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| bastard operator from hell | ||
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Eine Inventur muß durchgeführt werden und unbequeme Fragen warten auf Antworten, doch der B.O.F.H. bleibt eiskalt, auch als es heiß wird ...
Ich hasse die Zeit der Inventur. In jedem verdammten Jahr das gleiche Ritual: man muß herumlaufen und die Seriennummern, die auf jedes Gerät geklebt wurden, aufschreiben. Irgendein Trottel meint wohl, man könne damit den Diebstahl von Firmeneigentum verhindern. Und dann kommt noch die unvermeidliche Stichprobe, um sicherzugehen, daß wir nicht gelogen haben. Es wäre natürlich nur dann wirklich mühsam, wenn wir nicht eine Liste mit den Seriennummern und keine Kontrolle über das Programm hätten, das die Geräte aussucht, die kontrolliert werden sollen. Und wenn es tatsächlich jemanden gäbe, der eine Festplatte mit einer Kapazität von 5 Megabyte, das 600 Bits pro Zoll-Bandlaufwerk oder die Speichererweiterung für den ZX81 stehlen würde, dann wäre das wirklich ein Anlaß für Fragen. Natürlich sind die Geräte, die zu unserer Stichprobe gehören, alle da und in perfektem Zustand - schließlich brauchen wir sie ja auch nur ein paar Stunden pro Jahr. Und sollte sich die Stichprobe ändern, dann hätten wir noch viel Platz in einem der verlassenen Lagerhäuser in Peckham, die mit all dem Gerümpel gefüllt werden, das niemand klauen würde. Nicht, daß das wirklich nötig wäre. Die beängstigende Fluktuation bei den Erbsenzählern sorgt dafür, daß die Chance, zweimal den gleichen Prüfer zu haben, ungefähr so groß ist, wie die Chance, daß jemand die drei Autos entdeckt, die der Chef in der genannten Lagerhale hinter Umzugskartons versteckt hat. Das ist eben das gute an einem hervorragenden Alarmsystem - es läßt keine Klingeln ertönen, um Einbrecher abzuschrecken - es schickt einfach die Bilder auf meinen Rechner. Und so kam es, daß der PJ und ich die Ankunft dreier brandneuer, hochmoderner Autos im Langzeitspeicherbereich des Lagerhauses mitbekamen. Der Chef, gerade zurückgekehrt von der Polizei, ist natürlich zu bedauern. Er hat versucht, sich beim Geschäftsführer einzuschmeicheln, indem er den jährlichen Austausch der Fahrzeuge der Chefetage zu einem besonders günstigen Geschäft machen wollte. Doch er hat einen Fehler gemacht. Es scheint, als wurde - von ihm unbemerkt - auf dem Bestellschein Mercedes durch Lada ersetzt. Und statt die Bestellung an einen reputierlichen Händler für Luxuswagen zu faxen, hat wohl ein Speicherfehler dafür gesorgt, daß die Bestellung an einen weniger angesehenen Händler für Billigautos geschickt wurde. Einen Händler, der, so wollte es das Schicksal, auch drei brandneue Ladas hinten in seinem Vorführraum stehen hatte - seit sechs Jahren. Der Chef hat die Lieferung trotzdem gut überstanden. Besser übrigens als das wiederholte Spielen von Johnny Cash´s "Ring of Fire" in der Kantine, nachdem er sich von der unorthodoxen Medizin erholt hatte, die er auf dem letzten Wochenendausflug zur Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls zu sich genommen hatte. Und so kommt es, daß ich eine Spur von Feindschaft spüre, als der Chef sich herabläßt, um einen Erbsenzähler bei der Prüfung unseres Bestandsberichtes zu begleiten. "Eine 600 Bit pro Zoll-Bandmaschine?" fragt der Prüfer. "Ja, die steht gleich hier", antworte ich und zeige auf das Ungetüm. "Die stand gestern aber noch nicht da!" ruft der Chef und riecht wohl den Braten. "Stimmt, wir mußten sie wegen der neuen Verkabelung umstellen." antworte ich in einem Tonfall, der überzeugend klingt - ich habe mich eben vorbereitet. "In Ordnung. Eine Seagate-Festplatte mit 5 Megabyte Speicherkapazität?" "Die läuft im E-Mail-Server." "Aber wir benutzen solche kleinen Festplatten doch gar nicht mehr!" ruft der Chef wieder. "Ich fürchte, da irren sie sich." antworte ich. "Denn die Server-Software läuft auf einem alten XT, der nur mit alten MFM-Festplatten umgehen kann." "Das ist ja lächerlich." ruft er, greift sich den Papierstapel des Prüfers und blättert wütend darin herum. "Wie steht es mit dem 29 Zoll-Fernseher?" "Der Monitor mit Textanzeige?" frage ich. "Der steht nicht hier, sondern im Beratungszimmer des Geschäftsführers." "Gut, und wo ist die Sega-Spielkonsole?" "Die steht in der Personalabteilung. Sie wollen sie der Kinderkrippe für die Angestellten überlassen." antworte ich ohne mit der Wimper zu zucken. "Richtig", sagt er entschlossen. "Und die neue Klimaanlage, die für diesen Raum bestimmt war - wo ist sie?" "Noch im Warenlager, denke ich." "Nein, das habe ich am Morgen überprüft. Sie sagten, sie sei schon zu ihnen geschickt worden." "Nun, dann steht sie möglicherweise vor dem Frachtaufzug." "Nein, aber ich habe eine Idee, wo wir sie finden können. Sie haben eine schöne Wohnung, nicht wahr?" fragt er und zeigt eine Außenaufnahme meiner Wohnung, auf der die neue Klimaanlage zu sehen ist. "Nun, ich war so von den Daten der Anlage beeindruckt, daß ich mir ebenfalls eine zugelegt habe." "Und wo haben sie die gekauft?" fragt er gehässig. "Das war in dem Lager in Peckham, oder?" mischt sich der PJ ein, um mich zu retten. "Wegen all der hitzeproduzierenden Technik, die wir erst neulich ausgemustert haben", erinnert er sich. "Ja, stimmt", fällt es dem Chef jetzt ein. "Natürlich, ich hätte es wissen müssen. Nun, damit wäre das Problem ja geklärt." Schneller als man ´verminderte Zurechnungsfähigkeit´ aufsagen kann sind der Chef und der Prüfer verschwunden. "Er wird das gegen uns verwenden, das wissen sie", murmelt der PJ. "Ja, ich weiß. Und das ist einfach nicht gerecht. Nun, wie buchstabiert man doch gleich ´Trabant´?" |
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© Simon Travaglia, 25.02.1998, Übersetzung: thomas w., 2000. |
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