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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Der B.O.F.H. erklärt seine neue ´Manager-Gedächtnis-Theorie´ dem PJ, der ihr skeptisch folgt - bis der Chef hereinkommt ...

"Also, wer sollte doch gleich überflüssig werden?" fragt der Chef und bricht damit die Stille nach meiner Präsentation.
 
Es ist ruhig in dem Raum, während der Chef und der Rest des mittleren Managements auf die Antwort auf diese schwierige Frage warten.
 
"Niemand wird überflüssig", schäume ich leicht verärgert. "Ich habe über unsere Technik gesprochen, über Router und Switches. Ich möchte einen Router durch zwei Switches ersetzen, so daß beim Ausfall eines Switches der andere in Aktion tritt, der dann dessen Kernaufgaben übernehmen kann."
 
"Zwei Switches, die die gleiche Sache erledigen." sagt der Chef.
 
"Ja, die gleichen Kernaufgaben."
 
"Wie zwei Lichtschalter an den entgegengesetzten Enden eines Ganges?"
 
"In etwa, ja."
 
"Wenn also der eine eingeschaltet ist, muß der andere abgeschaltet sein, damit das Licht brennt?"
 
Seufz.
 
Als wir später in unserem Büro sind, erkläre ich dem PJ meine Theorie von der Leistungsfähigkeit eines Manager-Verstandes, da er keine Ahnung zu haben scheint, wieso die Präsentation so schnell an Niveau verlor.
 
"Manager sind von ihrem Kurzzeitgedächtnis abhängig." beginne ich. "Die erste Regel besagt, daß es gerade ausreicht, um zwei technische Fachbegriffe zu speichern. Erwähnen sie einen technischen Ausdruck und sie werden ihn speichern. Nennen sie einen weiteren, landet er ebenfalls im mentalen Speicher, doch beim nächsten Begriff kommt es zum Speicherüberlauf und einem Neustart. Deshalb denken sie immer daran, was sie nach der Arbeit machen können, wie weh ihnen ihr Hintern tut oder ob die Bluse der Marketingassistentin wohl durchsichtig sein wird und so weiter."
 
"Doch dann müßte ihr Gehirn doch ständig Neustarts durchführen." sagt der PJ.
 
"Ich glaube nicht. Regel 1 Abschnitt B befaßt sich mit Speicherverlusten. Technische Begriffe verschwinden aus dem Gedächtnis mit der Geschwindigkeit von etwa einem Begriff pro Satz."
 
"Oh."
 
"Die zweite Regel besagt, daß der verfügbare Platz für einen technischen Ausdruck begrenzt ist - er ist jämmerlich klein. Deshalb werden die Fachausdrücke komprimiert, damit sie in den Speicher passen. Ich sage ´Diskettenzugriffs-Such-Latenz´ und sie hören ´Disketten-Latex´, ´Suche Latex´ oder ähnliches."
 
"Also wollen sie damit sagen, daß sie von ihrer Präsentation nicht viel verstanden haben? So dumm können die Manager doch aber auch nicht sein." kommentiert der PJ.
 
Oh, diese Unschuld ...
 
"Womit wir bei der dritten Regel wären", erwidere ich. "Nach dem Neustart des Verstandes ist der Speicher nicht leer, was bedeutet, daß sich Fragmente völlig zufällig miteinander verbinden, was dann zu ´Suche eine durchsichtige Latexbluse´ führen kann."
 
"Aha." erwidert der PJ, der mir noch nicht ganz glaubt.
 
Ich glaube, er braucht einen Beweis meiner Theorie ...
 
"Nun, wenden sie meine Regeln auf die folgenden Sätze an. Nehmen sie ein Blatt Papier als Manager-Verstand."
 
"In Ordnung." akzeptiert der PJ die Herausforderung.
 
"Ich glaube, wir brauchen redundante Switches ..."
 
Sorgfältig schreibt der PJ ´redundante Switches´ auf sein Blatt.
 
"Sie haben die zweite Regel vergessen", erinnere ich ihn.
 
Der verbessert sich: ´Rede über Swatch´.
 
"... die wir dynamisch routen können ..."
 
Der PJ schreibt: ´Dynamo-Route´.
 
"... was uns erlauben würde, multi-home ..."
 
´Mein Hintern tut weh´ schreibt der PJ und streicht alles andere durch.
 
"Korrekt", kommentiere ich. "Und was bleibt nach dem Neustart davon übrig?"
 
"Ich brauche eine Swatch für den Mann mit dem Root-Passwort."
 
"Klingt vernünftig, wenn sie mich fragen."
 
"Das ist doch Unfug!" plappert der PJ, um vom Chef unterbrochen zu werden, der seinen Kopf durch die Tür steckt und hereinkommt.
 
"Tut ihr Hintern auch weh?" fragt er, als er die Notizen des PJs sieht. "Meiner hat während der ganzen Präsentation geschmerzt. Ach so, wer von ihnen brauchte die neue Uhr?"
 
Triumphierend lächle ich den PJ an.
 
"Das bin ich", sage ich und grabsche mir ein neues Schmuckstück für mein Handgelenk.
 
"Wofür brauchten sie die Uhr doch gleich?"
 
"Oh, ich benutze sie, um die Leistungsfähigkeit des L2-Caches auf den neuen symmetrischen Multiprozessor-Maschinen zu testen."
 
*NEUSTART*
 
Wenn der Chef eine Anzeigemöglichkeit hätte, würde ich jetzt gern einen Test seines Gedächtnisinhaltes vornehmen ...
 
"Wie war das?" fragt er.
 
"Ich sagte nur, daß ich einen Dual-Port-PC brauche, um die Lempel-Ziv-Komprimierung durchzuführen - anscheinend ein neuer Algorithmus."
 
*NEUSTART*
 
"Zyklische Redundanzprüfung! Elektrisch löschbare EPROMs! Voraussschauende Lesezugriffe!" sage ich schnell, bevor der Chef sich wieder sammeln kann.
 
Jetzt hat er einen seltsam entrückten Ausdruck in seinen Augen.
 
"Was ist passiert?" fragt der PJ und fuchtelt mit seinen Händen vor dem Gesicht des Chefs herum.
 
"Oh, davon habe ich auch schon gehört", antworte ich. "Er ist im Neustart-Modus steckengeblieben. Ich glaube, wir müssen ihm helfen."
 
"Und wie sollen wir das machen?" Der PJ sieht besorgt aus.
 
"Oh, das ist einfach. Geben sie ihm einen Tritt ..."
 
"Das kann ich nicht", jammert der PJ.
 
"Das oder er wird den ganzen Tag lang so vor ihrem Tisch stehen ..."
 
Widerwillig verpaßt der PJ dem Chef einen Tritt in den verlängerten Rücken. Der Chef geht zu Boden.
 
"Was ist passiert?" ruft er, als er wieder auf die Füße kommt.
 
"Sie sind gerade ohnmächtig geworden und auf die Ecke des Tisches gefallen. Und dabei haben sie den Schluß meiner Darlegungen über den Einsatz einer Level 5-RAID-Maschine verpaßt, die alle Daten speichern und sie dann als Data Warehouse über eine SQL-Datenbank mit den entsprechenden Frontends auf den PCs verfügbar machen kann."
 
Stille ...
 
"Ich glaube, er braucht einen weiteren Neustart." Und ich nehme ein paar Schritte Anlauf ...


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 13.05.1998, Übersetzung: thomas w., 2000.