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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Monate des Biersaufens haben dem B.O.F.H. zugesetzt, so daß er beschließt, eine Erholungsreise zu unternehmen ...

Ich habe mich entschieden, mir eine wohlverdiente Pause zu gönnen, um mich von den Anstrengungen der Arbeit (zum Beispiel Alkoholvergiftungen) zu erholen. Meine Reise soll mich an die Küste führen.
 
Da ich vorsichtig bin, beauftrage ich den PJ, mich mit täglichen E-Mails über die Geschehnisse in der Firma zu informieren. Traurigerweise wartet mein Laptop noch auf seine Aufrüstung, die der Chef mir in einem seiner laxeren Momente genehmigt hat, so daß ich für Kontakte mit der zivilisierten Welt auf ein Internet-Café angewiesen bin.
 
Wie 90 Prozent der kultivierten E-Mail-Nutzer bevorzuge ich es, meine persönliche Kommunikation in der Zurückgezogenheit meines Büros oder meiner Wohnung zu erledigen, wo ich nicht durch die Geräusche von Quake spielenden Jünglingen abgelenkt werde. Dafür ist genug Zeit in den restlichen Stunden des Tages. Außerdem warte ich nicht besonders gern darauf, daß mir ein Typ mit Pferdeschwanz den langsamsten Computer auf der Erde einschaltet, der so wenig Arbeitsspeicher hat, daß er selbst für die Eingabe des Passwortes nicht reicht.
 
Als ich erwähne, daß ich gern mein bevorzugte E-Mail-Programm nutzen würde, ernte ich ein mitleidiges Lächeln.
 
"Ihr erstes Mal?" gluckst der Pferdeschwanz selbstgefällig. "Niemand benutzt dieses Programm."
 
Ich könnte ihm das Gegenteil beweisen, aber ich will mich ja erholen.
 
"Ja, mein erstes Mal", antworte ich ängstlich. "Was empfehlen sie denn?"
 
Er schwärmt mir etwas von der Alpha-Version der neuesten Fehleransammlung irgendeiner selbsternannten absolut hochmodernen Programmierfirma vor und tippt das Passwort (´verbinden´, wie ich mühelos mitbekomme) ein. Er beginnt seinen Monolog darüber, daß ich keine Angst vor der Technik haben müsse, die jemand mit seiner Erfahrung betreut, um mich zu beruhigen. Irgendwann verstummt er, wendet sich wieder dem Rechner zu, um festzustellen, daß alles nicht so ist, wie es sein sollte, was möglicherweise daran liegt, daß ich alle Programme in den Papierkorb verschoben habe, als seine Aufmerksamkeit nachgelassen hatte.
 
Ich konnte mich nicht bremsen - alte Gewohnheiten wird man nicht so leicht los.
 
"Das ist interessant", kommentiert er.
 
"Oh, es funktioniert nicht?" jammere ich in einem Tonfall, der mir aus der Nutzerbetreuung sehr vertraut ist. "Ich wußte es, Computer hassen mich."
 
In der Überzeugung, ich sei ein ahnungsloser Anfänger, meldet er sich erwartungsgemäß beim Datei-Server mit seiner eigenen Nutzerkennung an und verläßt sich dabei zur Geheimhaltung des Passwortes ganz auf sein ´blitzschnelles´ Tippen (´Mädchenschwarm´ - geschmacklos und größtenteils unwahr).
 
Während er eine Neuinstallation durchführt mache ich 20 Pfund locker und kaufe mir von einem anderen fettigen Pferdeschwanz an der Espresso-Theke ein Nutzerkonto. Er setzt mich an einen anderen Rechner und gibt mir den Rat, mich einfach ein wenig im Internet umzusehen, während sie mit der Fehlersuche an dem anderen Rechner beschäftigt sind. Als er verschwunden ist, beende ich meinen Verlierer-Modus und lade die E-Mails von der Arbeit herunter.
 
Ein weiterer Pferdeschwanz kommt vorbei und lächelt mitleidig, als er über meine Schulter blickt und beobachtet, wie die E-Mails mit 2.400 Baud hereinkriechen, weil eine Schulklasse an einem anderen Rechner sich ein Echtzeit-Video anschaut.
 
Ein schneller Blick in meine E-Mail sagt mir, daß der Chef noch immer Schwierigkeiten macht, indem er in meiner Abwesenheit einen Netzwerk-Analysten anheuert. Darum werde ich mich kümmern müssen.
 
Doch in der Zwischenzeit habe ich einen kleineren Fisch zu braten, denn ein Pferdeschwanz verschüttet hinter meinem Rücken seinen Espresso, als er von hinten zu dem ahnungslosen Kunden heranwatschelt.
 
Ich melde mich auf dem Datei-Server als ´Pferdeschwanz1´ an und schaue mir die Dateien an. Um die Zeit totzuschlagen, modifiziere ich das Anmelde-Skript ein wenig.
 
Wo ich gerade so schön dabei bin, beschließe ich, daß die Homepage des Cafés ein wenig aufgemotzt werden könnte.
 
Ein schockiertes Keuchen wenige Augenblicke später sagt mir, daß jemand die erweiterte Fassung der Homepage mit den gerade hochgeladenen Videos anschaut.
 
Ein kleiner Hauch von Schweden tut niemandem weh - speziell dann nicht, wenn, wie ein schneller Blick mir zeigt, das Keuchen von der Lehrerin der Schulklasse kommt, die versucht, ihre Schüler vom Monitor abzulenken. Mir scheint, er zeigt nicht die erwartete Dangermouse-Homepage.
 
Ich lasse meine Finger noch einen Augenblick länger über die Tastatur gleiten, um meine Nutzerdaten anzupassen, dann gehe ich herüber um zuzuschauen, wie das Ende des Unterrichts aussieht, dem die Jugendlichen ausgesetzt waren.
 
"Das ist ja ekelhaft!" rufe ich entsetzt.
 
Ein Pferdeschwanz entschuldigt sich wortreich.
 
"Es stimmt also, wenn man über das Internet sagt, daß es voller Perversitäten ist." wende ich mich an die junge Lehrerin.
 
"Es ist doch nur ein Werkzeug", verteidigt sich der Pferdeschwanz.
 
"Das habe ich gesehen." sagt die Lehrerin.
 
Es ist lustig, wie warmherzig man zu Personen sein kann, die man kaum kennt.
 
Einen Anruf bei der lokalen Fernsehstation später helfe ich der verlockend hübschen Lehrerin und ihren Schützlingen durch das Blitzlichtgewitter, die TV-Kameras und die Reporter-Mikrofone nach draußen und halte nur einmal an, um meine 200 Pfund, die ich für das Nutzerkonto bezahlt hatte, wieder in Empfang zu nehmen, die ich nun in ein Abendessen mit der Lehrerin zu investieren vorhabe.
 
Ferien? Nichts als Arbeit, Arbeit, Arbeit ...


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 19.11.1997, Übersetzung: thomas w., 2000.