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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Wird der B.O.F.H. den RoboChef auch beim diesjährigen Gladiatorenkampf mit den Jungs aus der Forschungs- und Entwicklungs-Abteilung einsetzen? Oder wird ein mutierter Flurpolierroboter das Derby gewinnen?

Es ist wieder soweit! Die Netzwerk- und Systembetreuung gegen die Forschungs- und Entwicklungs-Abteilung. Nein, kein simpler Wettkampf darum, wer das meiste Abführmittel in den Wasserspender des anderen Teams schmuggeln kann - auch wenn das ein Riesenspaß ist, wenn man jemanden in der Fabrik kennt, in der das Mineralwasser abgefüllt wird. Nein, es geht um ein Spiel für echte Könner - einen Roboterkrieg!
 
Der PJ und ich liefern uns jährlich die Schlacht mit den Leuten aus der Abteilung für Forschung und Entwicklung. Die Regeln sind einfach: beide Teams treten mit einem oder mehreren Robotern, die selbständig den Weg durch ein recht einfaches Labyrinth finden müssen, das aus Räumen und Gängen im Kellergeschoß besteht, an.
 
Der PJ ist wirklich begeistert, da dies sein erster Roboterkrieg ist..
 
"Das ist also eine jährliche Veranstaltung?" will er wissen, während er mit mir an unserem mechanischen Teilnehmer schraubt.
 
"Seit dem vergangenen Jahr."
 
"Ich kann mich gar nicht daran erinnern."
 
"Natürlich nicht, sie waren ja auch nicht da."
 
"Was?"
 
"Auf einer Vergnügungsreise."
 
"Oh, und wie haben wir abgeschnitten?"
 
"Nun, wie ich das beurteile, haben wir fair und überzeugend gewonnen - keiner der sieben Roboter der Forschungs- und Entwicklungsabteilung war schließlich noch im Spiel, trotzdem gab es wohl einige Proteste wegen meines Roboters."
 
"Warum?"
 
"Aaaahhh, weil es eigentlich der Chef war, dem ich eine Autoantenne auf den Rücken gebunden hatte, der sich auf der Suche nach seinem neuen Laptop in der Dunkelheit des Kellergeschosses verirrt hatte."
 
"Und er hat gewonnen?"
 
"Ja, dabei gab es gar keinen Laptop; und als seine Begeisterung abnahm, habe ich das Licht aus- und den Feueralarm eingeschaltet, was seine Geschwindigkeit dramatisch erhöhte."
 
"Und worüber haben sie sich beschwert?"
 
"Nun, da gab es eigentlich zwei Beschwerden - erstens, weil der Chef blindlings herumtappte und dabei ihre Roboter zerstörte (was uns freilich dabei half, den Wettbewerb zu gewinnen) und zweitens, weil der Chef gar kein Roboter war."
 
"Und was ist passiert?"
 
"Ich habe ihnen bewiesen, daß er, unter Berücksichtigung aller notwendigen Fakten, ein Roboter war - er verfügt über einen endlichen Vorrat an einfach auszuführenden Befehlen und man muß ihn mit Informationen füttern, ohne die er nicht selbständig handeln kann ..."
 
"Stimmt. Und weshalb lassen wir ihn in diesem Jahr nicht wieder antreten?"
 
"Hm. Nun, die Regeln sind in diesem Jahr etwas strenger. Der Roboter muß auf dem Prozessor basieren, den die Abteilung Forschung und Entwicklung für diese automatischen Polierroboter entwickelt hat."
 
"Die Roboter, die in der Nacht auf zufälligen Routen durch das Gebäude huschen?"
 
"Genau die."
 
"Und wofür ist all dieser Müll?" fragt er und deutet auf den Haufen Elektronik, der für die Eröffnung eines eigenen Geschäfts ausreichen würde.
 
"Nun, zum diesjährigen Kampf gehört ein Demolierwettbewerb, der überlebende Roboter wird zum Gewinner erklärt. Und ich denke mir, je größer der Roboter ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, daß er am Ende noch mobil ist."
 
"Also benutzen wir dieses große Regal auf Rädern?"
 
"Ja. Erstens wird es vor dem Wettkampf nicht besonders auffallen und zweitens fordern die Regeln, daß die Stromversorgung durch Batterien erfolgen soll. Und ich brauche eine Menge Energie, um die rotierenden Sägeblätter zu betreiben. Und drittens ist es ein über ein Meter langes Fahrgestell, das den Wettkampf einfach gewinnen muß, reichen doch die größten Roboter der anderen nur etwa bis zu seiner halben Höhe."
 
"Wo haben sie all die Batterien her, die sie dafür brauchen?"
 
"Oh, die habe ich in der vergangenen Nacht von der Unterbrechungsfreien Stromversorgung geborgt."
 
"Hat das niemand bemerkt?"
 
"Nein, ich habe die USV abgeschaltet - da kann es auch keine Fehlermeldungen geben. Wie auch immer, jetzt muß ich nur noch diesen Prozessor mit dem modifizierten Programm zur Navigation durch ein Labyrinth und die Batterien einsetzen. Und noch ein wenig Ballast ..."
 
"Zauberhaft!"
 
Drei Nächte später treffen wir im Keller die Jungs aus der Forschung und Entwicklung, die ihre Roboter vorbereiten, während wir auf unserem sitzen. Einiges Geld scheint in einem Roboter mit dem Namen "Reggie" zu stecken, da er besonders schnell um die Ecken flitzen kann.
 
"Ich schätze, damit haben sie einen Punkt Vorsprung", murmelt der PJ, nachdem er eine Vorführung der Fähigkeiten des Roboters gesehen hat. "Er ist schneller in den Ecken als unser ´Kleiner´ jemals sein kann."
 
"Au contraire!" antworte ich. "Sie vergessen zwei wichtige Punkte, die ich ihnen noch nicht mitgeteilt habe; mit den 20 USV-Batterien und den vier von jeweils einem Präzisionsmotor getriebenen Rädern ..."
 
"Fünf ..." beginnt der Starter zu zählen.
 
"... verfügt unser Teilnehmer über eine phänomenale Beschleunigung ..."
 
"Vier ..."
 
"Aber er kann trotzdem nicht so schnell wenden!"
 
"Drei ..."
 
"Das ist der zweite Punkt: mit all seinem Gewicht ..."
 
"Zwei ..."
 
"Ja?"
 
"Eins ..."
 
"... wäre es glatte Zeitverschwendung, als Favorit um die Ecken zu fahren ..."
 
"Los!"
 
Zehn Minuten später sind der PJ und ich auch schon in der Kneipe. Zugegeben, die Idee, den Roboter einfach durch die Wände rollen zu lassen, gehört wohl nicht zu den naheliegendsten, doch sie hat ihren Erfolg deutlich unter Beweis gestellt.
 
"Wer hätte auch ahnen können, daß der Roboter Amok laufen würde und mit den rotierenden Sägeblättern die Hauptleitung der Energieversorgung durchtrennen würde?" frage ich den PJ.
 
"Zumindest nicht ernsthaft", bestätigt der PJ und wedelt zufrieden mit der Siegprämie, die die Leute der Forschungs- und Entwicklungs-Abteilung in ihrer Panik vergessen haben ... "Er hätte doch auch das andere Team durch das Gebäude jagen können ..."
 
"Nein, nein!" rufe ich. "Das heben wir uns als Überraschung für das nächste Jahr auf ..."


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 08.07.1998, Übersetzung: thomas w., 2000.