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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Die Übernahme durch ein amerikanisches Unternehmen führt zu einem Besuch in den USA und einer Lektion zur sinnvollen Nutzung von Fahrstühlen ...

Es ist ein kurzweiliger Montagmorgen, als der Geschäftsführer in unser Büro kommt, um uns um einen Gefallen zu bitten. Der Chef, der immer einen Riecher für solche Gelegenheiten hat, schleicht ebenfalls herein.
 
"Ich wollte sie bitten, das Videokonferenzsystem zum Laufen zu bringen, damit ich eine kurze Ansprache halten kann." verlangt der Geschäftsführer.
 
"Sie wollen sich doch nicht etwa zurückziehen?" platzt der Chef heraus, der sich schon auf der Karriereleiter aufsteigen sieht.
 
"Nein, nein."
 
"Ein früher Ostergruß an die Belegschaft?"
 
"Nein. Es ist nur so, daß wir verkauft wurden. Die Firma, die Gebäude, die Mitarbeiter."
 
"DIE VERDAMMTEN JAPANER!" ruft der Chef.
 
"Nein, nein!" seufzt der Geschäftsführer. "Angesichts der derzeitigen Lage auf dem Geldmarkt gibt es eigentlich nur zwei Alternativen: Amsterdam und die USA. Und Amsterdam ist es nicht."
 
"Gott sei Dank!" entfährt es dem Chef. "Ich kenne kein einziges belgisches Wort!"
 
Das sind die Dinge, die man sich anhören muß, wenn man kein Gewehr hat ...
 
Nun, der Tag kommt und der Geschäftsführer erklärt der Belegschaft auf dem ganzen Globus, daß uns ein amerikanischer Konzern aufgekauft hat, der im Ausland investieren wollte und in unseren perfekt verschönerten Bilanzen genau das sah, was er sehen wollte. Es gäbe auch keine Pläne für Umstrukturierungen, erklärt der Geschäftsführer, was ein kollektives Aufatmen verursacht. Für den Moment geht also alles so weiter wie bisher ...
 
"Simon", murmelt der Geschäftsführer, der sich schon zum zweiten Mal in dieser Woche aus der relativen Sicherheit seines Büros heraustraute (ein neuer Rekord), ein paar Tage später. "Ich brauche sie und ihren Kollegen, um unsere Muttergesellschaft zu besuchen. Sie sollen sich anschauen, wie man in den USA arbeitet. Plaudern sie mit den Leuten und sehen sie sich ein wenig um, sie wissen schon. Die Chefs dort haben ihre Techniker beauftragt, sich um sie zu kümmern, damit wir die Netzwerke zusammenschalten können. Es macht ihnen doch keine Mühe?"
 
Ein bezahlter Ausflug in die USA ... Hmmm.
 
"Nun, das könnte durchaus hilfreich sein, aber es würde Jahre dauern, die Technik in die Staaten zu transportieren."
 
"Oh. Wir lassen sie in der Business-Class fliegen, da können sie es als Gepäck mitnehmen." meint er.
 
"Ich glaube nicht, daß damit die GESAMTE Ausrüstung zur Netzwerkanalyse abgedeckt wäre ..."
 
"Gut, ich nehme an, daß wir sie auch in der ersten Klasse unterbringen können!" ruft er schließlich mimosenhaft ...
 
Und so kommt es, daß der PJ und ich zwei Tage und viele, viele Drinks in der ersten Klasse später in der Ausnüchterungszelle auf dem Flughafen landen. Offenbar haben die Zöllbeamten etwas gegen betrunkene Besucher, besonders dann, wenn man den ´andere Bräuche´-Witz zu oft macht.
 
Zu unserem Glück kümmert sich unser Mutterkonzern um die Sache und schafft es, uns aus der Haft herauszuholen. Nach einer erholsamen Nacht treffen wir unseren ´Reiseführer´ - dem Äquivalent zu unserem Chef. Er gibt uns einen kurzen Überblick über ihre Tätigkeiten, stellt uns den System- und Netzwerkbetreuern vor und zieht sich dann hastig zurück. Wir schauen uns die Technik an und müssen gestehen, daß wir sehr beeindruckt sind.
 
"Wirklich sehr gut", wende ich mich an meinen amerikanischen Kollegen, als wir ihre Sammlung neuester Technik bewundern.
 
"Nun, wir wollen eben mit der Zeit gehen. Ganz nebenbei, ziemlich viel von der alten Technik wurde zerstört, als wir in den zweiten Stock umziehen mußten."
 
"Zerstört?" frage ich und wittere einen Profi.
 
"Ja, wir wissen noch immer nicht genau, weshalb die Fahrstuhltüren geöffnet waren, obwohl der Aufzug gar nicht da war ..."
 
"Ah." nicke ich wissen. "Und der vollgepackte Wagen mit der Technik plumpste in den Schacht?"
 
"DREI vollgepackte Wagen - unglücklicherweise hatte ich die Ohrenschützer aufgesetzt, die wir im gekühlten Serverraum tragen müssen, so daß ich die Geräusche beim Aufprall nicht hören konnte."
 
"Wie bedauerlich", seufze ich vielsagend.
 
"Nicht so bedauerlich wie das Mißtrauen des Chefs gegen uns, der seine Zimmerpflanzen lieber selbst zum Aufzug brachte."
 
"Wo er sie fallen ließ?" frage ich grinsend.
 
"Nein, eigentlich hat er sie bei seinem gesamten Sturz nach unten festgehalten. Wissen sie, die Sanitäter haben die Pflanzen dann bei ihren Rettungsversuchen zertrampelt."
 
Eine Woche später werden der PJ und ich aus der Ausnüchterungszelle auf dem Londoner Flughafen herausgeholt (eine ungenutzte Gelegenheit ist eine für immer verlorene Chance), um am nächsten Tag den Chef und den Geschäftsführer zu informieren.
 
"Ihre Technik ist unserer um Jahre voraus! Wir brauchen unbedingt eine teure Aufrüstung! Hinzu kommt noch, daß unser Netzwerk Geschwindigkeitsprobleme hat, weil die Leitungen zur Satellitenschüssel für die Datenübertragung zu lang sind. Wir müssen mindestens zwei Stockwerke nach oben ziehen, damit wir die Entfernung und die Wartezeiten verringern können. Ich schlage vor, daß wir mit dem Umzug beginnen, nachdem wir die Bestellung der neuen Technik mit den Amerikanern organisiert haben, damit wir kompatibel bleiben ..."
 
In der Zwischenzeit präsentiert auf der anderen Seite des großen Teiches mein Gegenstück seine Kompatibilitätsvorschläge ...
 
"Ihre Technik ist unserer um Jahre voraus ..."
 
Ein paar Tage später bekomme ich den Scheck aus den USA, um kompatible Technik zu besorgen ...
 
Meine Gedanken, was ich mit dem Geld am besten anstellen könnte, werden nur durch den Krach gestört, den ein vollgepackter Rollwagen nach seinem Aufprall verursacht. Darum hat sich der PJ gekümmert ...
 
Und es ist doch wirklich ein netter Zug unseres Chefs, sich selbst um den Umzug seiner geliebten und ausgezeichneten Kakteen zu kümmern ...


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 15.04.1998, Übersetzung: thomas w., 2000.