defekt!" ruft der PJ, der ernsthaft um die von ihm offenbar langfristig angestrebte Liebesbeziehung zu Carole fürchtet, wenn sie mich trifft. Ganz besonders, wenn ich auf ihre Fragen nach seinem Verbleib vielleicht sagen würde: "Einsatzbesprechung mit dem neuen Schönling aus der Nutzerbetreuung" ...
 
"Nein, aber Vorsicht ist besser als Nachsicht. Ich werde mich jetzt darum kümmern."
 
"Sie Bastard!" murmelt er niedergeschlagen.
 
"Durch und durch, in ihrem Home-Verzeichnis und in ihrer E-Mail!" rufe ich und beginne meinen Siegeszug zur Nutzerbetreuung.
 
Ein kurzes Gespräch mit der besagten Frau läßt mich eine Blutsverwandte erkennen - ein technikverliebtes Lebewesen, das diese Arbeit nur angenommen hat, um die Rechnungen bezahlen zu können ...
 
"Also arbeiten sie nicht gern mit den Nutzern?"
 
"Besonders nicht mit denen aus Wales. Sie bekommen keine technische Unterstützung und ihre Ausrüstung hat noch immer die Aufkleber aus der Zeit der Arche Noah."
 
"Ja, das ist unser System zur Wiederverwendung der Technik. Unsere veraltete Technik liefern wir nach Schottland, und sie schicken ihre ausgemusterte Technik nach Wales."
 
"Das ist eine verdammte Schufterei, besonders dann, wenn sie einen Berater an der Leitung haben, der die beiden Enden eines Netzkabels nicht voneinander unterscheiden kann."
 
"Aber es gäbe da eine Möglichkeit." antworte ich und schildere ihr meinen Plan ...
 
Zwei Tage später liest der PJ die E-Mails des Chefs, als ...
 
"VERDAMMT!" ruft er. "Diese Frau wird nach Wales versetzt! Sie müssen herausgefunden haben, daß sie für die Anrufe verantwortlich war. Das ist grausam."
 
"Nein", erwidere ich. "Sie wollte die Versetzung. Wenn sie es erst einmal schafft, ihren neuen Arbeitsplatz etwas umzugestalten und die neue Technik eingerichtet hat, kann sie ihre Arbeit von London aus über das Netzwerk erledigen ..."
 
Unser Gespräch wird vom Chef unterbrochen.
 
"Ich dachte nur, ich sollte vorbeikommen und mich entschuldigen. Es hat den Anschein, daß ich etwas vorschnell war, als ich sie beschuldigte, die Filiale in Wales zu sabotieren."
 
"Ach, wirklich?" antworte ich.
 
"Ja, anscheinend ist der technische Berater dort ein Pyromane - die Leute vom Wachdienst fanden ihn in der vergangenen Nacht, wie er Feuerzeugbenzin in den Anwendungsserver sprühte. Er wollte sich tatsächlich damit entschuldigen, daß jemand aus der Nutzerbetreuung ihm etwas von einer zu niedrigen Betriebstemperatur für die CPU erzählt hat."
 
"Schrecklich."
 
"Ich weiß. Wie auch immer, ich wollte sie nur informieren", seufzt er und watschelt davon ...
 
"Vorwärts WVBN!" rufe ich.
 
"WVBN?"
 
"Weltweites Virtuelles Bastard Netzwerk. Mein großer Plan!"
 
"Uh-ohh ..."


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 15.07.1998, Übersetzung: thomas w., 2000.