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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Eine häßliche Saga von glühendem Ehrgeiz und geschmuggeltem Likör - ein herzliches Willkommen zur B.O.F.H.-Weihnachtsgeschichte ...

Ein neues Jahr. Wie schnell doch die Zeit vergeht. Dabei scheint es, als sei es erst gestern gewesen, als die vorweihnachtliche Feier der IT-Abteilung stattfand.
 
Zugegeben, ich hatte ein paar Gläser dieser erwärmten Medizin, die in dieser Jahreszeit immer so populär ist, getrunken, so daß meine Erinnerung nicht mehr so klar ist, doch ich erinnere mich noch daran, einem unserer lautstarken Klienten dabei geholfen zu haben, in der Bowleschüssel nach Äpfeln zu tauchen - gelegentlich ließ ich ihn zum Luftschnappen hochkommen - kurz bevor der tragische Unfall mit dem Weihnachtsbaum passierte.
 
Wer hätte auch erahnen können, daß die Weihnachtsbaumbeleuchtung mit Starkstrom gespeist wird, vom Installateur der Firma B-Electrix natürlich einmal abgesehen. Der Brandgeruch, das Schreien und die improvisierte Tanzvorführung, die dem Sturz des Weihnachtsbaumes in die große Bowleschüssel folgten, gerade als der Chef einen weiteren Eimer des alkoholfreien Erfrischungsgetränks nachfüllte, waren ein gutes Finale dieses Tages - und kosteten wesentlich weniger als ein eingekauftes Feuerwerk.
 
Und dann fällt mir noch ein, daß die Dinge sich ursprünglich anders entwickeln sollten als bei der Weihnachtsfeier 1997. Von oben kam nämlich die Anweisung, daß jeder, der sich mit Alkohol erwischen läßt, mit der Genehmigung der Personalabteilung gnadenlos gefeuert wird.
 
Manche Menschen haben eben keinen Humor, denke ich, als ich mich daran erinnere, wie ich ein paar halbleere Schnapsflaschen in die untersten Schubladen der Schreibtische einiger besonders lästiger Nutzer schmuggelte. Leider rief die Pflicht, so daß ich nicht zuschauen konnte, wie der Sicherheitsdienst zehn Minuten später einem anonymen Tip wegen heimlichen Trinkens am Arbeitsplatz folgte. Aber man kann ja nicht alles haben, oder?
 
Der PJ und ich hatten gemäß den Anweisungen für eine ´sichere´ Weihnachtsfeier unsere Getränke sicher in der Netzwerkzentrale versteckt in Geräten, die für Außenstehende wie Feuerlöscher aussehen - Geräte, die ich mir für spezielle Gelegenheiten wie diese aufhebe.
 
Es ist verblüffend, was man für Geld kaufen kann. Und wenn es nicht Geld ist, dann sind es ein paar Fotos, die einen mit Netzstrümpfen bekleideten und tanzenden Arbeitsschutzverantwortlichen auf dem Tisch eines angeblich privaten Clubs in London zeigen.
 
Nach dem Zwischenfall mit dem Weihnachtsbaum muß ich mich leider auf die Erinnerungen des PJ verlassen, da ich wohl einen ganzen Feuerlöscher hatte und mein Gedächtnis nun ungefähr so klar ist wie die Formulierungen eines typischen Lizenzvertrages für Software.
 
Scheinbar hat sich das Geschehen wie folgt entwickelt:
 
Gegen 16:15 Uhr half ich dem PJ dabei, die alkoholfreie Bowle auszutauschen, nachdem wir ein paar Feuerlöscher geholt hatten, um die zu ersetzen, die wir für das Ausschalten des Chefs gebraucht hatten.
 
Etwa 17 Uhr kam die Feier voll in Schwung, die Menschen begannen die ´alkoholfreie´ Bowle so sehr zu schätzen, daß ich noch ein paar weitere Feuerlöscher holen mußte, um den PJ davor zu bewahren, Opfer einer spontanen Selbstentzündung von Orangensaft zu werden, während er weitere Bowle zubereitet.
 
Gegen 18:17 Uhr (so die Zeitangabe auf dem Band der Sicherheitskamera) kletterte ich auf einen Tisch und begann das auf unseren Feiern so beliebte Spiel ´Der Chef ist so dumm´.
 
"Wie dumm ist er?" rief die mit Getränken wohlversorgte Menge.
 
"Er ist so dumm, daß er nicht einmal IT buchstabieren kann."
 
"Er ist so dumm, daß er sich den Fuß beim Neustart seines Rechners brach."
 
"Er dachte, vorbeugende Wartungsmaßnahmen bedeutet, daß der Ingenieur ausgesperrt werden muß."
 
"Er muß für eine Urinprobe studieren. Aber er ist auch faul."
 
"Wie faul ist er?"
 
"Er hat gerade seine Autobiographie beendet - In 80 Tagen einmal um die Cafeteria."
 
Gegen 20:30 Uhr ging es abwärts (oder aufwärts, das hängt von der Perspektive des Betrachters ab), die Mixgetränke waren alle, so daß die Bowle jetzt eine Kombination aus Gin und Reinigungsalkohol darstellte. Der PJ zeigte jedem der es wissen wollte, wie man einen Rechner mit Windows NT wirklich sicher macht, und benutzte dazu nichts weiter als einen Hammer und den neuen Laptop des Chefs.
 
Das Ende kam etwa 22:45 Uhr - wie üblich - als der Chef aus dem Krankenhaus zurückkehrte.
 
Wegen der Verbrennungen im Gesicht ohnehin schon wütend, wurde seine Stimmung nicht gebessert durch die Party-Musik, die aus den Funkgeräten der Sicherheitsleute erklang, die Radio IT und seine betrunkenen DJs sendeten.
 
Wegen der Verbände erkannte der PJ ihn zunächst nicht und versuchte, ihn zur Teilnahme am Spuckwettbewerb zu überreden - wer am nächsten an die Kaffeetasse des Chefs herankommt, gewinnt (und Sonderpreise gibt es, wenn die Tasse getroffen wird).
 
"Schluß!" schrie der Chef und warf die Bowle-Schüssel um, als er zu den Plattenspielern hechtete, um die Musik und die Lichter abzuschalten.
 
Im Rückblick betrachtet bin ich sicher, daß der Chef es sich besser zweimal überlegt hätte, statt mit seinen nassen Hosen wütend auf die brennenden Kerzen der Weihnachtstorte loszugehen. Sogar mein lückenhaftes Gedächtnis kann sich daran erinnern, wie der Chef, von Schmerzen gepeinigt, mit brennenden Hosen herumhüpfte.
 
Wenn sie nur nicht die am nächsten herumliegenden Feuerlöscher genommen hätten, dann wäre das Ende der Feier sicher anders verlaufen. Doch andererseits sind zwei Feuerwerke besser als eins, und die Leute hatten Spaß dabei, sich am Feuerlöscher abzuwechseln - ein zusätzlicher Weihnachtsbonus sozusagen ...


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 14.01.1998, Übersetzung: thomas w., 2000.