diese seite wurde für die darstellung mit netscape communicator 4 oder ms internet explorer 4 mit aktivierter javascript-unterstützung optimiert.
b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Das Übersetzen der Ausreden von Ingenieuren in die Umgangssprache ist eine schwierige Aufgabe - aber nichts ist zu schwierig für die Bastard-Bibel ...

Ich bin dabei, Hand an die Bastard-Bibel, oder - wie der PJ und ich das Werk nennen - an ´Alles, was unsere Nutzer über die Systeme und das Netzwerk wissen wollen, aber Angst haben, danach zu fragen, da sie keine Lust haben, ein Wochenende in einer chemischen Toilette eingesperrt zu werden´ zu legen.
 
Der PJ marschiert nach draußen, nachdem er einen Hardwareschaden in einem der alten RAID-Rechner festgestellt hat, der ohnehin schon dem Ende seines Lebens verdächtig nahe ist. Er bemerkt meine mitleidigen Blicke, so daß er sich an mich wendet: "Sie mögen Wartungs-Ingenieure nicht besonders, oder?"
 
"Nicht im geringsten. Diese Arbeit ist so mies bezahlt, daß die Guten sich frühzeitig selbständig machen, während all die anderen Versager - oder Neulinge - zu uns geschickt werden, um sich um unsere Technik zu kümmern."
 
"Ganz so schlimm ist es nicht", meint der PJ kopfschüttelnd. "Immerhin machen sie ja ihre Arbeit."
 
"Wir werden sehen." Ich will seine Hoffnungen nicht unsinnig steigern, da ich weiß, daß unsere Wartungsfirma zur Kosteneinsparung in geradezu religiösem Eifer darauf beharrt, daß die Fehler durch unsere Programme hervorgerufen werden und nicht durch ihre Technik. Und wenn das fehlschlägt, dann versuchen sie, die Technik bei uns mit unserer Ausrüstung zu reparieren, um zu verstecken, daß sie gar keine eigene Werkstatt haben, was kein Wunder ist, da es sich um eine Firma handelt, die im Hinterzimmer eines Autohändlers sitzt.
 
Erwartungsgemäß erscheint der Wartungs-Ingenieur genau um 11:58 Uhr, um sich den Massen anzuschließen, die zum Mittagessen in die Kantine marschieren. Er will sich unter den Rest der Abteilung mischen, um sich ein kostenloses Essen zu erschnorren. Wie das Unternehmen - so seine Mitarbeiter.
 
Nach dem Mittagessen lassen wir ihn in den Rechnerraum, um zu sehen, ob er weiß, was er tut. Er spielt ein wenig mit den Schaltern der RAID-Einheit herum, um zu sehen, ob das Lämpchen verlicht, das den Festplattenfehler anzeigt.
 
Als das nichts bringt, erfreut er uns mit seiner sorgfältig durchdachten Analyse: Vielleicht könnte die Festplatte defekt sein?
 
"Hmmm, das ist aber interessant", sagt er, während ich den Blick des PJ auf den entsprechenden Eintrag in der Sektion für ´Ingenieurssprache´ in der Bastard-Bibel lenke: "Ich habe keine Ahnung, wo der Fehler liegt."
 
"Also hat die Festplatte einen Defekt?" frage ich.
 
"Könnte sein, aber ich muß mein Diagnosewerkzeug aus dem Auto holen."
 
Der PJ findet die Übersetzung selbst: "Ich muß xxx aus dem Auto holen" wird übersetzt mit "Ich muß mich in mein Büro davonschleichen und hoffen, daß die Anrufe an einen anderen Ingenieur weitergeleitet werden."
 
"Oh, wir haben das Werkzeug hier!" rufe ich und versetze ihn in Angst und Schrecken.
 
"Oh ... großartig."
 
Jetzt ist er gefangen. Er muß das Gehäuse öffnen und im Inneren herumstochern, da wir sonst wissen, daß er keine Ahnung hat. Ich gebe ihm einen Hinweis, indem ich auf die falsche Festplatte deute.
 
"Ich denke, sie müssen diese Platte austauschen."
 
"Das ist denkbar", antwortet er und vermeidet es noch immer, sich festzulegen. "Aber ich muß das erst einmal überprüfen."
 
Als ich ihn verlasse, bereitet er das Gehäuse mit einem Hammer auf den Austausch vor. Eine Minute später erscheint er in unserem Büro.
 
"Haben sie einen größeren Hammer?"
 
An diesem Punkt fühle ich mich, und sei es auch nur, um meinen Verstand unter Beweis zu stellen, gezwungen, ihn auf die kleinen Halterungen hinzuweisen, die das Herausfallen der Festplatte verhindern sollen. Er reißt das Laufwerk aus dem Gehäuse und bringt es in unser Büro, um es zu testen.
 
"Ja, es ist, wie ich vermutet habe. Eine Lötstelle auf dem Logikschaltkreis ist trocken. Ich muß das einfach mit etwas Lötzinn reparieren."
 
"Ich bin dabei, ihre Technik zu ruinieren." liest der PJ vor.
 
"Wie bitte?"
 
"Nichts", antwortet der PJ und schließt die Übersetzungstabelle, bevor der Ingenieur einen Blick auf sie werfen kann. "Ich rede mit mir selbst."
 
Der Ingenieur schließt unseren Lötkolben an, der sich prompt durch das Mauspad, auf dem er liegt, hindurchfrißt.
 
"In einem Augenblick ist die Platte wieder einsatzbereit." verkündet er fröhlich.
 
"Das wird ein verdammt teurer Briefbeschwerer", übersetzt der PJ.
 
"Wie bitte?"
 
"Nichts - ich rede mit mir selbst."
 
Bevor sich der Lötkolben vollständig durch das Mauspad bis zur Tischplatte hindurcharbeiten kann, entschließe ich mich zum Eingreifen.
 
"Sollten sie das nicht im Computerraum machen, um mögliche thermische Expansions- oder Kontraktionsprobleme auszuschließen?" frage ich.
 
DUMMY-MODUS EIN.
 
"Hmmm ... Ja ... ich bin gerade dabei. Ich wollte nur sichergehen, daß der Lötkolben funktioniert."
 
Er wandert hinüber in den Rechnerraum, um eine Minute später wieder bei uns zu sein.
 
"Haben sie etwas Lötzinn? Ich habe mein eigenes wohl im Wagen vergessen."
 
"Aber natürlich", antwortet der PJ und reicht ihm etwas aus unserem Vorrat.
 
"Warten sie!" rufe ich. "Nehmen sie lieber das Lötzinn mit dem Flux-Kern, der als Beschleuniger für den Haftvorgang wirkt."
 
DUMMY-MODUS UNWIDERRUFLICH EIN.
 
Ich gebe ihm etwas von dem Zeug, das sich eher für Heizungsrohre als für Elektronik eignet, und bringe den Ingenieur zum Lächeln.
 
"Sehr gut, ich wollte sie gerade nach dem Beschleuniger fragen."
 
Fröhlich zieht er in den Rechnerraum.
 
"Warum haben sie ihm diesen Schrott gegeben?" will der PJ wissen. "Das Zeug kann man kaum benutzen und es entwickelt unheimlich viel Ra ..."
 
Seine Frage wird beantwortet, als der Feueralarm im Computerraum ausgelöst wird.
 
Wir beobachten eine Weile, wie der Ingenieur an dem Schalter für die Löschgaszufuhr herummacht, den ein echter Bastard mit Klebstoff so behandelt hat, daß sich die Löschgaszufuhr nicht abschalten läßt.
 
Natürlich befreien wir ihn, bevor er umkippt. Im letzten Moment ...
 
Nun, ich bin eben ein Weichei ...


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 22.04.1998, Übersetzung: thomas w., 2000.