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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Während der B.O.F.H. sich erholt, sieht sein Ersatz Karrierechancen - was Gegenmaßnahmen des PJ herausfordert ...

Dieser Urlaubstag ist ein trüber Tag. Mein neuer Kontakt zum Bildungswesen muß arbeiten, so daß ich in die Stadt ausweiche, um meine tägliche E-Mail in Empfang zu nehmen. (Zur Zeit sind die Internet-Cafés an der Küste nur schwer zugänglich, weil sie von besorgten Eltern belagert werden und die Betreiber abgetaucht sind.)
 
Als ich mich auf dem Firmenrechner anmelde, bemerke ich, daß der letzte Bericht des PJs sehr lang ist. Deshalb werfe ich die Espresso-Machine an und öffne dann den Bericht, den der PJ geschickt hat. Er ist ein Dokument von geradezu epischem Ausmaß, welches den Kampf eines kompetenten Netzwerkbetreuers angesichts schier unüberwindlicher Widerstände schildert.
 
Anscheinend hat sich der vom Chef eingesetzte Netzwerk-Analyst innerhalb weniger Tage von der demütigen und unauffälligen Person zu einer heimtückischen und verschworenen Person gewandelt. Sicher, etwas derartiges war absehbar und wird auch vom Inhaber dieser Position erwartet, doch er hätte damit wenigstens warten können, bis ich gefeuert wurde.
 
Der PJ hat freilich schnell herausgefunden, daß das Wissen des neuen Schoßhündchens des Chefs über Netzwerke und Unix gleich nach ´nichts´ kommt - obwohl es sehr nahe daran ist, beinahe noch weniger - wie auch immer, er hat keine Ahnung.
 
Die hervorragend trainierten Instinkte des PJ bemerkten die Spuren, die auf heimliche Absprachen deuteten, so daß er die Telefonüberwachung aktivierte. Seine Sinne hatten ihn nicht getäuscht - sein neuer Vorgesetzter und der Chef kennen sich seit der Zeit, als die Elektrizität erfunden wurde.
 
Weitere Nachforschungen ergaben erschütternde Übereinstimmungen zwischen seinem und meinem Lebenslauf - Wort für Wort vermutlich.
 
Es scheint, als hätte der Chef meinen Lebenslauf seinem Freund geschickt. Und der hat offenbar das Potential meiner Postition richtig gedeutet, jede Arbeitsstunde damit verbracht, beim Nutzerservice und der Firmenleitung herumzuschnüffeln, um dadurch die Erinnerung an mich verblassen zu lassen. Die Beobachtungen des PJ deuten darauf, daß er entweder meine Arbeit übernehmen, den Nobelpreis bekommen oder auch beides will.
 
Die Bemühungen gipfelten darin, daß mein Ersatz sich selbst in den Vordergrund spielen wollte, indem er mir eine Nachlässigkeit nachweist, die er in einer bewegenden halben Stunde beseitigt, um so seinen Ruhm unsterblich zu machen. Ich muß mich nun auf die Schilderungen des PJ verlassen ...
 
"Etwas seltsames ist mit dem Mail-Server passiert", erklärte mein Ersatz dem PJ und spürte den kommenden Ruhm. "Es gibt einen Prozeß, der das Mailprogramm gestartet hat. Der Prozeß kommt aber von draußen. Ich glaube, wir werden angegriffen."
 
"Woher kommt der Prozeß?" fragte der PJ nach und erahnte schon die Antwort.
 
"Von einem Rechner, der sich bofh.stirbGeekstirb.com nennt."
 
Der PJ erkannte natürlich meinen Domainnamen und weiß auch um meine Vorliebe, mittels E-Mail auf dem laufenden gehalten zu werden. Also entschied er sich, die Situation zu entschärfen, bevor sie außer Kontrolle geraten konnte.
 
"Ja, das scheint ein Hacker zu sein." stimmte er zu.
 
"Was können wir dagegen tun?" will der Aushilfs-B.O.F.H. wissen und denkt offenbar schon an die Verwertungsrechte an seinem Buch über Internet-Kriminalität.
 
"Sollten wir das Anmelden auf unseren Maschinen verbieten?"
 
"Natürlich nicht", rät der PJ ab. "Das würde sie nur ärgern. Am besten lassen wir das Desinfektionsprogramm durch das Netzwerk laufen."
 
"Wie?"
 
"Mit dem Spray-Kommando. Der Name kommt von Desinfektionsspray. Geben sie einfach SPRAY RECHNERNAME Strich c eine Million Strich l Zweitausend und ein UND-Zeichen ein. Das machen sie mit allen Rechnern, die zu unserem Netzwerk gehören. Das sollte das Netzwerk reinigen, während ich mir einen Kaffee hole."
 
Als der PJ zurückkehrt, wird er von gequältem Heulen empfangen. "Das verdammte Netzwerk ist tot."
 
"Nein, nein", kommentiert der PJ. "Es ist noch da und läuft - aus irgendwelchen Gründen allerdings nur sehr langsam."
 
Ab dann ging es nur noch bergab. Ihn davon zu überzeugen, alle 10/100 MBit Ethernet Switch Ports auf 100 Non-Switched umzukonfigurieren, "für erhöhte Leistung", war ein Meisterstück - auch wenn 10 Prozent der Nutzer, die 100 MBit nutzen können, wirklich zufrieden mit der Leistung waren, die ihnen der Ausfall der restlichen 90 Prozent bescherte.
 
Bei dem Versuch, die aufgebrachten Nutzer wieder zufriedenzustellen hat er von sich aus die Steuersoftware für die Router aktualisiert und dabei offensichtlich eine goldene Regel nicht beachtet: Traue niemals einer Aktualisierung, die du nicht selbst bearbeitet hast.
 
Das führte zu einem weiteren heftigen Ausfall, als ein seltsamer Fehler die SLIP-Verbindungen (Protokoll zur Einwahl in Netzwerke mittels Telefon [thomas w.]) mit höchster Priorität versah, so daß das Netzwerk beinahe lahmgelegt wurde. Und das überraschte den PJ wirklich, hatte er doch noch nicht die Zeit gehabt, dies per Hand einzustellen.
 
Ich will gerade meine Lektüre beenden, als ein neuer Bericht hereinkommt. Offenbar hat es einen scheußlichen Arbeitsunfall mit meinem Telefon gegeben. Anscheinend hat das Anschlußkabel meines Headsets die Isolierung des Netzkabels durchgescheuert, was dazu führte, das das Headset nicht nur dem Ego meines Ersatzes heftigen Auftrieb gab.
 
Zum Glück haben wir als ordentliche Netzwerker einen Notfall-Ausschalter, doch unglücklicherweise lehnte eines der schweren Handbücher des PJs zu diesem Zeitpunkt vor ihm.
 
Die Sanitäter haben es dann irgendwie geschafft, meinen Ersatz mit ein paar Schokokeksen und einer warmen Decke unter meinem Tisch hervorzulocken, aber es sieht so aus, als müßte ich nun bald damit rechnen, wieder in die Firma zurückgerufen zu werden. Man gönnt uns Arbeitenden eben keine Erholung. Oder unseren Vorgesetzten ...


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 26.11.1997, Übersetzung: thomas w., 2000.