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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Die Anwesenheit des Firmenarchitekten sorgt für eine erwartungsvolle Stimmung und läßt den B.O.F.H. zu Tricksereien greifen ...

Ein gewisses Gefühl der Erregung, das ich schon lange nicht mehr gespürt habe, liegt in der Luft. Die Sorte von Spannung, die die jährlichen Weihnachtsparties ausstrahlen, auf denen die Bonuszahlungen verteilt werden. (Die letzten Jahre natürlich ausgenommen.)
 
Die Ursache dieser Spannung ist schnell ausgemacht. Der Firmenarchitekt, der normalerweise nur dann gerufen wird, wenn wieder einmal eine Abteilungsumstrukturierung ansteht, ist im Haus. Allein dies ist schon Überraschung genug, denn ich kann mich nicht erinnern, im Vorfeld etwas von einer bevorstehenden Umstrukturierung vernommen zu haben.
 
Und diesmal geht es wohl auch nicht darum, die Axt auszupacken und die Abteilungen neu zurechtzustutzen. (Seufz.) Nein, es muß etwas anderes sein. Und der IT-Chef muß davon wissen.
 
Der PJ, darauf trainiert, in solchen Situationen ohne falsches Zögern zu handeln, ruft die Überwachungskameras des Hauses auf die Monitore und im Handumdrehen finden wir das Büro des IT-Chefs, wo wir seine Gürtelschnalle bewundern - ein protziges Metallgebilde, das vermutlich einem Raketenangriff standhalten könnte und in das eine üppige Wassernixe eingraviert ist - ein Geschenk loyaler Mitarbeiter.
 
Und da behaupten manche noch, Qualität werde immer modern sein. Das Schicksal meint es gut mit uns, denn noch vor seinem Vortrag können wir an die Gürtelschnalle herankommen und sie mit Technik ausrüsten, die Bürgerrechtsgruppen wohl auf die Straßen treiben würde.
 
Manche Leute haben eben keine Ahnung.
 
"Glauben sie, daß der Gürtel funktionieren wird?" fragt der PJ, bevor ich das Wunderwerk aktiviere.
 
"Natürlich", antworte ich. "Die Wanze ist so empfindlich, daß sie eine furzende Ameise in 10 Meilen Entfernung aufzeichnen würde. Da fällt mir ein, schalten sie sie etwa eine Stunde nach dem Mittagessen ab - wir wollen die Schaltkreise ja nicht überlasten."
 
Doch in der Zwischenzeit hört das Miniaturmikrofon im Auge der Nixe alles mit ...
 
"Gentlemen", wendet unser IT-Chef sich in beschwichtigendem Tonfall an die versammelte Geschäftsleitung. "Als Vorsitzender der Kommission zur Evaluierung unserer Expansionschancen kann ich ihnen folgendes berichten: Erstens ist die Miete für dieses Gebäude sehr teuer. Zweitens wird es mittelfristig zu klein für uns sein. Und drittens fehlt in diesem Gebäude die für das nächste Jahrhundert nötige Netzwerk-Infastruktur. Nach der Beratung mit verschiedenen Abteilungen ..." Er macht eine Pause und zeigt zweifellos auf einige Mitglieder der Geschäftsleitung, die für ihre seltsamen Ansichten bekannt sind. "Und daher empfehle ich den Umzug in ein größeres Gebäude am Flußufer, das nicht nur weniger Miete kostet, sondern auch kurzfristig bezogen werden kann."
 
"VERDAMMT!" ruft der PJ und gibt damit ziemlich genau wieder, was ich dazu denke. "Das kann nicht sein Ernst sein!"
 
"Es hat den Anschein", erwidere ich. "Und wenn ich an seine fehlenden technischen Kenntnisse denke, dann hat man ihn wohl über den Tisch gezogen."
 
"Fehlendes Wissen?" regt sich der PJ auf. "Er kann nicht so verrückt sein. Immerhin war er in dieser TV-Sendung. Wie hieß sie doch gleich? ´Unsere Zukunft 2000´?"
 
"Nein, die Sendung, an der er teilnahm, hieß ´Hilflos 2000´, eine völlig andere Art von Dokumentation, würde ich sagen."
 
Innerhalb einer Stunde kommt unser Chef mit den Neuigkeiten zu uns.
 
"Wir ziehen um", schreit er ängstlich und deutet in Richtung Fluß. "Ich habe es gerade herausgefunden!"
 
"Dann fangen sie am besten mit dem Packen an", rufe ich.
 
"Sie meinen ... sie ... sie wollen den Umzug nicht verhindern?" fragt er.
 
"Warum?" erwidere ich ungläubig. "Ich kann es kaum erwarten! Das ist die Chance, ein völlig neues und zukunftssicheres Netzwerk aufzubauen."
 
"Aber dann, dann sind wir nicht mehr in der Stadt", jammert er.
 
"Das wird überbewertet - Smog, Gedränge. Lassen sie mich auf den Fluß blicken."
 
"Mich auch", stimmt der PJ mir zu.
 
"Aber all ihre Arbeit, die sie hier getan haben?"
 
"Das ist Vergangenheit. Jetzt freue ich mich auf die Herausforderungen der Zukunft."
 
"Aber ..."
 
"In Ordnung, für fünfzig Pfund werde ich mich um die Angelegenheit kümmern. Wie ist es mit ihnen?"
 
"Zwanzig Biere", ruft der PJ.
 
"Das ist nicht ihr Ernst!"
 
"Na gut, dann ist es eben nicht unser Ernst. Lassen sie uns packen."
 
"Uh ... oh. Was wollen sie tun?"
 
"Nun, das könnte ich ihnen sagen, doch dann müßte ich ihren Kopf in den Zerkleinerer stecken und ihre Überreste irgendwo verscharren."
 
"Sie meinen, es ist so geheim?"
 
"Nein, nicht wirklich. Ich bin nur neugierig, was geschehen würde."
 
Meinen Hinweis verstehend trollt sich der Chef. Ich greife zum Telefon und rufe den Oberschwindler der Firma an, einen Anwalt, der sich wirklich hervorragend zu drücken weiß, denn sogar auf seiner Visitenkarte steht der Name eines anderen. Ich lade ihn zu einem Gespräch über den Pachtvertrag ein und weise ihn auf den Schwachpunkt hin, den wir entdeckt haben ... Wir brauchen etwa 10 Minuten.
 
Und selbstverständlich finden wir am Abend den Chef in Geberlaune.
 
"Ich weiß nicht, wie sie das gemacht haben", lacht er erleichtert. "Aber mein Geld ist gut angelegt. Wie haben sie den Chefanwalt nur dazu gebracht - ich dachte, er wäre einer der Landeigentümer?"
 
"Ach, er ist durchaus eine nette Person, wenn man ganz normal mit ihm redet." antworte ich.
 
"Oh", mischt sich der PJ ein. "Wo wir gerade darüber sprechen - soll ich den Aktenvernichter abschalten?"
 
"Hmmm. Vielleicht noch nicht sofort. Warten wir besser noch ein paar Stunden."
 
Es stimmt schon, was man sagt - man muß nur wissen, wie man mit diesen Leuten redet ...


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 01.04.1998, Übersetzung: thomas w., 2000.