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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Um der Langeweile der Routine zu entgehen, meldet sich der B.O.F.H. freiwillig für die Nutzer-Betreuung. Doch ist er noch clever genug, es mit den Problemchen der Nutzer aufnehmen zu können?

Es ist ein ruhiger Nachmittag, als der Chef betont unauffällig hereinschlendert und zu meinem Tisch schleicht.
 
"Ich wollte ihnen nur sagen, daß ich die kleine Verwechslung im Dienstplan der Nutzer-Betreuung berichtigt habe." murmelt er leise.
 
"Welche Verwechslung im Dienstplan?" will ich wissen.
 
"Oh, irgendein Witzbold hat ihren Namen auf den Dienstplan der Nutzer-Betreuung gesetzt, wenn diese ihr Wochenende zur Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls abhält."
 
"Stimmt. Das war ich. Ich glaube, ich fange in der Mittagszeit an und arbeite dann bis fünf Uhr, wenn ich mich nicht irre. Ich freue mich schon darauf."
 
"Ah!" ruft der Chef und reißt blitzschnell sein Handy aus der Tasche, um per Schnellwahl die Versicherung der Firma anzurufen.
 
Der PJ wirkt verunsichert - es gibt in der Nutzer-Betreuung keine Technik mehr, die uns begehrenswert erscheint, da wir alles brauchbare mitgenommen haben, als der Sicherheitsdienst die ausgefallenen Überwachungskameras reparieren ließ. Die Wahrheit ist - ich langweile mich. Langeweile, Langeweile, Langeweile.
 
Und deshalb beherzigte ich den Ratschlag, daß ein kleiner Ortswechsel die gleiche Wirkung hat wie ein Urlaub, als ich mich für einen vierstündigen Aufenthalt in der Schaltzentrale der Idioten einschrieb. Und nebenbei will ich herausfinden, ob ich es noch schaffe, den Nutzern, die mich wegen irgendwelcher Probleme mit ihren Programmen anrufen, die richtigen Antworten zu geben.
 
Der nächste Tag bricht an und pünktlich nach dem Mittagessen steuere ich direkt die Nutzer-Betreuung an, um mein Bestes zu geben. Natürlich für unsere Nutzer. Und um ehrlich zu sein, es ist nicht einmal halb so schlimm wie ich annahm - es ist sogar himmlisch ruhig.
 
Und so schließe ich sogar die Telefone wieder an, worauf die Warteschlange mir drei Anrufe meldet. Ich wähle zufällig einen aus und melde mich.
 
"Hallo, wissen sie, mein Rechner raucht ein wenig und es riecht verbrannt. Als ich ihn heute einschaltete, gab er schon so komische Geräusche von sich. Sollte ich ihn nun besser ausschalten?"
 
"Nein. Machen sie sich keine Sorgen - wir hatten heute ein paar Ausfälle in der Systembetreuung, wo wohl ein paar Sicherungen eines Servers durchgeschmort sind, der Rauch und der Brandgeruch dürften durch den Kabelschacht zu ihnen gekommen sein."
 
"Gibt es etwas, das ich tun sollte?"
 
"Nein, eigentlich nicht. Ich würde an ihrer Stelle die Bürotür schließen und zum Nachmittagstee gehen, bis der Rauch sich verzogen hat - etwa eine Stunde, schätze ich."
 
"Halt, warten sie! Wieso ist nichts mit den anderen Rechnern passiert?"
 
"Weil sie gerade mit dem Backup-Server ihrer Abteilung verbunden sind, der heute die Probleme mit den Sicherungen hatte."
 
"Oh, natürlich!" stimmt mir der Anrufer beinahe begeistert zu, bedankt und verabschiedet sich in eine frühe Pause.
 
Da ich jetzt nur noch über begrenzte Zeit verfüge (bis der Feueralarm die Sprinkler auslöst), entschließe ich mich, die letzten beiden Anrufe so schnell wie möglich zu bearbeiten.
 
"Hallo", zwitschert eine Sekretärin aus der PR-Abteilung. "Immer dann, wenn ich eine E-Mail abschicke, meldet das Programm etwas über Probleme mit diesem DNS-Zeug."
 
"Stand da etwas wie ´DNS Zuordnungsfehler´?"
 
"Ja ... ich glaube, das stand da." murmelt sie.
 
"Oh, meine Liebe", seufze ich. "Das tut mir aber leid."
 
"Was, was ist?"
 
"Sie meinen, sie wissen das nicht?"
 
"Nein, was?"
 
"Nun, DNS steht für Datenbank der Namen und Saläre."
 
"Das verstehe ich nicht."
 
"Nun, wenn sie nicht der Datenbank zugeordnet werden können, wenn sie eine E-Mail verschicken wollen, dann kann das nur bedeuten ... nun, sie sind wohl gefeuert. Oder man wird sie demnächst noch entlassen."
 
"Aber ich bin doch erst seit ein paar Monaten hier!"
 
"Ja, aber ich wette, sie haben ihren Chef verärgert, als sie es ablehnten, ihn zum Mittagessen zu begleiten, oder?" frage ich und deute dabei nur die Aufreißerklamotten und das Cabrio ihres Chefs richtig. Und seine aufdringliche Art, sich um die vermeintlichen Probleme der weiblichen Belegschaft zu kümmern. Nicht daß ich eifersüchtig wäre, aber ...
 
"Aber das konnte ich doch nicht machen, weil ich mich um die Rechnungen von der Bank kümmern mußte!" schnieft sie zutiefst verunsichert.
 
"Nun", antworte ich freundlich. "Soweit ich sie kenne, war es angenehm, mit ihnen zu arbeiten ... Ich werde sie vielleicht ein wenig vermissen, es sei denn ..."
 
"Es sei denn was?"
 
"Nun, sie könnten sich in der Personalabteilung darüber beschweren, daß er ihnen damit gedroht hat, sie zu feuern, wenn sie nicht ... nun, sie wissen schon."
 
"Was? Was?"
 
"Naja, seine Ausrüstung bewundert haben, sozusagen ..."
 
"Was!"
 
"Nun, es liegt bei ihnen. Wenn sie warten, bis sie gefeuert werden, dann wird jeder denken, sie suchten nach Ausreden. Wenn sie sich aber jetzt schon beschweren und nichts über die DNS-Sache verlauten lassen, werden alle denken, ihre Vorwürfe würden stimmen."
 
"Glauben sie, daß das funktionieren kann?"
 
"Ich denke schon. Es wäre ja nicht gerade eine Premiere, wissen sie. Sie hätten dabei nur mehr Glück als ihre Vorgängerinnen ..."
 
"Ich glaube, sie haben recht. Gut, ich werde es so machen. Vielen Dank für ihren Rat."
 
"Keine Ursache, dafür sind wir ja da." erwidere ich und wende mich dem dritten Anrufer zu, während ich dem PJ mit Gesten zu verstehen gebe, er solle schon einmal die ´Kündigung´ des Chefs der PR-Abteilung vorbereiten.
 
"Hallo, mein Linux scheint die CD im Laufwerk nicht mounten zu wollen. Es verlangt, daß ich die CD ´read only´ mounte. Welchen Parameter muß ich dazu angeben?"
 
"Linux basiert auf einem Hardware-Schreibshutz. Sie müssen die CD selbst mit einem Schreibschutz versehen."
 
"Was? Davon habe ich noch nie gehört!"
 
"Nun, die meisten Betriebssysteme machen das tatsächlich mit spezieller Software, doch Linux arbeitet mit einer offenen hardwarebasierten Cache-Technologie", antworte ich und überzeuge ihn mit ein paar Schlüsselworten von der Richtigkeit meiner Ausführungen.
 
Mit anderen Worten: *DUMMY MODUS EIN*
 
"Und was soll ich tun?"
 
"Machen sie einfach ein drei Millimeter großes - aber nicht größer! - Loch in die CD. Genau in der Mitte zwischen dem Rand und dem Loch in der Mitte. Dort wird nämlich der Schreibschutz erwartet. Aber denken sie daran, daß das Loch nicht größer sein darf und genau in der Mitte liegen muß, da sie sonst auch den Leseschutz aktivieren könnten."
 
"Oh ... In Ordnung ..."
 
Er legt auf, ohne danach zu fragen, wieso jemand lesegeschützte CDs benutzen sollte, und entgeht damit meiner Erklärung der WORN-Technologie (Write once, never read - wie bei den normalen Disketten).
 
Als der Feueralarm dann losgeht, blicke ich auf meine Tagesleistung zurück: früherer Feierabend wegen eines Feuers, ein eitler Gockel weniger und ein übertölpelter UNIX-Fanatiker.
 
Ja, ich glaube, ich kann es noch!


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 01.07.1998, Übersetzung: thomas w., 2000.