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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Als der B.O.F.H. einen Wochenendausflug zur Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls vorschlägt, muß das etwas mit dem teuflischen Gebräu vom Vortag zu tun haben ...

"Natürlich habe ich das erledigt!" schreit der PJ wütend und wirft den Telefonhörer auf die Gabel.
 
Ich spüre die Spannung, die in der Luft liegt, und frage ihn, was los ist.
 
"Ein verdammter Nutzer - er war beim Chef und hat sich über die Geschwindigkeit seines Netzanschlusses beschwert. Natürlich hat der Chef ihm versprochen, daß ich das Problem löse ..."
 
"Und sie haben die Arbeitszeit nicht als Überstunden abgerechnet?"
 
"Ich bin krank wegen all der Überstunden."
 
Der arme Kerl wird noch verrückt, wenn er mehr Zeit im Büro verbringt. Ich erinnere mich noch gut an meine tiefen Depressionen, nachdem ich einen weiteren Tag damit verbracht hatte, Anrufe entgegenzunehmen, in denen sich die Nutzer über nichtfunktionierende Passwörter beschwerten, die natürlich nicht funktionierten, weil sie die Shift-Taste gedrückt hatten. Meine Depressionen lösten sich allerdings auf, als ich die wundersame Wirkung von Elektrizität, etwas Klebstoff und Stanniolpapier entdeckte. Doch das ist eine andere Geschichte.
 
"Was sie brauchen", antworte ich und bemerke einen Schatten hinter dem Glas unserer Tür. "Was sie brauchen, ist eine Pause. Eine Chance, um sich wieder als Mitglied eines Teams fühlen zu können. Wenn es etwas gibt, was die Harmonie am Arbeitsplatz bessert, dann ist es das Gefühl, zu einer Gruppe zu gehören, die eine gemeinsame Aufgabe löst."
 
Ich unterbreche den PJ, der nach dem Branchenbuch greift - zweifellos um nach einer psychiatrischen Klinik zu suchen -, und deute auf den unscharfen Schatten des Chefs hinter der Tür.
 
"Aber das ist keine gute Idee."
 
"Warum nicht?" spielt der PJ mit.
 
"Verraten sie es nur nicht dem Chef, aber in einer Firma, in der ich einmal gearbeitet habe, hat ein Wochenende zur Ausbildung des Teamgeistes zu einer solchen Verbesserung des Arbeitsklimas und der Produktivität geführt, daß danach 30 Prozent der Belegschaft entlassen wurden."
 
Als ich wieder zur Tür blicke, ist der Schatten verschwunden.
 
Später am Nachmittag kommt der Chef großzügig lächelnd vorbei.
 
"Ich weiß, daß das jetzt etwas kurzfristig kommt", sagt er und beobachtet uns aufmerksam. "Doch ich habe festgestellt, daß die Moral bei uns ziemlich am Boden ist. Also dachte ich, daß einige von uns an einem Wochenende zur Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls teilnehmen sollten. Ein Hotel in Brighton hat noch freie Zimmer, Konferenzräume und Möglichkeiten zur Erholung. Ich dachte an dieses Wochenende?"
 
Die 30 Prozent müssen ihn wirklich gepackt haben, denn fast die halbe IT-Abteilung steht auf seiner Liste. Der PJ und ich zieren uns erst ein wenig, um dann das Angebot zu akzeptieren.
 
Es wird Freitagnacht und der PJ und ich finden uns zusammen mit den anderen Schafen der Abteilung in einem Hotel wieder. Dank eines seltsamen Zufalls erlauben die elektronischen Schlüssel dem PJ und mir nicht mehr, die Türen der gebuchten Zimmer zu öffnen. Statt dessen öffnen sie die großen Suiten an den gegenüberliegenden Gangenden für uns.
 
"Wer sind wir, daß wir mit dem Schicksal hadern?" frage ich den PJ und stecke den Magnetkarten-Programmierer wieder ein.
 
"Wir sehen uns morgen."
 
Der Morgen kommt, und es ist Zeit, daß wir für unsere Sünden büßen ...
 
Der Chef der IT-Abteilung will eine Übung zur Vertrauensbildung durchführen, bei der das Opfer sich auf einen Tisch stellt und sich nach hinten in die Arme eines Kollegen fallen läßt. Doch seltsamerweise hat plötzlich niemand mehr Interesse an dieser Übung, als der PJ in einem besonders kritischen Moment Kevin Costner draußen vorbeigehen sieht.
 
Unser Chef läßt sich auch von dem bedauerlichen Unfall, der den IT-Chef ans Bett fesselt, nicht davon abbringen, uns mit unzähligen Spielen zu bezaubern.
 
"Ich halte das nicht mehr aus!" japst der PJ, als wir schließlich gegen 20 Uhr in die Bar verschwinden können.
 
"Ich weiß. Das ist ein verdammter Alptraum."
 
"Und er wird morgen eine weitere dieser ´Vertrauensübungen´ veranstalten, bei der einer Person die Augen verbunden werden, während jemand anderes sie um das Gebäude leiten muß."
 
"Widerlich. Obwohl ..."
 
"Nein, nein, er hat gesagt, daß er sich nicht daran beteiligen wird. Doch davon abgesehen, er weiß, wo die Treppen und Balkone sind."
 
"Verdammt! Nun, besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen."
 
"Was wollen sie tun?"
 
"Ich kaufe dem Chef ein oder zwei Drinks."
 
Ein paar Stunden später habe ich die Schlüsselkarte aus der Tasche des Chefs stibitzt und mache mich auf den Weg in sein Zimmer, während der PJ ihn an der Bar festhält ...
 
Am nächsten Morgen sind alle an Deck, doch der Chef läßt sich nicht blicken. Ich geselle mich zu den Zuschauern.
 
"In Ordnung, was haben sie getan?" fragt der PJ neugierig.
 
"Raten sie."
 
"Sie haben seine elektrische Wärmedecke unter Wasser gesetzt?"
 
"Nein."
 
"Sie haben seinen Toilettensitz zum Leben erweckt?"
 
"Nein, aber es wird schon wärmer."
 
"Wieviel wärmer?"
 
"So warm wie, sagen wir, Jalapeno-Pfeffer umhüllt von Glyzerin und an einer strategisch wichtigen Stelle auf dem Regal mit den Pillen plaziert, so daß ein Betrunkener sie vor dem Schlafengehen zuerst greifen muß."
 
"Sie Bastard! Wird er noch kommen?"
 
"Keine Ahnung." Ich denke ein wenig über das Thema nach. "Wie groß sind wohl die Chancen, daß die Polizei jemanden entläßt, den sie nackt in der Empfangshalle eines Hotels dabei erwischte, wie er den Eisautomaten verprügelte?"
 
"Ungefähr so groß, wie die Chance, daß die heutige Übung zur Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls nicht in der Bar stattfindet?"
 
"Exakt." antworte ich und bin stolz, daß der PJ über eine so schnelle Auffassungsgabe verfügt. "Ich nehme ein Bier."


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 18.02.1998, Übersetzung: thomas w., 2000.