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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Der B.O.F.H. und der PJ zeigen, daß in der Welt der Netzwerke noch immer Platz für Liebe und Mitleid ist ...

"Netzwerk- ... UND Systembetreuung", rufe ich. "Ich liebe es!"
 
Der PJ teilt meine Begeisterung für das nun schier unendliche Potential krummer Geschäfte. "Was hat Orwell doch gleich gesagt?" antwortet er fröhlich. "Macht korrumpiert. Absolute Macht ..."
 
"... macht noch mehr Spaß." beende ich.
 
Als Folge des gelungenen Putsches am Ende des vergangenen Jahres haben der PJ und ich nun alles bekommen - das Netzwerk, die Rechner, alle Geräte, das Wissen über die Strategie des IT-Chefs zum jährlichen Passwortwechsel - einfach das gleiche Wort verwenden und nur die Zahl am Anfang um eins erhöhen.
 
Das schlägt beinahe noch die Methode, die er ursprünglich angewendet hat - nämlich alljährlich ein ´s´ an das Ende des Wortes zu hängen.
 
"Bitte einen neuen Wagen", rufe ich.
 
Der PJ drückt einen Knopf und unten in einem vollgepackten Lagerraum erwacht eine Bandwechselmaschine zum Leben. Doch statt aus einer riesigen Rolle Magnetband, die sonst zu ihrer Nutzmasse gehört, besteht die derzeitige Ladung aus sieben Autos für die Autorennbahn, die wir in dem verschlossenen Raum aufgebaut haben. Mit der Überwachungskamera prüfe ich die Position des Rennwagens und drehe mich dann zum PJ.
 
"Wie wäre es mit einem Wettkampf über zehn Runden? Der Verlierer muß den Bandwechsler wieder richtig bestücken und für den Rest des Tages die Anrufe entgegennehmen."
 
"In Ordnung", sagt der PJ eingelullt von dem trügerischen Gefühl der Sicherheit, welches ihm meine vorherigen Bemühungen geben, die tragisch in einer dunklen Ecke endeten.
 
Ganze 15 Minuten später ist der PJ unten im Keller und bestückt den Bandwechsler.
 
Während er weg ist stelle ich den Geschwindigkeitsregler an der Fernsteuerung seines Autos wieder auf normal - bei einem Geschicklichkeitsspiel zu manipulieren, wie konnte ich nur so tief sinken? Jahrelange Praxis, das ist es. Anfänglich fiel es mir schwer, doch nun kann ich tiefer sinken als ein Pygmäe beim Limbotanz.
 
Bei seiner Rückkehr wird dem PJ die ganze Last seiner Niederlage bewußt. Unser erweiterter Wirkungsbereich bedeutet auch eine gewachsene Verantwortung und, das ist schlimm, verstärkten Nutzerkontakt. Eines der neuen Telefone klingelt. Ich lächle versonnen, als der PJ abhebt.
 
"Hallo, sehen sie, ich habe mein Passwort für die Personaldatenbank vergessen, doch ich muß an diesem Morgen die Datenbank bearbeiten."
 
"In Ordnung", antwortet der PJ in einem unerwartet hilfsbereiten Tonfall. "Bringen sie nur ihre Nutzerkarte vorbei und wir ändern es dann hier für sie."
 
Ich bin gerade dabei, meinen Kalender auf Termine zu prüfen, als ich bemerke, wie der PJ die Lifte in den Wochenend-Modus schaltet - was bedeutet, daß sie im Keller verharren.
 
Ein paar Minuten später keucht ein stämmiger Mensch aus der Personalabteilung durch unsere Tür, nachdem er die zwei Treppen nach oben erklommen hat.
 
"Ich bin hier, damit mein Passwort geändert wird."
 
"Oh, das tut mir jetzt aber leid. Der PJ ist gerade hinunter in ihr Büro geeilt, um es zu ändern." sage ich, während der PJ sich unter seinem Schreibtisch verkriecht.
 
"Er hat mir gesagt, ich solle heraufkommen." japst unser Besucher.
 
"Nein, ich bin sicher, daß er sagte, er käme zu ihnen herunter."
 
"Oh. Nun, können sie das Passwort denn nicht ändern?" bittet der Nutzer.
 
"Ich könnte, doch es ist wahrscheinlich, daß der PJ meine Änderungen wieder überschreiben wird."
 
"Oh", murmelt der Nutzer und watschelt davon.
 
Ein paar Minuten später ist er wieder am Telefon.
 
"Es geht um mein Passwort", sagt er.
 
"Ah, ja." antwortet der PJ. "Sie waren nicht in ihrem Büro, als ich dort ankam. Wie wäre es, wenn sie hochkämen und ich ändere es dann von hier aus?"
 
"Aber ich war gerade bei ihnen und habe mit ihrem Kollegen gesprochen."
 
"Nun, dann müssen sie eben noch einmal vorbeikommen, oder?"
 
Der Hörer fällt auf die Gabel und der PJ kümmert sich wieder um den Lift.
 
Nach dem dritten Mal klingt das Keuchen so schlimm, daß ich den PJ aus seinem Versteck herauskommen und das Passwort ändern lasse, bevor der arme Mann einen Herzanfall bekommt. Ich weiß, ich weiß, ich bin ein Weichei ...
 
Natürlich hätte das alles den armen Mann weniger angestrengt, wenn der PJ nicht die Füllung seines Asthma-Inhalators gegen Heliumgas ausgetauscht hätte, was ihn in Panik wegen seiner plötzlich veränderten Stimme versetzte und schließlich ohnmächtig werden ließ. Auf seinem Weg auf den Boden hat er auch noch mein CD-ROM-Laufwerk mitgerissen, was mich in eine hinterhältige Stimmung versetzt.
 
Ich bin gezwungen, den nächsten Anruf anzunehmen, während der PJ den Bewußtlosen zur Sanitäterin bringt. Nun, zumindest plaziert er ihn im Frachtaufzug und stellt die richtige Etage ein. Man soll uns nicht nachsagen können, wir kümmerten uns nicht um unsere Nutzer.
 
"Hallo, ich habe ein paar wichtige Verkaufsdaten auf einer Diskette, auf der steht, sie sei im DOS-Format."
 
"DOS-Format?"
 
"Ja."
 
"Das ist leicht. Wechseln sie ins DOS."
 
"Uh-Ah."
 
Klickklick.
 
"Und benutzen sie den FORMAT-Befehl."
 
"Oh, natürlich."
 
Und wieder ein erfolgreicher Schuß in das Fischfaß.


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 21.01.1998, Übersetzung: thomas w., 2000.