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| bastard operator from hell | ||
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Die Fehler eines cleveren neuen Einkaufssystems bringen die bis dahin unterdrückten rachsüchtigen Seiten des B.O.F.H. zum Vorschein ...
Die Leute der Systembetreuung gehen mir wirklich auf die Nerven. Sie sind nicht mehr damit zufrieden, daß sie in ihrem Maschinenraum die unumschränkten Herrscher - ähnlich wie der PJ und ich in der Netzbetreuung - sind, sondern haben nun auch noch das Bestell- und Einkaufssystem übernommen. Anstatt wie bisher ein Gerät, das seinen letzten Atemzug getan hat, zu identifizieren und eine Bestellung für ein besser ausgestattetes Ersatzgerät dem Chef unterzuschieben, damit er seine drei Kreuze darunter setzen kann, müssen wir nun jeden Wunsch nach Geräten, die etwas mit Computern zu tun haben, per E-Mail an das neue Bestellsystem schicken, damit die Systemleute die Bestellung lesen, genehmigen und sich um eine preisgünstigere Alternative umsehen können ... Ich bin darauf vorbereit, mit dieser Situation umgehen zu können. Doch der PJ fühlt sich wie in Ketten gelegt. Möglicherweise hängt das damit zusammen, daß wir einen ´Crisco´-Switch anstelle des ´Crisco´-Switches, den wir bestellt hatten, bekamen - direkt aus dem Silicon Back-Valley in Venezuela. Gemessen am Wert seiner Gesichter hätte dieses Land seine Exporte bei der Miss World-Herausforderer-Marke stoppen sollen. Ich schäme mich selbst dafür, dem Repräsentanten des gewählten Zulieferers ´zuzüglich der Früchtchen, die es für den Gegenwert von zwanzig 100base-T Hubs gibt´ gesagt zu haben, da diese Forderung offenbar buchstabengenau interpretiert wurde. Nun, zumindest dürfte die Kantine in den nächsten zwei Jahren keinen Engpaß bei Bananen zu befürchten haben. So schnell wie möglich beschwere ich mich beim Chef. "Wir können diese Lieferung nicht annehmen", rufe ich. "Das Netzteil hat nur zwei verschiedene Einstellungsmöglichkeiten: 12 und 24." "Das ist offensichtlich ein Beschriftungsfehler", antwortet er. "Man hat wohl die Null am Ende vergessen." Als ich einen der Betreuer des Bestellsystems mit den rauchenden Überresten der erwähnten Ansammlung von Müll konfrontiere, erklärt der Chef defensiv: "Nun können wir es wohl nicht mehr umtauschen. Letztlich stand auf dem Gerät ja 12 Volt beziehungsweise 24 Volt ... Wir müssen es reparieren! Und überhaupt, sie haben nicht gesagt, daß sie ein Gerät für 240 Volt Wechselstrom wollen, als sie die Bestellung an das Einkaufssystem schickten. Die Leute können ja schließlich keine Gedanken lesen." "Nein, denn dann hätte ich auch nicht gesagt: ´Vermeiden sie, Thinwire-Kabel mitzukaufen´, oder?" "Oh, das Kabel lagert noch im Erdgeschoß", unterbricht der System-Mensch. "Wir haben dank Crisco´s Winter-Aktion einen tollen Preis erzielt - ´Thikwire für wenig Geld´" "Sehen sie", sagt der Chef. "Wir sind schon dabei, Geld zu sparen." "Sie haben 4.000 Meter Thikwire-Kabel für die Büros gekauft?" "Genau. Und es war geradezu unheimlich billig." strahlt er. Im Rahmen eines außergewöhnlichen Wandels meines Charakters muß ich einen Tag lang krankmachen, da ich mich wirklich schlecht fühle. Als ich dies am nächsten Tag dem PJ erzähle, geht es ihm ebenso. Am nächsten Tag sind wir wieder an unserem Arbeitsplatz und entschlossen, etwas aus dem Tag zu machen. Ich zeige dem Chef ein Stück Thikwire-Kabel, den Kabelschacht und einen Bohrer mit sehr großem Durchmesser. "Wo sollen wir anfangen?" frage ich. "Uhm", murmelt der Chef, der genau weiß, daß seine Beliebtheitswerte in den Büros sich umgekehrt proportional zur Lautstärke eines Bohrers verhalten, der sich langsam seinen Weg von einem Ende des Gebäudes zum anderen bahnt. "Vielleicht sollten wir das Kabel zurückschicken." "Natürlich sollten wir", antworte ich. "Das ist nicht möglich", sagt der System-Mensch. "Wir müßten eine Stornierungsgebühr bezahlen, doch das Bestellsystem ist dafür noch nicht eingerichtet." Das bedeutet Krieg! Ich schreibe ein Skript, um 20 Disketten zu bestellen - eine nach der anderen. Dann ändere ich die Antwortadresse meiner E-Mails auf die Adresse des Bestellsystems. Fünf Minuten später geht dem Bestellsystem der Arbeitsspeicher aus, so daß der PJ und ich zu einem improvisierten Treffen mit dem Chef und den Leuten der Systembetreuung gebeten werden. "Er hat den Arbeitsspeicher unserer Server überlastet und sie abstürzen lassen!" heulen die vereinten Systembetreuer. "Kein Arbeitsspeicher!" Klickediklack. "Ich habe ihnen gerade neuen bestellt ... Oh-oh, schon wieder ein Absturz. Sie scheinen wirklich ziemlich wenig Arbeitsspeicher zu haben. Wissen sie, sobald ihr System wieder läuft, bestelle ich ihnen noch etwas mehr, damit sie auf der sicheren Seite sind ..." "Nein!" stößt der Chef hervor. "Aber wir müssen die Bestellung doch durch das Bestellsystem schicken." sage ich. "In Ordnung", seufzt der Chef. "Schreiben sie es auf und geben sie es den Systembetreuern, und die werden es dann selbst in das System eingeben." Der PJ mischt sich ein: "Aber sie werden Teile vergessen oder übersehen, von denen sie glauben, sie seien unwichtig, und wir bekommen wieder nur Schrott!" "Nein. Sie werden ihre Bestellung Wort für Wort eingeben", beschließt der Chef. "Sie haben verstanden!" Die Systembetreuer nicken, und der PJ und ich stimmen widerwillig zu. Kaum sind sie wieder verschwunden, beauftrage ich den PJ, einen neuen Switch zu bestellen. "Was soll ich schreiben, 240 Volt Wechselstrom-UTP-Switch ...?" "Schreiben sie, was sie wollen. Versichern sie sich nur, daß es nach den ersten 256 Zeichen kommt, denn für die Produktbeschreibung sind 256 Zeichen die oberste Grenze." "Das ist doch kindisch." "Nicht so kindisch wie ´Ein Idiot gibt dies ein´ in das Beschreibungsfeld zu schreiben." "Das würden sie nicht tun!" "Doch. Ich werde es wieder tun und ich gedenke auch, dies für den Rest der Abteilung zu dokumentieren. Noch Fragen?" "Nein, natürlich nicht." "Gut, dann kritzeln sie los. Und machen sie es so unleserlich wie möglich." |
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© Simon Travaglia, 03.12.1997, Übersetzung: thomas w., 2000. |
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