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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Der B.O.F.H. und der PJ sind traurig, denn sie werden nicht zu einem Wochenendausflug eingeladen - doch mit einem Holzhammer und etwas Gewalt werden sie es schon richten ...

Der PJ und ich sind zutiefst verletzt, weil der Geschäftsführer sich nach dem abgeblasenen Umzug dazu entschlossen hat, den enttäuschten Proleten der anderen Abteilungen Gelegenheit zu geben, sich an einem ´Spiele´-Wochenende - ein ´Wer ist der Mörder´-Rollenspiel am Abend des Samstags eingeschlossen - an der IT-Abteilung zu rächen - ohne den PJ und mich.
 
Die Gerüchteküche vermutet, daß unser ´bezähmter´ Anwalt über die Sache mit dem Pachtvertrag geplaudert hat, bevor er in der relativen Sicherheit unserer Konkurrenz unterkommen konnte ...
 
Was aber am meisten schmerzt, ist, daß der IT-Chef eine unserer eigenen Ausreden gegen uns verwendet hat - nämlich, daß das Netzwerk rund um die Uhr laufen muß und wir daher auch für unsere Niederlassungen in der ganzen Welt erreichbar sein müssen - ganz besonders an einem Wochenende, an dem die gesamte IT-Abteilung abwesend ist.
 
Was natürlich völliger Schwachsinn ist, denn die Hälfte unserer ausländischen Niederlassungen könnte sich nicht einmal an unsere Nummer erinnern, wäre sie nicht über die oberste Funktionstaste mittels Schnellwahl erreichbar.
 
Es scheint beinahe so, als wolle man nicht, daß der PJ und ich Freundschaften mit anderen Leuten aus der Abteilung schließen und Spaß mit ihnen haben. Man scheint uns nicht zu trauen. Allerdings ließ das Interesse an dem Wochenende sichtlich nach, als das ´Wer ist der Mörder´-Spiel angekündigt wurde.
 
Trotzdem unsere Nicht-Einladung ein unschöner Zug ist - nun haben wir wenigstens die Chance, ein paar Garantietests an den Festplatten (ein paar Schläge mit einem gummiummantelten Hammer, der kurz vor dem Ende der Garantiezeit keine Spuren hinterläßt) vorzunehmen. Es ist überraschend, wie viele Tests damit enden, daß wir kostenlosen Ersatz anfordern müssen.
 
Ich prüfe, ob unsere Testausrüstung vollständig ist, als der Chef am Freitagnachmittag hereinstürmt.
 
"Guten Abend", ruft er fröhlich und muß sich offensichtlich bemühen, etwas nicht auszuplaudern, das neu für uns ist.
 
"Raten sie, was ich für sie eingefädelt habe!"
 
"Was?" erwidere ich ohne Begeisterung.
 
"Man hat zugestimmt, daß sie an den Spielen am Sonntag teilnehmen können - nachdem sie ein paar Programme auf den Computern der Personal-Abteilung installiert haben." sagt er und gibt mir eine Liste, die länger ist als die der bekannten Fehler in Windows 95.
 
Der Sonnabend kommt und da der PJ und ich nicht zu denen gehören, die eine Herausforderung scheuen, sorgen wir dafür, daß die Software wunschgemäß installiert wird. Und weil wir danach noch etwas Zeit haben, verbringen wir sie sinnvoll.
 
Als ich dann am Montag zur Arbeit komme, rechne ich schon damit, daß ich einem Gespräch mit dem Chef nicht entkommen kann. Erwartungsgemäß läßt er mich rufen bevor ich auch nur einen Schritt in unser Büro setzen kann und führt mich aufgeregt gestikulierend in sein Büro, wo sich aus meiner Sicht viel mehr Leute aus der Personal-Abteilung versammelt haben als sonst. Der PJ ist ebenfalls unter den Leuten, so daß das es sehr eng im Büro des Chefs ist.
 
"Simon", beginnt der Chef. "Ich habe hier eine Liste mit Beschwerden, die Justin über ihr gestriges Verhalten angefertigt hat."
 
"Gestern?" frage ich und Unschuld ist mein zweiter Vorname.
 
"Bei den Spielen? In Balesworth Castle Ground?" schlägt Justin vor.
 
"Ach so! Sie sagen, es gibt Beschwerden?"
 
"Ja! Sie wissen, daß dies eine Spaßveranstaltung sein sollte, bei der sich die Mitglieder der verschiedenen Abteilungen im Sinne von Sportlichkeit treffen können?"
 
"Ja, das weiß ich. Und ich habe mich doch wirklich bemüht, an allen Spielen teilzunehmen, auch wenn mir deren Regeln nicht ganz geläufig waren."
 
"Es sieht so aus. Justin scheint zu glauben, daß sie ein wenig zuviel Begeisterung zeigten."
 
"Wirklich? Ich kann mich nicht erinnern. Können sie?" frage ich den PJ.
 
"Nicht wirklich."
 
"Und was war mit dem Kegeln?"
 
"Kegeln?"
 
"Ja, als sie ihre Kugel vom Dach heruntergeschmissen haben?"
 
"Ach so, das! Nun, das mußte ich - ich bekam einen Anruf für die Nutzerbetreuung und der Empfang am Boden war wirklich schlecht, so daß ich mit dem Handy auf das Dach steigen mußte. Und im ´Geiste der Sportlichkeit´ wollte ich die anderen Teilnehmer nicht auf meinen Wurf warten lassen. Wie auch immer, ich glaube, in den Regeln wird nichts darüber gesagt, aus welcher Höhe die Kugel geworfen werden muß."
 
"Natürlich nicht, aber das Vortäuschen des Anzündens einer Zündschnur an einer der Kanonen des Schlosses hat dem Wohlbefinden ihrer Mitspieler nicht gerade gedient ..."
 
"Das war doch nur Spaß."
 
"Wie die Kugel, die die Haube von Justins Coupé traf?"
 
"Oh, ich brauchte einen Probewurf zur Verbesserung meiner Fähigkeiten", rufe ich und spiele weiter das Unschuldslamm.
 
"Und das ist wohl auch ihre Entschuldigung für das ´Schlag den Sack´-Spiel?" will er wissen.
 
"Ich gebe zu, daß ich da wohl ein wenig zu begeistert war", antworte ich. "In Kombination mit dem Einfallswinkel des Sonnenlichts könnte das für einige Verwirrung gesorgt haben."
 
"Verwirrung ... ja", antwortet Justin bissig.
 
"Nun, immerhin habe ich es geschafft, einen Sack zu treffen."
 
"Sie haben es geschafft, einen Sack zu treffen. Aber zum Unglück für Justin ist der Sack, den sie getroffen haben, eher als Skrotum bekannt."
 
"Wie ich schon sagte, ich bin es nicht gewohnt, Schuhe mit Stahlkappen zu tragen ..."
 
"Ich könnte all diese Entschuldigungen gelten lassen, wenn es nicht so aussähe, als hätte niemand von ihnen die gewünschte Software installiert, worum ich sie gebeten hatte ..."
 
"Das haben wir getan", ruft der PJ.
 
"Keiner der Rechner startet!" schreit Justin und verliert völlig die Selbstbeherrschung. "Die haben nur herumgesessen."
 
"Ich habe es ihnen doch gesagt", wende ich mich an den PJ. "Diese Festplatten sind defekt."
 
"Womit wir bei diesem Ding wären", seufzt der Chef und hält ein Teil unserer Festplatten-Testausrüstung hoch. "Kann mir vielleicht jemand sagen, wie es in das Büro von Justin kommt?"
 
"Er hat den Schaden an seinem Coupé selbst ausgebessert, um die Versicherungsprämie niedrig zu halten?" schlage ich hilfreich vor.
 
Der PJ und ich lehnen uns bequem zurück, um auf das folgende Gejammer und Zähneknirschen vorbereitet zu sein ...


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 08.04.1998, Übersetzung: thomas w., 2000.